25.06.2018 - 16:59 Uhr
WenzenbachDeutschland & Welt

Mehr als eine Brieffreundschaft

"Aber wir können uns Briefe schreiben." Als diese Aussage fällt, sind schon unzählige beschriebene Bögen hin- und hergegangen zwischen Andy und Melissa.

Eva Sixt (Melissa) und Martin Hofer (Andy) betreiben schriftliche Konversation inmitten der üppigen Kulisse des Hesperidengartens.
von Susanne WolkeProfil

Wenzenbach.Vielleicht ist Briefeschreiben allein nicht ihr Leben. Aber das Leben von Andy und Melissa wird allein durch Briefe wiedergegeben. "Love Letters", eines der erfolgreichsten Theaterstücke der letzten Jahrzehnte, das derzeit im Hesperidengarten bei Wenzenbach (Kreis Regensburg) aufgeführt wird, kommt nur mit zwei Personen und ohne großes Bühnenbild aus.

Die Ereignisse zweier Leben, vom frühen 20. Jahrhundert bis ins späte, spielen sich weitestgehend vor dem Geiste des Publikums ab. Einziger Anhaltspunkt: die Briefe der bezaubernder Protagonisten, die diese selbst in Fragmenten vortragen. Die reiche und rebellische Melissa. Der ehrgeizige und angepasste Andy: Dass ihr Briefwechsel als "Love Letters" tituliert ist, dürfte den beiden nicht immer bewusst sein.

"Ich liebe dich", heißt es zwar ganz zu Beginn der Konversation - in der zweiten Klasse, kurz nachdem sich Andy und Melissa das erste Mal begegnet sind. Und: "Ich weiß jetzt, dass ich sie geliebt habe", schreibt Andy Jahrzehnte später nach Melissas Tod an deren Mutter. Diese Erkenntnis kommt aber reichlich spät. Dazwischen liegt eine lange Zeit, angefüllt mit Freude, Frust - und Briefen. Joseph Berlinger beschreibt die Situation folgendermaßen: "Andy und Melissa. Sie kommen nicht zusammen, aber auch nicht voneinander los."

Der Regensburger Regisseur hat sich des Plots angenommen. Zwar bedarf der Text, den Albert R. Gurney 1988 schrieb, keines großen Bühnenrahmens. Berlinger schöpft aber dennoch aus dem Vollen. Die Geschichte von Andy und Melissa, die so ergreifend, witzig und auch traurig ist, hat Joseph Berlinger, der mit seinen Inszenierungen gerne den Theatermauern entflieht, zunächst im Regensburger Turmtheater auf die Bühne gebracht, nun aber in den Hesperidengarten bei Wenzenbach verpflanzt.

Dort zwischen Buchshecken und im Gewächshaus starten die beiden Darsteller im Amerika des Jahres 1937 ihren mehr oder weniger gemeinsamen Lebensweg: Andy, ein unter der Fuchtel seiner ambitionierten Eltern stehender Junge und Melissa, ein reiches, aber emotional vernachlässigtes Mädchen.

Martin Hofer und Eva Sixt geben die beiden mit Bravour. Der trotzige Knabe und die wilde Göre: Die beiden selbst längst erwachsenen Schauspieler spielen ihre jungen Protagonisten in überzeugender Manier. Und noch mehr: Auch später, als Andy längst als Senator und Familienvater Karriere gemacht hat und Melissa - es war leider von Anfang an zu befürchten - in die Fußstapfen ihrer alkoholkranken Mutter getreten ist, sieht man sie noch immer: Den kleinen Jungen und das Mädchen, die sich das Versprechen gegeben haben: "Wir können uns Briefe schreiben."




Info:

Service

„Love Letters“ läuft noch am Dienstag, 26. und Mittwoch, 27. Juni, im Hesperidengarten, Schnaitterhof 1 in Wenzenbach. Die Theatervorführung startet jeweils um 20 Uhr, wahlweise wird davor um 19 Uhr ein „Sunset Dinner“ angeboten. Weitere Infos und Tickets gibt es unter www.regensburgerturmtheater.de.

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