Wunsiedel
10.11.2022 - 09:33 Uhr

Luisenburg-Festspiele: „Neue“ Deloris und „alter“ Boandlkramer

Der Spielplan 2023 dürfte schon jetzt für große Vorfreunde bei Freilicht-Theaterfans sorgen. Denn was die Luisenburg-Festspiele im nächsten Jahr auf die Bühne bringen, kombiniert bewährte Publikumsrenner und ambitionierte Uraufführungen.

Wie man ein Programm auf die beste Weise vorstellt, weiß Birgit Simmler, Künstlerische Leiterin der Festspiele, längst: Man lässt die Mitwirkenden und Verantwortlichen selbst sprechen. Das hat Simmler auch am Mittwoch bei der Präsentation des Spielplans so gehandhabt. Und so hat sie sich einige Gäste eingeladen, die meisten waren live vor Ort, andere auch online zugeschaltet.

Der "Arsch der Welt" ist nicht das Schlechteste

Wie schnell ein Schauspieler zum Publikumsliebling werden kann, wurde in der jüngsten Festspiel-Vergangenheit an einem prominenten Beispiel deutlich: Eisi Gulp. Erstmals 2020 auf der Felsenbühne, gibt es jetzt ein Wiedersehen mit ihm als „Boandlkramer“ in einer Neuaufnahme der Komödie „Brandner Kaspar 2. Er kehrt zurück“ von Wolfgang Maria Bauer. Dass Eisi Gulp im „Boandl“-Kostüm das neueste Spielzeit-Plakat ziert, ist deshalb auch nicht überraschend. „Ich stehe auf Mückenstiche, Nieselregen und Kirschgeist“, antwortet Gulp auf die Frage, warum es ihn denn zur Luisenburg zurückziehe. Und bekennt dann aber auch noch: „Ich habe mich in diese grandiose Bühne verliebt!“ Seine Anerkennung galt den Verantwortlichen der Festspiele, die das hier so begeisternd durchziehen – obwohl man sich ja „am Arsch der Welt“ befinde. Die Luisenburg-Festspiele seien ein Beleg dafür, dass der „Arsch der Welt“ nicht das Schlechteste sein müsse. Eisi Gulp sinniert auch noch über die Vorteile der „Brandner“-Fortsetzung gegenüber des Originalstückes und berichtet kurz über sein neues Soloprogramm „Tagebuch eines Komikers“ – zwischen den Zeilen lässt sich erahnen, dass es das 2023 wohl auch in Wunsiedel zu sehen gibt.

Im kommenden Jahr ebenfalls wieder im Programm nach dem Riesenerfolg 2022: das Musical „Sister Act“. Zodwa Selele, die in der Hauptrolle der Deloris begeistert hatte, ist zwar am Mittwoch anwesend, muss aber eine für das Luisenburger Publikum weniger erfreuliche Nachricht überbringen – dass sie in der kommenden Saison nicht erneut auf der Bühne stehen werde. Die Begründung ist allerdings nachvollziehbar: Sie übernimmt in Hamburg die Rolle der Hermine im „Harry Potter“-Musical und kann dort keine vier Monate fehlen. Mitgebracht hat sie allerdings die „neue“ Deloris – nämlich Denise Lucia Aquino: Sie sang bisher nicht nur Hauptrollen in „Tina – Das Musical“ oder „Ghost“, sondern war auch schon am Theater des Westens in Berlin als Deloris im Einsatz. Zu zweit stimmen die „alte“ und die „neue Deloris den Song „Fabelhaft Baby!“ an, der deutlich macht, dass Aquino eine würdige „Nachfolgerin“ Seleles sein wird.

Genug Platz für Romantik und Träumerei

Zu den bereits bekannten Eigenproduktionen gesellen sich drei Werke, die eigens für die Festspiele geschrieben wurden. Eröffnet werden die Festspiele traditionell mit dem Familienstück. Im kommenden Jahr mit dem berühmten französischen Märchen „Die Schöne und das Biest“, neu erzählt von Autorin Susanne Felicitas Wolf, die schon „Die Päpstin“ 2019 zum Publikumserfolg gemacht hatte. „Es wird eine eigene Version voll Humor und Modernität, ohne dass die Moral verloren geht“, verspricht Regisseurin Irene Christ. Auch wenn man keine „Disney“-Adaption erwarten dürfe, so gebe es doch genug Platz für Romantik und Träumerei.

Die Abendspielzeit wird eröffnet mit der Uraufführung des Musicals „Frankenstein“ von Kevin Schroeder (Buch und Liedtexte) und Marian Lux (Musik). „Horror und Science Fiction hat man eher selten im Musical, das hatte schon seinen besonderen Reiz“, sagt Autor Schroeder, der unter anderem die Erfolgsmusicals „Sister Act“, „Aladdin“ und „Hamilton“ ins Deutsche übersetzt hat. „Frankenstein“-Darsteller Jonas Hein gibt mit dem Lied „Der Geist in der Maschine“ einen Vorgeschmack auf das Musical, in dem auch elektronische und chorale Klänge miteinander verbunden werden.

Ein Stück deutsch-tschechische Geschichte

Birgit Simmler hat für die kommende Saison auch wieder selbst zum Stift gegriffen: Uraufführung heißt es für ihr Musical „Kalte Freiheit. Spion zwischen den Grenzen“ mit Musik von Ondřej Soukup nach dem Buch „Kámen“ von Václava Jandečková. „Das Stück ist ein „Ost-James-Bond“, der auf historischen Tatsachen beruht und im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet spielt", sagt die Autorin, die zudem Regie führen wird.

Neben den traditionellen Gastspielen von Operette und Oper – im kommenden Jahr „Ball im Savoy“ und „Rigoletto“ – wird noch ein Kultstück gastieren: „Caveman. Du sammeln. Ich jagen!“ steht insgesamt dreimal auf dem Spielplan. Martin Luding, der das One-Man-Stück seit genau 20 Jahren aufführt, verspricht eine komödiantische Betrachtungen der Niederungen des Beziehungsalltags.

Info:

Spielplan Luisenburg-Festspiele

  • Eigenproduktionen:
    Die Schöne und das Biest, Premiere am 23. Mai 2023
    Frankenstein, Premiere am 16. Juni 2023
    Der Brandner Kaspar 2, Premiere am 20. Juni 2023
    Sister Act, Premiere am 29. Juni 2023
    Kalte Freiheit, Premiere am 14. Juli 2023
  • Gastspiele:
    Caveman, Premiere am 22. Juni 2023
    Ball im Savoy, Premiere am 17. August 2023
    Rigoletto, Premiere am 25. August 2023
  • VVK-Start am 23. November 2023 ab 8 Uhr
  • www.luisenburg-aktuell.de
 
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