12.03.2019 - 14:59 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Ali B.: „Ich weiß nicht, wie das geschehen konnte“

In den Feldern am Rande von Wiesbaden soll Ali B. die 14-jährige Schülerin Susanna erwürgt haben. Vor dem Landgericht Wiesbaden gesteht der 22-Jährige die Tat. Der Sex mit dem Mädchen sei aber keine Vergewaltigung gewesen.

„Ich weiß nicht, wie das geschehen konnte“ - Ali B. beim Prozessauftakt.
von Agentur DPAProfil

Wiesbaden. Als Ali B. schildert, wie er die 14-jährige Susanna umgebracht hat, wird es im voll besetzten Saal des Wiesbadener Landgerichts ganz still.

Schleppend beschreibt der irakische Flüchtling den Tag im Mai letzten Jahres: Wie sich das Treffen mit der Schülerin entwickelte. Dann den Tod des Mädchens. Was er nach der grausamen Tat gemacht hat, bis zu seiner Festnahme nach der Flucht in den Irak. Warum Susanna aber sterben musste, darauf hat der 22-Jährige am Dienstag vor Gericht keine Antwort: „Ich weiß nicht, wie das geschehen konnte.“

Susannas Mutter, die als Nebenklägerin in dem Prozess auftritt, kann während der Schilderungen des mutmaßlichen Mörders die Tränen nicht zurückhalten. Ganz in Schwarz gekleidet, beobachtet die Frau mit den langen schwarzen Haaren immer wieder minutenlang Ali B., wie der mit leiser Stimme, den Kopf zu seinem Übersetzer gewandt, seine Sicht der Dinge schildert. „Das ist sehr belastend für meine Mandantin“, sagt die Nebenklageanwältin Petra Kaadtmann. Die Mutter sei in psychotherapeutischer Behandlung und habe sich lange auf das Verfahren vorbereitet.

Staatsanwaltschaft: Mordmotiv Heimtücke

Die Staatsanwaltschaft wirft Ali B. in ihrer Anklageschrift vor, Susanna erst vergewaltigt und dann ermordet zu haben. Mordmotiv: Heimtücke zum Verdecken der Tat. Dass er das Mädchen erwürgt hat, gesteht der 22-Jährige nun auch vor Gericht. Die Vergewaltigung bestreitet der in grauer Hose und mit grauem T-Shirt über dem hellblauen Pullover bekleidete Iraker, wie auch schon in Aussagen nach seiner Verhaftung.

Susanna und Ali B. kannten sich nach den Angaben des Angeklagten etwa drei Monate, gingen auch mal Hand in Hand spazieren. Vor der Tatnacht sei bei einem Treffen mit noch einem Bekannten viel Alkohol geflossen, auch habe es Marihuana gegeben, berichtet der junge Mann mit leiser Stimme im Gericht. Der Sex mit der 14-Jährigen auf einem Feld bei Wiesbaden sei einvernehmlich gewesen. Susanna habe zwar erst Nein gesagt, bei der zweiten Frage jedoch zugestimmt.

Danach sei die Situation eskaliert. In der Nacht habe es keine Busverbindung mehr in die Stadt gegeben, das Mädchen sei auf dem Fußweg gestürzt und es habe Streit gegeben, sagt Ali B. auf die Vielzahl der bohrenden Fragen des Vorsitzenden Richters Jürgen Bonk aus. Er habe dann den Arm um Susannas Hals gelegt, „zwei, drei, vier Minuten. Ich weiß nicht, wie das geschehen konnte. Vor meinen Augen war es dunkel, schwarz.“ Nachdem sie gestorben sei, so Ali B., habe er die Leiche in einem Erdloch verscharrt und sich aus Angst im Anschluss für einige Tage in Frankreich versteckt.

Die Staatsanwaltschaft geht von einer anderen Version des Tathergangs aus. Die aus Mainz stammende Susanna habe sich bereits während des Treffens mit dem Kumpel von Ali B. unwohl gefühlt, führt Staatsanwältin Sabine Kolb-Schlotter im Gericht aus. Die 14-Jährige habe über ihr Handy an eine Bekannte geschrieben, dass sie Angst habe und eine Übernachtungsmöglichkeit suche. Als Susanna nach der Vergewaltigung gedroht habe, zur Polizei zu gehen, habe Ali B. sie von hinten erwürgt.

Der stille Täter

Der 22-Jährige spricht gebrochen Deutsch, versteht viele Fragen des Vorsitzenden Richters auch ohne Dolmetscher. Auf die Fragen von Jürgen Bonk antwortet der schmale und nicht sonderlich große junge Mann in wenigen Fällen auch auf Deutsch. Seine Stimme ist leise, auch in seiner Herkunftssprache im Dialog mit dem Übersetzer. Blickkontakt mit Susannas Mutter vermeidet der Flüchtling. Als er in den voll besetzten Gerichtssaal geführt wird, verdeckt Ali B. sein Gesicht vor dem Blitzlichtgewitter der Fotografen hinter seinen Händen. Eine Tätowierung wird an den Fingern sichtbar.

Susannas Hilferuf per Handy an die Bekannte blieb nach den Worten der Nebenklageanwältin Petra Kaadtmann ohne Reaktion. „Es wäre wohl die letzte Gelegenheit gewesen, ihren Tod zu verhindern.“

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