26.04.2019 - 13:59 Uhr
WinklarnDeutschland & Welt

Bienen lieben bunte Gärten

Eine Unterschrift reicht nicht. Jeder Bürger kann mit wenig Einsatz seinen Beitrag für mehr Artenvielfalt leisten. Gerade im Frühjahr zählt jede Blüte im Garten und auf dem Balkon. Redakteurin Gertraud Portner gibt Tipps.

Der Rote Scheinsonnenhut (Echinacea) wird von Honigbienen, Hummeln und Schwebfliegen gerne beflogen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Gleich vorneweg: Die Geschmäcker sind verschieden. Doch wer sein Haus mit einer Wüste aus Beton, Schotter und Steinen umgibt, muss sich nicht wundern, wenn Vögel, Schmetterlinge und Bienen ausbleiben. Im naturnahen Garten dagegen summt und brummt es von den ersten Frühlingstagen bis in den Spätherbst. Jeder, der das Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ unterstützt hat, sollte sich überlegen, wie er mit Bienenfutter in Töpfen und Trögen aktiv etwas zum Schutz der Bienen beitragen kann. Schließlich ist die Fläche aller Privatgärten größer als alle Naturschutzgebiete in Deutschland. Ein riesiges Potenzial, um wertvolle Lebensräume für Insekten zu schaffen. Auf dem Balkon oder der Terrasse reicht schon eine kleine blühende „Rettungsinsel“, um den Insekten unter die Flügel zu greifen. Und im Garten bringen bereits wenig Veränderungen und die richtige Pflanzenauswahl etwas, damit die Tiere nicht hungern müssen.

Wichtig sind Sträucher, Stauden und Blumen mit offenen Blüten, das heißt einfach- oder halbgefüllte Sorten. Denn hier ist der Weg zum Nektar frei, während bei der gefüllten Blüte die Biene oft nur schwer an die Nahrung gelangen kann. „Die biologische Vielfalt beginnt im eigenen Garten“, appelliert Geschäftsführerin Heidi Schmid vom Kreisgartenamt Schwandorf. Neben möglichst vielen unterschiedlichen Pflanzenarten sollte man darauf achten, dass von Ende Februar bis Anfang November immer irgendetwas blüht. Anfangs stehen Christrose, Schnee- oder Winterheide in Blüte. Es folgt Lungenkraut Weide (Palmkätzchen), Winterling, Krokus, Kornelkirsche und Schneeball. Im Sommer folgen Ringelblume, Ehrenpreis, Malven, Kornblume, Wollziest, Mädchenauge, Mauerpfeffer, Phlox und Stockrosen. Sehr beliebt bei Hummeln und Wildbienen ist der Muskatellersalbei. Spätblüher wie Fetthenne, Goldrute, Kugeldistel, Indianernessel, Margerite und Sonnenhut (Echinacea) runden das Nahrungsangebot bis zum Herbst perfekt ab. Wer Platz hat, sollte es mit einer kleinen Blumenwiese versuchen. Bei den Sämereien im Fachhandel findet man Packungen für wenige Quadratmeter.

Auch wer keinen Garten hat, kann sich als Bienenfreund beweisen. Spezielle Pflanzen für den Blumenkasten am Balkon bieten die Gärtnereien in einer großen Auswahl an. Darunter auch die Pflanze des Jahres 2019, der „Freche Michel“ (Ziersalbei). Aus dessen blauvioletten Lippenblüten naschen Insekten aller Arten gerne. In der Nähe der Terrasse macht sich duftender Lavendel gut und auch eine Kombination aus Erdbeeren und Minze hat sich bewährt. Auch für eine kleine Kräuterecke mit Petersilie, Borretsch, Dill, Minze, Dost, Thymian und Salbei benötigt man nicht viel Platz. Während der Mensch Duft und Würzkraft schätzt, interessieren sich Hummeln und Bienen für Pollen und Nektar. Dafür muss man die Kräuter aber auch blühen lassen.

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Bayern

Wieder mehr im Kommen ist der Bauerngarten. Die Blumenrabatten am Zaun sorgen dafür, dass die Nützlinge nicht weit sind, wenn an den Gemüsepflanzen die Schädlinge überhand nehmen. Die nützlichen Schwebfliegen (Larven jagen Blatt- und Blutläuse) ernähren sich pflanzlich und beispielsweise sehr gerne an den flachen Blüten der Schafgarbe. Allerdings: Eine kleine, konstante Population von Schädlingen dient als Nahrung für Nützlinge wie Marienkäfer.

Jetzt noch gepflanzt werden können Beerensträucher, die zu den wichtigsten naturnahen Elementen eines Gartens gehören. Besonders die Vögel schätzen Früchte und Samen. Insektenfreundliche Begleiter der Rosen sind Katzenminze, Lavendel und Glockenblume. Es geht aber nicht nur um die Bienen. Auch die Hälfte der Schmetterlingsarten sind vom Aussterben bedroht. Befruchtete Eier werden nahe den Futterpflanzen für Raupen abgelegt. Nachdem gut ein Dutzend Falter die Brennnessel bevorzugt, sollte man diese nicht ausreißen und erst im Sommer abmähen. Bei den Nachtfaltern ist die lange blühende Nachtkerze wegen ihres Nektars sehr begehrt. Wildbienen im Garten sind ein Anzeiger für intakte Natur und eine hohe ökologische Qualität. Ob Pelzbiene, Seidenbiene oder Mauerbiene – das ist für den Laien schwer zu unterscheiden. Fakt ist jedoch, dass die Hälfte der etwa 600 Arten vom Aussterben bedroht ist.

„Ein abwechslungsreicher Garten darf nicht zu sauber sein. Etwas Unordnung ist gut für die heimische Insektenwelt“, mahnt Heidi Schmid und appelliert für mehr Mut zur Wildnis. So soll mit dem Herbstputz in den Beeten gewartet und der Frühjahrsputz nicht zu früh angefangen werden. So haben die Tierchen nach dem Aufwachen eine Chance zu „entkommen“, um nicht versehentlich kompostiert werden.

Den Bienen, Hummeln, Vögeln, Schmetterlingen und Käfern zu helfen, ist kinderleicht: Einfach ein kleines Fleckchen Garten für etwas Unordnung „opfern“. Hier darf dann ein wenig Totholz zum Verstecken und Überwintern liegenbleiben, ebenso Laub und Reisig. Ein kleiner Sandhügel wird von Insekten gerne angenommen, und die Mini-Biotope können noch mit einer Wasserstelle aufgewertet werden. Das Fazit: Ein insektenfreundlicher Garten ist bunt und fröhlich sowie ein wenig wild und wuschelig. Und er duftet verführerisch. Damit kann der „schlampige Hobbygärtner“ dann auch irgendwann jeden Kritiker in der Nachbarschaft überzeugen.

In diesem Bauerngarten in Schneeberg/Winklarn sorgen bunte Blumenrabatten am Zaun dafür, dass Nützlinge nicht weit sind, wenn an den Gemüsepflanzen die Schädlinge überhand nehmen. Die Asternblüte bietet den Insekten bis spät in den Herbst hinein Nahrung.
Dran denken::

Rasen-Roboter muss nicht sein: Igel, Insekten, Amphibien und Spinnentiere haben beim Dauermähen keine Chance, zu überleben.

Keine Insektizide gegen Blattläuse spritzen.

Keine Herbizide zur Unkrautbekämpfung einsetzen.

Den Ordnungssinn nicht übertreiben.

Darauf achten, dass nicht zu viel Gartenfläche durch Pflastersteine oder Kies versiegelt wird.

Weniger hochgezüchtete Pflanzen mit gefüllten Blüten kaufen. Denn diese produzieren keine Pollen und verwehren oft den Zugang zum Nektar.

Lichtverschmutzung im Garten eindämmen: In der Nacht darf es hier dunkel sein.

Alle Obstbäume sind darauf angewiesen, dass Hummeln und Bienen zur Blütezeit zur Bestäubung beitragen. Hier finden sie nach dem Winter aber auch ein üppiges Nahrungsangebot zur Stärkung.
Das lieben Vögel, Schmetterlinge und Bienen:

Bäume: Kirsch- und Apfelbäume, Weiden, Linden, Esskastanien, Rosskastanien

Sträucher und Hecken: Beispielsweise Felsenbirne, Sommerflieder, Wildrose, Kornelkirsche, Wacholder, Zierquitte, Beerensträucher (Brombeere, Himbeere). Übrigens: Die gelb blühende Forsythie ist für Bienen wertlos.

Stauden: Frühblüher (wie Blaukissen, Polster-Phlox, Steinbrech); Sommerblüher (wie Königskerze, Bartblume, Glockenblume, Storchschnabel, Wollziest); Herbstblüher (wie Fetthenne, Kugeldistel, Katzenminze, Aster). Präriegarten (mit Sonnenhut, Indianernessel, Lein, Gräser); Wildstauden (wie Nachtviole, Buschwindröschen, Witwenblume, Lupine).

Blumen, zum Beispiel: Fächerblume, Kapuzinerkresse, Verbene, Glockenblume, Wandelröschen, Löwenmäulchen, Margerite, Sonnenblume.

Kräuter: Lavendel, Salbei, Rosmarin, Pfefferminze, Borretsch und Thymian.

Wasserstelle: Teich, Tümpel, Bach, Vogeltränke, Wasserschale.

Wohnung/Kinderstube: Insektenhotel, Totholz, Tontopf mit Holzwolle, aufgeschichtetes Brennholz, Lehmwand.

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