06.05.2021 - 12:20 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

Sollen Wölfen in Bayern abgeschossen werden?

Die bayerischen Koalitionäre wollen dem Wolf verstärkt mit der Flinte auf den Pelz rücken. Im Landtag haben sie dazu den ersten Schritt gemacht. Grüne, SPD und AfD halten verschärfte Abschussregeln dagegen für nicht erforderlich.

Im Landtag debattierten die Parteien über einen erleichterten Abschuss von Wölfen.
von Jürgen UmlauftProfil

Der Umweltausschuss des Landtags hat sich mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und FDP dafür ausgesprochen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen erleichterten Abschuss von Wölfen in Bayern zu schaffen. Grundlage dafür war ein Antrag der beiden Regierungsfraktionen, Anlass die jüngste Wolfsattacke auf ein Nutztiergehege im Landkreis Bayreuth. Konkret zielt der Antrag auf die vollständige Umsetzung der europäischen FFH-Richtlinie in diesem Punkt ab. Die Staatsregierung wurde aufgefordert, sich beim Bund dafür einzusetzen. Ergänzend sieht der Antrag vor, den Herdenschutz von Nutztieren in Bayern zu verbessern und zu prüfen, ob der Wolf in den Geltungsbereich des Jagdrechtes aufgenommen werden soll.

Mit Blick auf die Angriffe von Wölfen auf Nutztierherden erklärte der CSU-Abgeordnete Alexander Flierl, der Wolf eigne sich nicht für "Wildnisromantik". Nötig sei ein realistischer Blick auf die Lage. Wegen der wachsenden Wolfspopulation brauche es ein "aktives Bestandsmanagement". Für Weidetierhalter sei dies eine existenzielle Frage. Herdenschutzmaßnahmen allein reichten nicht aus. Nötig seien gezielte Entnahmemöglichkeiten, wie sie zum Beispiel in Frankreich oder in Skandinavien bereits Praxis seien. Mit europaweit rund 17.000 Exemplaren und einer kontinuierlichen Ausbreitung über Deutschland sei der Wolf in seinem Bestand nicht gefährdet, betonte Flierl. Benno Zierer (Freie Wähler) sagte, man müsse den Weidetierhaltern signalisieren, "dass wir alle nötigen Maßnahmen zum Schutz ihrer Herden ergreifen".

Keine Notwendigkeit zur Verschärfung der Abschussregeln erkannte Patrick Friedl (Grüne). Alle erforderlichen Vorgaben zur Entnahme von Wölfen, die Nutztierherden im Freiland bedrohten, seien durch Anpassungen der Rechtslage auf Bundesebene bereits vorhanden. Friedl forderte die Staatsregierung auf, Lücken im Herdenschutz endlich zu schließen. Für die Zäunung oder den Einsatz von Herdenschutzhunden müsse die bayerische Förderkulisse erweitert werden. Dem schloss sich Christian Klingen (AfD) an.

Florian von Brunn (SPD) nannte die Forderung nach erleichterten Abschüssen bei aktuell zwei Wolfsrudeln in Bayern und einem Jahresschaden 2020 in Höhe von 8000 Euro "absurd". Der Wolf sei in Bayern noch weit weg vom im Naturschutzrecht geforderten guten Erhaltungszustand. "Die Menschen wollen vernünftige Lösungen zum Umgang mit dem Wolf und nicht, dass er einfach abgeknallt wird", verwies von Brunn auf aktuelle Meinungsumfragen. Es brauche mehr Engagement beim Herdenschutz und bessere Entschädigungsregelungen im Schadensfall. Christoph Skutella (FDP) mahnte eine sachliche Debatte an, die neben der Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung auch die Sicht der von Wolfsattacken betroffenen Nutztierhalter berücksichtige. Vor diesem Hintergrund teilte Skutella die Ansicht Flierls, dass es bei wachsenden Wolfspopulationen eine Bestandsmanagement brauche.

Info:

Angst vor dem Wolf in der Oberpfalz

Michelfeld bei Auerbach
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