Zusteller sind immer gefragt

Auch in Zeiten zunehmender Digitalisierung bleibt die gedruckte Tageszeitung eine feste Größe. Sie erfordert allerdings ein aufwendiges Vertriebssystem. Die Zustellbranche aber hat seit einiger Zeit mit Problemen zu kämpfen.

Thomas Huber, Verlagsleiter von Oberpfalz-Medien.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Thomas Huber ist Verlagsleiter bei Oberpfalz-Medien. Im Interview erläutert er, wie sich das führende Medienunternehmen der nördlichen Oberpfalz auf die neuen Herausforderungen einstellt.

ONETZ: Wie hat sich die Situation im Zustelldienst in den letzten Jahren verändert?

Thomas Huber: Leider wollen immer weniger Menschen in den frühen Morgenstunden unsere Zeitungen austragen. Noch vor 10 Jahren beschäftigte unser Verlag gut 1200 Zusteller; heute sind es noch 1000. Dabei hat sich die finanzielle Situation für viele inzwischen sogar verbessert.

ONETZ: Was für Folgen hat diese Entwicklung?

Thomas Huber: Die Arbeit für den einzelnen Zusteller ist schwieriger geworden: Er muss weitere Strecken fahren und in größeren Bezirken austragen. Das bedeutet in der Folge natürlich auch, dass die Zustellkosten pro Exemplar deutlich ansteigen. Wenn Zusteller sich kurzfristig krank melden, was immer öfter vorkommt, ist es außerdem schwierig, Ersatz zu organisieren. Meistens gelingt das aber trotzdem, auch wenn es dann natürlich zu Verzögerungen bei der Auslieferung kommen kann.

ONETZ: Was tun Sie, um die Situation in den Griff zu bekommen?

Thomas Huber: Wir nutzen verschiedene Wege und Kanäle, um interessierte Bewerber anzusprechen. Aktuell findet zum Beispiel am Donnerstag, 27. Juni, von 13 bis 17 Uhr im Medienraum unseres Hauses in Weiden ein Bewerbertag statt. Doch auch unsere Gebietsleiter sind sehr aktiv und immer wieder in der ganzen Region unterwegs, um geeignete Kandidaten zu finden.

ONETZ: Laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat die Zustellung 2018 die Verlage insgesamt 1,3 Milliarden Euro und damit gut 300 Millionen mehr gekostet als noch 2014. Warum hat sich die Zustellung derart verteuert?

Thomas Huber: Mit der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Jahr 2015 hat sich auch die Entlohnung unserer Zusteller verändert. Vorher haben wir Stücklohn, also pro ausgetragene Zeitung, gezahlt. Seit 2015 zahlen wir nun Stundenlohn. Zusteller auf dem Land, die weitere Strecken zurücklegen und weniger Zeitungen austragen, haben vom Stundenlohn profitiert; in den Städten ist es genau umgekehrt. Diese Zusteller erhalten daher einen finanziellen Ausgleich vom Verlag, damit sie nicht schlechter fahren als zuvor.

ONETZ: Der BDZV sieht die Situation kritisch und fordert unter anderem, dass Verlage ihren Minijobbern statt 28 Prozent Sozialabgaben nur 10 Prozent zahlen müssen. Auch die Infrastruktur im ländlichen Raum sei verbesserungswürdig. Den Verlagen müsse die Zustellung dort erleichtert werden.

Thomas Huber: Diese Vorschläge halte ich für durchaus sinnvoll. Da die Kosten für die Zeitungszustellung steigen, während die Abonnentenzahlen und Anzeigenerlöse rückläufig sind, ist auf lange Sicht die Pressefreiheit in Gefahr: Denn irgendwann wird die Zustellung so teuer, dass die Verlage sie sich schlicht nicht mehr leisten können. Die Minijobber hätten nach dem vorgeschlagenen Modell keine Nachteile, da der Staat für die finanzielle Lücke bei den Sozialabgaben einspringen müsste.

ONETZ: Sind nur in unserer Region die Zusteller knapp?

Thomas Huber: Nein, die Situation ist in ganz Deutschland dieselbe. Vielleicht hat die Zustellbranche bei den Leuten nicht das beste Image. Das ist schade, denn diese Jobs haben auch schöne Seiten: Die Zusteller können sich ihre Zeit in einem gewissen Rahmen selbst einteilen, früh Feierabend machen und sind draußen unterwegs. Gerade für Leute, die zu ihrer regulären Arbeit etwas dazu verdienen wollen, ist diese Tätigkeit eigentlich ideal, denn sie sind damit ja schon frühmorgens fertig.

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