Späte Sühne für weiteren "Rio"-Räuber: 7,5 Jahre Haft

Vier Jahre nach dem Raubüberfall auf ein Seniorenpaar hat das Landgericht Weiden einen weiteren Täter hinter Gitter gebracht. Das Urteil für Oleksandr M. (55) lautet auf 7,5 Jahre Haft.

Oberstaatsanwalt Peter Frischholz (links) plädierte auf 7,5 Jahre. Die Strafkammer entsprach dieser Forderung in voller Höhe.
von Autor RNSProfil

Die Senioren (damals 80 und 89) sahen gerade "Der Bulle von Tölz" an, als plötzlich drei vermummte Männer im Zimmer standen. Der sogenannte "Rio-Raub" von Grafenwöhr am 11. April 2016 beherrschte damals die Schlagzeilen. Ein betagtes Paar war von mehreren Osteuropäern überfallen worden und um mindestens 50 000 Euro beraubt worden. Der Bande waren in Prag Gerüchte zu Ohren bekommen, dass die ehemaligen Betreiber der "Rio-Bar" ihr Geschäft für 250 000 bis 500 000 Euro verkauft haben sollten und das Geld zuhause aufbewahren würden. Am Ende war die Beute weitaus geringer. Der Wirt hatte Ersparnisse in einer Blechdose aufbewahrt. Die Frau hatte gerade 20 000 Euro für den Kauf einer Küche abgehoben. Durch DNA- Spuren an den misshandelten alten Menschen und an Möbelstücken sowie durch Fotos der Tatfahrzeuge, welche die tschechische Polizei übermittelte, kam die Polizei auf die ukrainischen Täter.

April 2016: Ein altes Ehepaar saß gemütlich im Fernsehsessel, als es Opfer eines brutalen Überfalls wurde. Für einen der Täter gab es nun eine hohe Haftstrafe am Landgericht Weiden. Links der Verteidiger, rechts die Übersetzerin.

Ehepaar nicht erneut vor Gericht

Schon einmal abgeschoben

In einem, fast ein halbes Jahr dauernden Prozess wurden 2018 ein Haupt- und drei Mittäter zu zehn, fünf, vier und zweieinhalb Jahren verurteilt. Seit Montag stand nun mit Oleksandr M. ein weiterer Haupttäter in Weiden vor Gericht. Die 1. große Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Gerhard Heindl verurteilte den 55-Jährigen am Donnerstagabend nach nur zwei Verhandlungstagen zu 7,5 Jahren Haft.

Dem Ehepaar - inzwischen 94 und 84 Jahre - blieb eine erneute Aussage erspart. Am zweiten Verhandlungstag berichtete der damals berichterstattende Richter Markus Fillinger - er ist jetzt Vorsitzender Richter am Landgericht Amberg - über die Aussagen im Prozess vor zwei Jahren.

Der Ukrainer hatte damals im Prozess gegen seine Komplizen als Zeuge ausgesagt, dass er selbst und zwei ihm unbekannte Slowaken in das Haus in Grafenwöhr eingedrungen seien. Die alten Leute seien niedergeschlagen, gefesselt und zugedeckt worden. Die Beute habe lediglich 5000 bis 7000 Euro betragen, von denen er 2000 Euro bekommen habe, gab Richter Fillinger wieder.

Voll geständig war der Angeklagte bezüglich eines Einbruchs im oberbayrischen Stephanskirchen am 20. Juli 2016. Dort hatten er und ein Mittäter nachts eine Zahnarztpraxis ausgeräumt und "alles außer den festgeschraubten Stühlen" mitgenommen. Ein Kriminalpolizist berichtete, dass es sich um "bestellte Ware" handeln müsse. Was könne man mit chirurgischen Instrumenten, Schleifgeräten, Bohrern, Klemmen, Lampen und Schläuchen sonst anfangen? Die Gerätschaften des Zahnarztes könne man schlecht im Internet oder auf Flohmärkten verkaufen. Es müsse sich um organisierte Abnehmerkreise handeln, so der Beamte. Inklusive des Schadens durch den längeren Betriebsausfall war der Praxisgemeinschaft ein Schaden von über 177 000 Euro entstanden. Der Komplize hatte in Traunstein drei Jahre und acht Monate bekommen und Oleksandr M. als Mittäter benannt.

Oberstaatsanwalt Peter Frischholz hielt dem Angeklagten sein Geständnis zugute. Allerdings war er wegen eines dem Grafenwöhrer ähnlichen Raubüberfalls schon in der Vergangenheit zu vier Jahren verurteilt worden. Nach zwei Dritteln der Strafe hatte die deutsche Justiz den gelernten Tischler in seine Heimat abgeschoben - mit der Auflage, Deutschland nicht mehr zu betreten. Trotzdem sei er zurückgekehrt, um in Stephanskirchen und in Grafenwöhr Straftaten zu begehen. Sein nicht geständiger Komplize hatte 2018 zehn Jahre bekommen. Dieser sei allerdings auch nicht vorbestraft gewesen. Daher forderte Frischholz siebeneinhalb Jahre Freiheitsentzug.

Rechtsanwalt Tobias Konze vertrat als Nebenklagevertreter das Rentnerpaar, das immer noch unter den Folgen der Misshandlungen leidet. Konze betonte, dass die beiden Seniorin aus ihrem "beschaulichen Leben jäh herausgerissen wurden". Nur Zufall sei es, dass sich die Frau hatte befreien können. Sonst wären beide tagelang unentdeckt geblieben. Es hätte zum Tod kommen können, so Konze.

Verteidiger Wolfgang Müller (Rosenheim) betonte abermals den Wert des Geständnisses, das nicht nur die Einvernahme der Geschädigten erspart habe, sondern auch zu einer Verkürzung des auf sechs Tage angesetzten geführt hatte. Landgerichtspräsident Gerhard Heindl, die Richterin am Landgericht Susanne Pamler und die beiden Schöffen entsprachen am Ende dem Antrag des Staatsanwalts.

Späte Bitte um Verzeihung

In seinem "letzten Wort" vor der Urteilsverkündung bat der Angeklagte, dass ihm die Geschädigten "irgendwann einmal verzeihen" mögen. Außerdem hoffte der Vater von vier Kindern aus zwei Ehen seine Kinder in Transkarpatien noch einmal sehen zu dürfen.

Alles über den Rio-Raub und die bisherigen Prozesse

https://www.onetz.de/themen/rio-raub

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