Wie Viren auf den Menschen wirken

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Ein neues Virus hält die Welt in Atem. Doch was ist ein Virus überhaupt und wie kann man sich schützen?

Diese vom Center for Disease Control and Prevention (CDC) erstellte Illustration zeigt den neuartigen Coronavirus 2019.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Dafür haben wir allgemeine Informationen für unsere Leser aufbereitet. Unsere Quellen sind: das Helmholtz-Institut, die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, das Robert-Koch-Institut, das Bundesministerium für Gesundheit, die Charité Berlin und die Technische Universität Wien.

Was sind Viren?

Viren sind winzig klein und relativ einfach aufgebaut. Sie bestehen aus einem oder mehreren Molekülen. Manche Viren sind von einer Eiweißhülle umgeben. Die Moleküle enthalten das Erbgut mit den Informationen zu ihrer Vermehrung. Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel. Sie können, anders als Zellen, selbst keine Energie gewinnen und keine Eiweiße herstellen. Um sich zu vermehren, benötigen Viren daher Wirtszellen. Dazu dringen sie in einen Wirt, also ein Tier oder den Menschen, ein. Die Viren beginnen mit der Vermehrung, sobald sie in den Körper eindringen: Das Virus dockt an die Wirtszelle an, damit sie die benötigten Bausteine produziert. Nach dem Absterben der Wirtszelle werden Tausende Viren freigesetzt, die sich sofort auf die Suche nach einer neuen Wirtszelle machen.

Was bedeutet der Begriff "mutieren"?

Bei jeder Infektion entwickelt der Körper mit der Zeit Abwehrkörper, um den Erreger zu bekämpfen. Deshalb sind Viren flexibel: Um die Abwehr zu umgehen, verändern manche Viren ständig ihr Gesicht. Man sagt dazu auch, sie "mutieren". Das ist nicht ungewöhnlich und zum Beispiel auch beim Grippe-Virus der Fall. Deshalb schützt der Grippe-Impfstoff auch nur für ein Jahr. Denn im nächsten Jahr kann der Erreger schon wieder ganz anders aussehen.

Was sind Coronaviren?

Zur Familie der Coronaviren gehört eine ganze Reihe unterschiedlichster Krankheitserreger. Meist infizieren sie Tiere - Säuger ebenso wie Vögel -, nur wenige Coronaviren haben sich an den Menschen angepasst. Diese verursachen jedoch rund ein Drittel der typischen „Erkältungen“ und auch verschiedene Durchfallerkrankungen.

Worum handelt es sich beim sogenannten neuartigen Coronavirus?

Ende Dezember 2019 traten in der chinesischen Millionenstadt Wuhan gehäuft Lungenentzündungen auf. Als Verursacher wurde Anfang Januar 2020 ein neuartiges Coronavirus identifiziert. Dieses Virus kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Es erhielt den Namen SARS-CoV-2, da es eng mit dem Erreger der Lungenerkrankung SARS verwandt ist, die 2002 um die Welt ging und rund 1000 Todesopfer forderte. SARS bedeutet: Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom. Respiratorisch heißt, dass die Atemwege betroffen sind; Syndrom nennt man ein bestimmtes Krankheitsbild mit mehreren Symptomen.

Wie verläuft eine Infektion mit SARS-CoV-2?

Die neue Erkrankung trägt den Namen "Covid-19", nach ihrem Erreger und dem Jahr des ersten Auftretens. Eine Covid-19-Infektion kann zu Krankheitszeichen wie Fieber und Husten führen. Auch über Schnupfen, Kurzatmigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Halsschmerzen und Kopfschmerzen wurde berichtet. Einige Betroffene leiden an Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall. Die Krankheitsverläufe variieren stark: von Verläufen völlig ohne Symptome bis hin zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen und Tod.

Wie und wo kann man sich mit dem Erreger anstecken?

Ganz genau ist das noch nicht geklärt. Der Hauptübertragungsweg scheint jedoch nach allgemeiner Auffassung die Tröpfcheninfektion zu sein. Das heißt: Die Viren, die im Rachenraum oder Atmungstrakt siedeln, verbreiten sich über die Luft. Denn beim Niesen, Husten und auch Sprechen gelangen winzige Speichel-Tröpfchen an die Luft und können von einem anderen Menschen eingeatmet werden. Oder die Erreger werden direkt über die Schleimhäute der oberen Luftwege aufgenommen, zum Beispiel durch einen Kuss. Speichel-Tröpfchen können aber auch an Gegenständen oder Flächen haften bleiben. Über die Hände können sie in den Körper gelangen, wenn anschließend Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen berührt werden (siehe auch Infokasten).

Wie kann ich eine Infektion verhindern?

Wie bei Influenza und anderen Atemwegserkrankungen schützen das Einhalten der Husten- und Nies-Etikette, gründliches Händewaschen sowie Abstand zu Erkrankten (etwa 1 bis 2 Meter) auch vor einer Übertragung des neuartigen Coronavirus. Aufs Händeschütteln sollte verzichtet werden. Zusätzlich ist es empfehlenswert, sich so wenig wie möglich ins Gesicht zu fassen. Personen, die zu den Risikogruppen gehören, also vor allem Menschen hohen Alters und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, sollten insbesondere in Regionen mit erhöhten Fallzahlen den Kontakt zu anderen Menschen, wenn möglich, reduzieren. Seife kann Coronaviren im Übrigen sogar sehr effektiv bekämpfen. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Geschirrspülmittel: Beim Kontakt mit den Tensiden der Seife wird die fetthaltige Hülle des Virus zerstört.

Wie wird eine Infektion behandelt? Helfen Antibiotika? Kann ich mich impfen lassen?

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien und nicht gegen Viren – somit auch nicht gegen Coronaviren. Bisher gibt es kein zugelassenes Arzneimittel zur Vorbeugung oder Behandlung des neuartigen Coronavirus, Tests mit Medikamenten laufen. Auch ein Impfstoff steht noch nicht zur Verfügung. Zum Glück verlaufen nicht alle Erkrankungen schwer, auch bei den meisten in China berichteten Fällen war der Krankheitsverlauf mild. Im Zentrum der Behandlung stehen daher unterstützende Maßnahmen je nach Schwere des Krankheitsbildes sowie die Behandlung bestimmter Grunderkrankungen.

Ansteckungswege:

Überträgt Papier den Erreger?

Professorin Ulrike Protzer, Virologin vom Helmholtz-Zentrum an der Technischen Universität München, sagte am 27. Februar auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass ein Virus über einen Brief oder ein Paket übertragen wird: "Die saugfähige Oberfläche eines Pakets oder eines Briefes und der Transport an der Luft würden das Virus sicher austrocknen und damit seine Hülle kaputt machen. Zudem geht das Virusgenom (das Erbgut, Anm. d. Red.) kaputt, wenn man es der Sonne oder UV-Licht aussetzt." Auch Zeitungsleser dürfen also beruhigt sein.

In den USA wurde zwar bereits im Labor getestet, wie lange die neuartigen Coronaviren in der Luft und auf verschiedenen Oberflächen nachweisbar sind. Das genaue Übertragungsrisiko lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, da im Alltag keine Laborbedingungen herrschen. Außerdem ist die Konzentration der Viren, die zu einer Infektion führt, nicht bekannt.

Die Forscher wollen nun in weiteren Untersuchungen klären, wie sich Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf das Virus auswirken. (m)

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