06.04.2021 - 12:07 Uhr
Albersrieth bei WaldthurnOberpfalz

Corona bringt in Albersrieth Einschränkungen von Osterbräuchen

Trotz der Corona-Beschränkungen fiel das traditionelle Ratschen in Albersrieth nicht aus. Allerdings wurde nur vor der eigenen Haustür "geratscht".

Konstantin Stahl organisierte heuer das Ratschen in Albersrieth - und war dabei mit vollem Einsatz auch selbst mit von der Partie.
von Franz VölklProfil

Ein Ratschen in der Gruppe war aufgrund der derzeit geltenden Infektionsschutzmaßnahmen nicht möglich. Die 21 Mädchen und Buben drehten deshalb die Kurbel der Holzlärminstrumente am Karfreitag und am Karsamstag zu festen Zeiten einzeln vor der eigenen Haustür und vor dem Nachbarhaus.

"Ratschen" ist ein Lärmbrauch, der in einigen Teilen der Oberpfalz seit jeher in der Karwoche praktiziert wird. Die aus Holz gefertigte Ratsche und der meist von den Kleinsten benutzte "Klipper-Klapper" sollen an den Tagen vor Ostern die in dieser Zeit verstummten Kirchenglocken ersetzen.

Die Kinder gehen zu verschiedenen Zeiten zu den Häusern, ratschen und sagen den überlieferten Spruch auf: „Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss.“ Die Dauer des Ratschens soll mindestens drei Vaterunser umfassen.

Der Ursprung des Ratschens – das vermutlich im 15. Jahrhundert entstand – ist nicht genau bekannt. Für das Brauchtum wurde ein Zusammenhang mit hölzernen Gebetstafeln vermutet.

Bis vor wenigen Jahren war es Brauch, dass nur Buben ratschen. Mittlerweile drehen auch die Mädchen mit Begeisterung die Kurbel, die über Noppen die Hämmer auf den Holzkörper zum Schlagen bringt.

Nach dem letzten Ratschen am Nachmittag des Karsamstags erhalten die Kinder von den Hausbesitzern Geld, Süßigkeiten oder Ostereier. Für die gerechte Aufteilung des "Ratscherlohns" sorgen die "Ratscher-Ältesten".

Heuer wurde das Ratschen in Albersrieth von Konstantin Stahl organisiert, der wie schon im vergangenen Jahr aufgrund der Corona-Einschränkungen kein Gemeinschaftsratschen in der Gruppe zulassen durfte. Um trotzdem die Glocken ersetzen zu können und den Brauch nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ratschten jeweils ein Kind oder Geschwister vor dem eigenen Haus und vor dem Nachbarhaus.

Geratscht wurde zu genau festgelegten Uhrzeiten, um einen "Gemeinschaftssound", wie Konstantin Stahl erklärte, zu erreichen. Mit dem traditionellen Ratschen soll auch Solidarität mit all den Menschen zum Ausdruck gebracht werden, die angesichts der derzeitigen Krise besonderen Beistand erbitten.

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