"Ich habe fast nichts bewegt." Mit diesen Worten hatte der 1999 verstorbene Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland Ignatz Bubis, vor beinahe 20 Jahren ein Resümee seiner siebenjährigen Amtszeit gezogen. Ein Satz, der geprägt ist von den ausländerfeindlichen Ausschreitung in der Jahren zuvor, ein Satz, der auch geprägt ist von der zustimmenden Reaktion vieler Deutscher auf die skandalöse Paulskirche-Rede des Schriftstellers Marin Walser im Jahr 1998.
Auch heute drängen sich Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in die Mitte der Gesellschaft. Einige ihrer Unterstützer sitzen sogar im Bundestag. Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeine von München und Oberbayern, will dennoch nicht so weit gehen, wie Bubis. Aber sie bekundet, dass die Entwicklung in Deutschland sie und die jüdische Gemeinde außergewöhnlich belasten. "Ich habe mir nicht vorstellen, dass es wieder so schlimm wird", sagte die 85-Jährige im Interview mit dem Magazin "Der Spiegel". Und wenige später sagte sie im TV-Sender Phoenix: "Ich habe mir nie vorstellen können, dass ich heute das nochmal erleben muss, was in meiner Kindheit schon vorhanden war."
In der Tat: So schlimm war es noch nie. Dass gewaltbereite Rechtsextremisten Schulter an Schulter mit rechtspopulistischen Parlamentariern wie Anfang September in Chemnitz auf den Straßen demonstrieren, gab es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie.
Das "Nie wieder", das als Lehre aus der NS-Zeit die Bonner Republik von Beginn an prägte, scheint in der Berliner Republik zu schwinden. Dabei bewegt sich die AfD, wie Knobloch zurecht betont, außerhalb unserer freiheitlichen Werte. Das sollte sich jeder Politiker vor Augen halten, der sich verständnisvoll über deren Wähler äußert. Das sollten auch jene bedenken, die der AfD ihre Stimme geben.













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