25.02.2019 - 17:38 Uhr
AltendorfOberpfalz

Störche: Lufthoheit über den Dächern

Die normale Ankunftszeit der Störche beginnt im März und dauert bis Ende April und teilweise bis in den Mai hinein. Doch heuer wird auf den Dächern schon eifrig geklappert.

So früh wie noch nie seit der Wiederansiedlung im Jahre 2008 schwebte ein Storch heuer auf dem Horst der ehemaligen Brauerei und Mälzerei Goetz in Altendorf ein.
von Georg Köppl Kontakt Profil

Im Nest auf der ehemaligen Brauerei und Mälzerei Goetz in Altendorf ließ sich ein Storch bereits am Sonntag, 10. Februar, nieder. Gegen 15 Uhr verkündete er mit lautem Geklapper seine Ankunft. Das Klappern zeigt in erster Linie aber den Besitzanspruch am Nest an und soll einen Partner anlocken. In den vergangenen Jahren zählte der Altendorfer Storch oft zu den letzten Ankömmlingen im Landkreis Schwandorf. Laut Storchenbetreuer Georg Köppl dauerte es manchmal bis Ende April, bis der Storch Einzug hielt. Heuer dürfte er die Nummer eins im Landkreis sein.

Banges Hoffen

Auf dem Turm der Nabburger Friedhofskirche hat sich der erste Storch am 18. Februar niedergelassen. "Storchenvater" Karl Beer hat noch gestern Mittag gehofft, dass auch der zweite bald eintrifft. Mitte Oktober war nämlich ein Altvogel plötzlich verschwunden und tauchte nicht mehr auf. Man wusstete allerdings nicht, ob er zum Überwintern wegflog oder ob ihm etwas zugestoßen ist. Im Winter 2017/2018 waren beide Altvögel dageblieben, den Winter zuvor waren sie abgereist. Schon am gestrigen Abend hatte das bange Hoffen ein Ende: Um 17 Uhr teilte Karl Beer erfreut mit: Auch der zweite Storch ist da!

Auch Storchenbetreuer Arnold Kimmerl freut sich über die Rückkehr von Meister Adebar. Am 23. Februar wurde er erstmals auf dem Horst der Pfreimder Kirche gesichtet. An Hand der Beringung weiß Arnold Kimmerl, dass es der männliche Storch ist. In der Regel kommt immer das Männchen zuerst, um das Nest für die Ankunft der "holden Weiblichkeit" vorzubereiten. "Früher sind die Störche oft erst im April oder gar im Mai gekommen", weiß Kimmerl aus seinen umfangreichen Aufzeichnungen.

Perschen ist komplett

In Perschen hat sich seit dem 23. Februar schon ein komplettes Storchenpaar eingenistet, wobei sich der erste bereits am 14. Februar im Horst niederließ. Auf dem Neunburger Kloster ist der erste Storch am 20. Februar eingetroffen und die Blicke der Schwestern richten sich jetzt natürlich verstärkt nach oben, wann denn das Storchenglück perfekt wird.

Oda Wieding, Storchenexpertin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV), geht davon aus, dass es sich bei den Frührückkehrern vermutlich um so genannte "Westzieher" handelt, die den Winter in Spanien oder am Mittelmeer verbracht haben. "Durch die Satelliten-Telemetrie können wir die Zugrouten und die Überwinterungsgebiete der Weißstörche live verfolgen. Deshalb wissen wir auch, dass Störche zunehmend in Spanien oder am Mittelmeer überwintern und nicht bis Afrika fliegen", erklärt die Biologin. Im Zunehmen ist übrigens auch die Zahl der Störche, die ganz überwintern. Nach Informationen des LBV waren dies bayernweit zuletzt etwa 300 Weißstörche.

Das müsse auch gar nicht schlecht sein, zumal auf dem Vogelflug gen Süden enorme Strapazen und Risiken lauern, so Wieding. So drohen neben Nahrungsknappheit auf dem Weg auch Gefahren wie Strommasten oder scharfkantige Gegenstände sowie Dürre und Unwetter in Afrika.

Mit Daunenjacke

Das Phänomen der Überwinterung ist laut Wieding erst ab dem Jahre 2000 aufgetaucht. Es hänge wohl auch mit der Auswilderung von Störchen aus früheren Zuchtprogrammen zusammen. Jedenfalls brauche niemand Angst zu haben, dass die Vögel hierzulande frieren oder hungern. Solange kein strenger Frost herrscht, fänden die Störche ausreichend Nahrung und wie die überwinternden Singvögel hat der Storch "seine Daunenjacke schon an".

Flugrouten über Satellit verfolgen:

Mit dem Satelliten-Telemetrie-Projekt über den Weißstorch will der Landesbund für Vogelschutz (LBV) die Zugrouten und Überwinterungsgebiete besser kennenlernen, um ihn dann besser schützen zu können. So will der LBV in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Radolfzell herausfinden, wie die Jungvögel die Strecke kennen lernen und wie das Sozialverhalten in der Gruppe das Zugverhalten beeinflusst. Dafür wurden 2014 in Süddeutschland rund 80 junge Störche neu besendert. 2015 konnten weitere zehn Jungstörche mit Sendern auf die Reise geschickt werden und 2016 vier neue. Unter www.lbv.de kann man die Störche auf der Reise verfolgen. Die Karte zeigt die Flugrouten der Senderstörche ab dem Start in den Brutgebieten an. Auf der Storchenhorstkarte sind alle Standorte in Bayern mit den entsprechenden Daten einsehbar. Neben den „Westziehern“ gibt es die „Ostzieher“, die nach Nord- und auch bis Südafrika ziehen. Diese Vögel legen teilweise bis zu 10 000 Kilometer zurück . (kö)

Sieben auf einen Streich - Mama und Papa Storch schreiten im Gleichschrit mit ihren fünf Jungvögeln durch die Schwarzachauen in Altendorf. So einen Nachwuchssegen wie 2015 gibt es selten. Der Bruterfolg lag bayernweit zuletzt bei 1,8 Jungen pro Horstpaar.

Durch die Satelliten-Telemetrie können wir die Zugrouten live verfolgen. Deshalb wissen wir auch, dass Störche zunehmend in Spanien oder am Mittelmeer überwintern.

Oda Wieding, Storchenexpertin beim Landesbund für Vogelschutz

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