15.10.2019 - 14:55 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

"Absonderlich gelegener Schafhof"

Das unscheinbare Kotzau hat eine lange Geschichte. Jetzt ist der Weiler einer von sieben Ortsteilen der Gemeinde Altenstadt/WN, erwähnt wird er aber bereits 1366. Der Ort gehört lange zu Parkstein.

Bei dem Granitblock, der nicht den Eindruck eines neuen Steines hinterlässt, handelt es sich in der Tat um den ehemaligen Dorfstein von Kotzau, das bis zur Gebietsreform 1972 zu Meerbodenreuth und davor zu Parkstein gehörte.
von Rainer ChristophProfil

Wer auf der gut ausgebauten Straße von der B 22 in Richtung Parkstein fährt, muss an dem kleinen Weiler Kotzau vorbeifahren, der auf einer Höhe von 460 Metern über N.N. liegt. Die meisten der Autofahrer werden für die landwirtschaftlichen Höfe kaum einen Blick haben. Hinzu kommt, dass kaum ein Altenstädter weiß, dass Kotzau einer von sieben Ortsteilen ihrer Gemeinde ist.

Nach der offiziellen Liste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz aus dem Jahre 1978 stehen im Ortsteil Kotzau, an der Straße von Buch nach Parkstein gelegen, lediglich zwei Flurdenkmale. Das eine ist ein Wegkreuz aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, das zweite ein Bildstock mit Eisenkreuz aus der gleichen Zeit. Vor dem Anwesen von Otto Käs ragt ein mächtiger Granitblock aus einer kleinen Anlage. Möglich gemacht wurde dieses Objekt durch den Ausbau der Kreisstraße, die bis 2001 direkt an den drei Höfen vorbei führte. Bei dem Granitblock, der nicht den Eindruck eines neuen Steines hinterlässt, handelt es sich in der Tat um den ehemaligen Dorfstein von Kotzau, das bis zur Gebietsreform 1972 zu Meerbodenreuth und davor zu Parkstein gehörte.

Warum ist er nicht in der Denkmalliste aufgenommen? Die Antwort weiß Otto Käs, dem der Hof dahinter gehört. Als 13-jähriger Bub, so erinnert er sich, fuhren 1945 drei Tage lang pausenlos amerikanischen Panzer von Parkstein her kommend nach Osten. Durch die Erschütterungen dieser Kolosse, geriet der Dorfstein ins Wanken und fiel um. Sein Vater sicherte ihn und legte den Stein unter einige Büsche, so geriet er in Vergessenheit.

Der ehemalige Nachbar Alfons Kühner, dem der Hof daneben gehörte, verwendete ihn beim Bau seines Stalles als Fundamentsockel. Käs, der ihn einmal darauf ansprach, dass es doch schade um den Stein sei, hatte Glück. Als Kühner einen Umbau vornahm, baute er den Stein wieder aus und legte ihn an seinen alten Platz zurück.

Dorfstein saniert

Als dann 1997 das Amt für ländliche Entwicklung aus Regensburg die Umgestaltung des Ortsteiles vornahm, wusste einer der Sachbearbeiter von dem Dorfstein. Natürlich konnte Otto Käs sofort auf den von ihm gehüteten Stein verweisen. Der Stein wurde nach Neustadt am Kulm gebracht und vom dortigen Steinmetzmeister Georg Doreth instand gesetzt. Finanziert wurde das Objekt durch das Regensburger Amt und die Gemeinde Altenstadt/WN. Darauf angebracht wurde eine Tafel mit der Inschrift "Kotzau, Gemeinde Altenstadt" und dem Zusatz "Bis zur Gebietsreform 1972 zur ehemaligen Gemeinde Meerbodenreuth gehörend". Otto Käs erinnert sich, dass "in der Ortschaft Buch und der Süßenlohe" zwei weitere, genauso aussehende Steine gestanden haben. Sie aber sind verschwunden.

Ebenfalls neu restauriert wurde durch die Familie Käs das gusseiserne Kreuz auf einem Granitsockel. Otto Käs hat auch hier seine Erinnerungen. Als Bub stand im elterlichen Garten seit Generationen ein großes Blechschnittkreuz, an dem vor dem Krieg sogar Totenbretter angenagelt waren. Durch die Witterungseinflüsse blätterte immer die Farbe ab. Als sich niemand mehr fand, der es neu bemalte, entschloss sich sein Vater zum Abbruch und kaufte ein Gusskreuz von Privatleuten. Den Sockel ließ er in Flossenbürg erstellen und holte ihn persönlich mit seinen Gäulen ab. Nun wurde im Rahmen der Flurbereinigung das Kreuz sinnvoller Weise vor den Hof gestellt und erfreut so die Vorbeikommenden.

Kotzau hat eine lange Geschichte. Auch das dürfte den meisten Menschen kaum bekannt sein: Bereits 1366 besaß Jesek, der Burgverweser Kaiser Karl IV. zu Kotzaw, unterhalb von Parkstein zu zweien pflügen ackers und wiesmath". In alten Rechnungen um 1610 ist zu lesen, dass der Landrichter Weikard von Rochau das Burggut Parkstein zusammen der Kotzau, einen "absonderlich gelegenen Schafhof" als zugehörigen Besitz erwähnt. 1636 wurde den Untertanen im Burggut Parkstein und auch Kotzau "all ihre sach genommen (...) und von kriegsvolk vom hof vertrieben". "Alles lag oed da und nichts mehr wurde angebuat."

Krieg wütet

Es war der 30-Jährige Krieg, der in unserer Region wütete. Im Gemeindearchiv Parkstein findet sich folgender Eintrag zum örtlichen Brauhaus: "Das Haus ohne Dach, das Bräugeschirr zerschlagen." In einem Schriftstück von 1699/1700 beabsichtigte der Forstmeister Wilhelm von Weveld den Hof zu Kotzau von der "gnädigen Herrschaft auf dem Burggute Parkstein pachtweise zu erwerben". Er wollte wieder einen Hof für Schafe errichten. Dies wurde genehmig und am 18. April 1700 wurde "ihm der Hof, Kotzau genannt, auf sechs Jahre verpachtet". Er selbst wohnte nicht dort. Er setzte einen Knecht und einen Schafhirten zur Bewirtschaftung ein.

1759 hatte Kotzau nachweislich elf männliche Einwohner. Um 1800 gab es zwei einschichtige Höfe mit drei Einwohnern. 1817 werden in drei Höfen 26 Einwohner gezählt, 1961 13 Einwohner. Nach der neuesten Statistik der Gemeinde Altenstadt/WN sind es derzeit sechs Einwohner.

Alfons und Marille Kühner leben nicht mehr. Ob sie etwas über die Gründe der Aufstellung des Kreuzes gewusst hätten, bezweifelt Otto Käs. Der Bildstock steht nach seinen Angaben mindestens schon über 100 Jahre an der Stelle, einstmals von zwei Bäumen umsäumt. Die Bildnische wurde mit einem Mosaik ausgelegt, das ursprüngliche Blechbild fehlt seit langem.
Der kleine Weiler Kotzau ist einer von sieben Ortsteilen der Gemeinde Altenstadt/WN.

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.