24.11.2021 - 13:21 Uhr
Altenstadt bei VohenstraußOberpfalz

Frische Kuhmilch zum Selberzapfen

Frische und saisonale Produkte aus der heimischen Region stehen hoch im Kurs. Beim Hilburger-Bauern kann jetzt Milch, frisch von der Kuh, ab Bauernhof geholt werden.

Auf Knopfdruck können die Kunden die Rohmilch direkt in die Flaschen abfüllen, die sie entweder mitbringen oder bei Familie Hilburger erstehen können.
von Elisabeth DobmayerProfil

Wer erinnert sich nicht gerne daran, wenn Kinder früher mit der Milchkanne zum nächsten Bauern gelaufen sind und frische Milch direkt von der Kuh abgeholt haben, die zum Frühstück auf den Tisch kam oder von der Mama zu einem leckeren Gericht verkocht wurde. Jetzt gibt es die erste Frischmilchzapfstelle ab Bauernhof in der Großgemeinde.

Jürgen und Bettina Hilburger haben sich dieses weitere Standbein auf ihrem landwirtschaftlichen Hof in der Retzstraße geschaffen. Direkt in unmittelbarer Nähe zum Stallgebäude und von der Straße aus leicht zu erreichen. Immer mehr Leute begeistern sich für diese Art Einkauf, wissen die Bauersleute, denen dieses Angebot ein Herzensanliegen ist. „Die Kunden wollen wissen, wo das Produkt herkommt.“ Bei den Hilburgers ist es eine besonders transparente Erzeugung des Lebensmittels Milch, denn während die Milch auf Knopfdruck in die Flasche läuft, kann das laute Muhen der Kühe wahrgenommen werden.

Seit einigen Jahren spielten die Landwirtseheleute mit dem Gedanken, eine eigene Milchzapfstelle zu schaffen. Der geeignete Standort wurde nach vielen Überlegungen, die immer wieder verworfen wurden, jetzt unmittelbar an der Hofstelle. Bei der im Jahr 2018 errichteten Maschinenhalle wurde ein Häuschen in der Größe von drei Mal zwei Metern angebaut. Eigenhändig errichtet und sogar isoliert, damit im Winter die Kälte und im Sommer die Hitze draußen vor der Tür bleibt.

Einfaches Abfüllen

„Wir wollten einen Standort, an dem die Leute ohne größere Umstände direkt an der Straße zu uns herfahren können und wir andererseits auch nicht bei unserer Arbeit behindert werden“, informiert der Landwirt. Die Kunden können entweder eine geeignete Flasche bei den Hilburgers erstehen oder selbst eine Flasche mit Schraubverschluss mitbringen. Gezapft kann ab einem viertel Liter werden. Das Zapfen selbst ist kinderleicht, wie Bettina Hilburger gleich vorführt. Geld einwerfen, ein Türchen öffnen, die Flasche unter den Einfüllstutzen halten und schon fließt das weiße Gold in das Behältnis.

Dabei handelt es sich wirklich um Rohmilch, die nicht erhitzt oder pasteurisiert wurde. Geschmacklich ein Unterschied wie Tag und Nacht zu der Milch von den Discountern oder den Einkaufscentern. Den Preis bestimmen die Erzeuger selbst. 1,20 Euro kostet ein Liter frischgezapfte Milch. Jürgen Hilburger will die Milch zu keinen Schleuderpreisen anbieten, wie es die großen Konzerne den Landwirten vorgeben. „Unsere Produkte sind etwas wert und diese Wertschöpfung wollen wir für unsere erzeugten Lebensmittel erhalten.“

Herkunft immer wichtiger

Der unsichere Milchpreis, der immer wieder in den Keller rumpelt, macht den Bauern seit Jahren Sorgen. Die Milchtankstelle kann somit als Marktnische betrachtet werden. Für die Verbraucher sei es immer weniger erkennbar, woher die Lebensmittel stammen. Dasselbe Bild zeichne sich derzeit auf dem Rindfleischmarkt ab. Argentinien habe den Export gestoppt und den Markt dicht gemacht, informiert der Landwirt. Deshalb steige jetzt bei uns die Nachfrage nach regional erzeugtem Rindfleisch und damit auch der Preis. Verschiedene Verbände forderten dies schon lange, weiß Hilburger.

Rund 50 Milchkühe stehen bei der Landwirtsfamilie im Stall. Das Futter für die Tiere bauen die Hilburgers auf ihren 46 Hektar großen Wiesen- und Ackerflächen an. Angebaut wird nach der fünfgliedrigen Fruchtfolge mit Kleegras, Mais, Roggen, Weizen und Gerste. Die gentechnikfreie Rohmilch wird täglich frisch aufgefüllt, denn die nicht verbrauchte Milch, die im Automaten gekühlt wird, dürfen die Kälber auf dem Hof schlürfen. Wichtig ist, dass die Milch vor dem Verzehr abgekocht wird. Nun sind die Landwirtseheleute gespannt, wie sich die frische Abholstelle für ihre Milch entwickelt.

Molkereigenossenschaft über Kritik an Bedingungen für Milchbauern

Pleystein
Landwirt Jürgen Hilburger schätzt seine Tiere und möchte auch die Wertschöpfung seiner erzeugten Lebensmittel erhalten.
Zweimal pro Tag werden die Kühe im Stall gemolken und liefern das weiße Gold.
Direkt an der Retzstraße wurde das kleine Häuschen mit der Frischmilchzapfstelle an die Maschinenhalle angebaut.

Unsere Produkte sind etwas wert und diese Wertschöpfung wollen wir für unsere erzeugten Lebensmittel erhalten.

Landwirt Jürgen Hilburger

Landwirt Jürgen Hilburger

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