Komfortabel genesen: Wöllershofs neues Angebot für betuchte Patienten

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Psychische Krankheiten können jeden treffen. Manchmal wird dann ein Aufenthalt in der Psychiatrie nötig. In Wöllershof soll es künftig ein spezielles Angebot geben.

Von außen erinnern die alten Gemäuer des Bezirkskrankenhauses Wöllershof tatsächlich an ein besseres Hotel. Für betuchte Patienten soll es künftig die Möglichkeit geben, auch Leistungen wie in einem Hotel zu beziehen.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Für Patienten mit besonderen Ansprüchen entsteht am Bezirksklinikum in der nördlichen Oberpfalz momentan eine sogenannte "Komfortstation". Sie soll eine "Unterbringung auf gehobenem Hotel-Standard" gewährleisten, teilen die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (Medbo) mit. Neu ist das Konzept für die Medbo nicht - am Standort Regensburg gibt es schon seit Längerem eine Komfortstation.

Fünf Service-Kategorien

In einer Patientenbroschüre erläutern die Medbo näher, was Patienten dort erwarten dürfen: Das "Wahlleistungsangebot Unterkunft" bietet demnach auf der Komfort-Station "ein Plus an Service in fünf Kategorien", nämlich: eine gehobene Ausstattung der Patientenzimmer, besonders komfortable Bäder, kostenfreie Annehmlichkeiten überall auf der Station (dies wird nicht näher erläutert, Anm. d. Red.), kulinarische Vielfalt exklusiv für die Gäste der Komfortstation sowie die Service-Kultur gehobener Hotellerie.

In Regensburg wird das Angebot bereits umfassend genutzt, die Belegung der Station ist seit Jahren hoch, teilt Johannes Müller von der Medbo in Regensburg auf Nachfrage mit. In erster Linie würden dort affektive Störungen in allen Altersgruppen behandelt, wie Depressionen oder Angststörungen, aber auch Psychosen oder Suchterkrankungen. Die Patienten erlebten dieses Nebeneinander verschiedenster Erkrankungen häufig als hilfreich und es wecke das gegenseitige Verständnis, sagt Müller. Neben der Behandlung durch die jeweiligen Spezialisten würden individuelle Therapiepläne für jeden einzelnen Patienten erstellt, die die speziellen Erfordernisse des Krankheitsbildes in vollem Umfang berücksichtigen. Von Einrichtungen wie privaten "Burnout-Kliniken" unterscheide man sich schon deshalb, weil die Medbo deutlich schwerer erkrankte Patienten behandelten. Einen sogenannten "beschützten Bereich" für Patienten mit gesetzlicher Unterbringung bei akuter Gefährdungslage könne die Komfortstation allerdings nicht anbieten. "Solche Patienten werden auf einer beschützten Station versorgt. Wenn der Zustand des Patienten sich bessert, ist eine Weiterverlegung auf die Komfortstation natürlich möglich", sagt der Medbo-Sprecher. Ähnlich sei es auch für Wöllershof geplant.

Wahlleistung "Arzt"

Unabhängig von der Unterbringung in der Komfortstation bieten die Medbo auch eine "Wahlleistung Arzt" an. Wer sich dafür entscheidet, kommt unter anderem in den Genuss der "Chefarztbehandlung". Das sei selbstverständlich auch in den beschützten Bereichen möglich.

Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher aus Weiden ist von der Neuerung angetan. "Das ist der aktuelle Stand der Medizin", sagt er. "Früher hat die Psychiatrie ein Schattendasein geführt, doch das hat sich in den letzten 20 Jahren unwahrscheinlich positiv verändert." Vom bloßen "Wegsperren" psychisch Kranker sei man glücklicherweise längst abgekommen. Höher spricht von "Wortmedizin" und betont, dass gerade in der Psychiatrie das Umfeld besonders wichtig sei. "Das Ambiente in Wöllershof ist sehr gut, die Landschaft wunderbar." Der Bezirkstagsvizepräsident nennt den Medbo-Standort in der Nähe von Neustadt/WN ein "Highlight, was Ambiente und Behandlung angeht". Trotzdem gebe es Patienten, die weitergehende Wünsche hätten, zum Beispiel in einem Einzelzimmer untergebracht sein wollten.

Dezentralisierung nötig

Mit der im Bau befindlichen Komfortstation komme der Bezirk diesen Ansprüchen entgegen. "Im Prinzip haben wir nur nachgezogen, was andere Kliniken schon länger anbieten." Zudem seien die Erfahrungen in Regensburg bislang sehr gut gewesen. Es sei aber gerade für psychisch Kranke nicht zumutbar, dass der Bezirk alles in der Hauptstadt konzentriere: "Wir müssen die Psychiatrie dezentralisieren und bauen in Wöllershof auch deshalb gerade die komplette Klinik um."

Von einer Zwei-Klassen-Medizin könne nicht die Rede sein, betont Höher. "Die Komfortstation können schließlich auch gesetzlich versicherte Patienten in Anspruch nehmen, die eine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Das haben ja viele." Natürlich gebe es Einschränkungen hinsichtlich des Krankheitsbildes: "Die Patienten werden schon ausgewählt, das muss passen, Problemfälle werden dort nicht aufgenommen."

Wöllershof entwickelt sich erfolgreich weiter

Wöllershof bei Störnstein
So könnte ein neues Patientenzimmer aussehen.
Hintergrund:

Die künftige Komfortstation

Das Wichtigste in Kürze:

  • Untergebracht in einem Neu- und Erweiterungsbau für Psychosomatische Medizin mit 41 stationären und 4 tagesklinischen Betten
  • Geplante Fertigstellung im dritten Quartal 2023
  • 20 Plätze
  • Gesamtinvestition für den Neubau: 16,9 Millionen Euro

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.