01.10.2019 - 15:19 Uhr
Wernberg-KöblitzDeutschland & Welt

Burg Wernberg wird zur Klinik: VIP-Patienten im Visier

Ende Oktober sollen die ersten Patienten eintreffen: Aus dem Hotel Burg Wernberg wird eine Akutklinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Doch einige Dinge bleiben auch für die Öffentlichkeit erhalten

Der neue Burgherr: Berthold Müller ist Geschäftsführer der Vincera-Kliniken GmbH.
von Frank Werner Kontakt Profil

Noch deutet wenig darauf hin, dass auf der Burg Wernberg die Uhren neu gestellt werden. Die Wegweiser zum Hotel und zum Restaurant Kastell sind noch nicht abmontiert. Von Bauarbeiten keine Spur. Immerhin: Die Brücke zur Burg ist neu. Für Berthold Müller, Geschäftsführer der Vincera-Kliniken GmbH, ist der Erhalt der Substanz wichtig: "Wir verfolgen ein nachhaltiges Konzept. Der Gedanke der Burg soll weitergehen." Der Weg zur Vertragsunterzeichnung war extrem kurz. Müller erzählt: "Mitte Dezember 2018 war ich zum ersten Mal auf der Burg. Ende März 2019 war der Pachtvertrag unterschrieben." Die Burg gehört der Gemeinde Wernberg-Köblitz, die sie an den Unternehmer Klaus Conrad verpachtet hat. Vincera ist jetzt Unterpächter.

Bis zu 60 Beschäftigte

Müller: "Für Klaus Conrad war es wichtig, dass es mit dem Projekt Burg Wernberg weitergeht. Und mit dem Personal." 20 Mitarbeiter hat Vincera übernommen, vom Service bis zur Küche, unter anderem den bisherigen Küchenchef Robert Morgan. 40 bis 60 Beschäftigte sollen insgesamt auf der Burg arbeiten. Rund 30 Patienten werden in der Klinik Platz finden. "VIP-Patienten", wie Müller betont. Manager, Ärzte, Ingenieure. Führungskräfte, die an Depressionen, an Burn-Out leiden. Fünf bis acht Wochen lang sollen sie in der Burg stationär behandelt, danach insgesamt zwölf Monate gecoacht werden, um wieder langfristig in die Spur zu finden.

Wernberg soll das Pilotprojekt für alle Vincera-Kliniken werden, macht Müller deutlich. In Bad Waldsee hat das Unternehmen bereits eine Privatklinik übernommen, in Berlin und im Rheinland sind weitere Standorte geplant. Erste Bewerber für eine Therapie in der Oberpfalz gibt es bereits. Außerdem existiert laut Müller in Bad Waldsee bereits eine Warteliste von Patienten, die auch in Wernberg aufgenommen werden könnten.

Die Vorgeschichte: Hotel Burg Wernberg schließt

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Die Burg Wernberg wird zur Klinik.

Weiter Hochzeiten

In einem "hohen sechsstelligen Bereich" liegen die bisherigen Investitionen. Es musste schließlich kaum etwas verändert werden, so Müller, außer ein paar Trennwände in den Zimmern oder der Ausbau des Fitnessraumes. Geplant ist eventuell noch ein Wintergarten, der an das Gedankengebäude angebaut werden soll. Dieses darf auch weiter vom Kulturforum benutzt werden. Auch das Trauzimmer und die Burgkapelle werden weiter der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, so Müller. Standesamtliche Hochzeiten auf der Burg wird es also weiter geben, "aber keine Feiern", so der Geschäftsführer.

Alkoholverbot gehört zu den Grundsätzen der Klinik. Ansonsten soll für die exklusiven Patienten Freiwilligkeit an oberster Stelle stehen. "Handyverbot ist eine Empfehlung", meint Chefarzt Alexander Taube. Er war zuletzt an der Max-Grundig-Klinik in Bühl als Chefarzt der Psychosomatischen Abteilung tätig. Die Therapie erfolge nach einem individuellen Ansatz: "Was braucht der Patient wirklich?" Depressionen seien schließlich eine lebensbedrohliche Erkrankung. Taube: "Das ist keine Luxusmedizin, das ist volkswirtschaftlich evident."

Bis Mitte Oktober erwartet Müller die Zulassung für die Klinik. Und wenn diese nicht erteilt wird? Der Geschäftsführer macht klar: "Ich habe da keinen Zweifel. Es gibt keinen Plan B."

Hochzeiten auf Burg Wernberg abgesagt

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Das Führungspersonal auf der Burg Wernberg (von links): Vincera-Kliniken-Geschäftsführer Berthold Müller, Kaufmännische Leiterin Stefanie Braun und Chefarzt Alexander Taube.
Hintergrund :

Das Konzept der Vincera-Klinik

Die Burg Wernberg als private psychosomatische Akutklinik verfolgt einen ganzheitlichen Therapie-, Service- und Präventionsansatz. Es soll eine Atmosphäre des Wohlfühlens geschaffen werden, ein Ort der Nachhaltigkeit. Chefarzt Alexander Taube zu den therapeutischen Ansätzen: „Wir möchten den Menschen wieder in Kontakt bringen mit dem, was ihn im positivsten Sinn zum Menschen macht.“ Neben Gruppen- und Einzeltherapie nutzt die Burg kreative Gestaltung, Sport, Bewegungstherapie und die Kampfkunst.

Der ganzheitliche Ansatz solle „nicht an der Klinikpforte enden“, so Taube. „Bewährtes kritisch würdigen und Neues wagen, eingebettet in leitlinienkonforme Psychotherapiekonzepte“, lautet das Motto. Es gehe auch um eine Gefährdungsanalyse in Unternehmen mit entsprechenden präventiven Maßnahmen.

Vincera arbeitet unter anderem mit der Robert-Enke-Stiftung zusammen. Viele Spitzensportler leiden durch den Leistungsdruck unter psychischen Problemen, erläutert Taube. Die Patienten werden aus dem deutschsprachigen Raum erwartet. Ärztlicher Leiter Taube: „Unsere Psychotherapie ist schließlich sprachgestützt.“ Maximal 30 Personen sollen für im Schnitt fünf bis acht Wochen auf der Burg betreut werden.

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