29.05.2018 - 17:29 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Am Brunnen vor der Urne

Sieben Fontänen mitten in der guten Stube der Gemeinde: Über diese Vision entscheiden die Altenstädter am Sonntag. Die Gegner fürchten, dass dabei zu viel Geld in den Himmel und zum Fenster hinaus sprudelt.

Über diesen Entwurf eines Brunnens am Pfarrplatz stimmen die Altenstädter am Sonntag bei einem Bürgerentscheid ab.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Wilfried Siebert, selbst nicht politisch aktiv, hat den Stein ins Rollen gebracht und Mitstreiter in den Freien Wählern gefunden. Sie strengten ein Bürgerbegehren gegen die geplante Brunnenanlage an, deren Pläne aus dem Planungsbüro Klaus Stiefler aus Bayreuth stammen. Innerhalb von 10 Tagen sammelten sie 712 Autogramme. 399 hätten gereicht.

Wilfried Siebert, selbst nicht politisch aktiv, hat den Stein ins Rollen gebracht und Mitstreiter in den Freien Wählern gefunden. Sie strengten ein Bürgerbegehren gegen die geplante Brunnenanlage an, deren Pläne aus dem Planungsbüro Klaus Stiefler aus Bayreuth stammen. Innerhalb von 10 Tagen sammelten sie 712 Autogramme. 399 hätten gereicht.

"Zu teuer und aufwendig"

Ihre Argumente: Der Brunnen sei zu teuer, verschlinge allein für Strom und Wasser 6000 Euro pro Jahr ohne Pflege und Wasseranalysen, binde Arbeitskraft des Bauhofs, koste Arzt- und Friedhofsbesuchern Parkplätze, passe nicht zum Ensemble und gebe Anwohnern mit seinem Geplätscher das Gefühl, selbst ständig Wasser lassen zu müssen.
"Wir sind nicht gegen die Umgestaltung des Pfarrplatzes", unterstreicht FW-Gemeinderat Bernhard Pscheidt. Der Bürgerentscheid soll stattdessen Brunnen-Alternativen ins Spiel bringen. Auf dem Tisch lagen bereits Vorschläge wie ein kleinerer Brunnen, ein Baum mit einer Sitzgruppe drumherum, eine Bleikristallskulptur, ein Metallband, welches Waldnaab und Goldene Straße symbolisieren soll, oder eine Barcode-Installation, die Altenstadt als IT-Standort ausweist. Den Freien Wählern wäre am liebsten ein Standort für den Maibaum, der im Winter dem Christbaum weicht und so einen Ort der Begegnung schafft.

Kompromissbereit

Peter Hofmeister, Bernhard Pscheidt, Wilfried Siebert und Peter Schramek (von links) sind die Wortführer des Nein-Lagers.

"Man könnte die Bürger aus zwei oder drei Alternativen abstimmen lassen", sagt Pscheidt. Hätten der Bürgermeister und die Mehrheitsfraktionen darüber mit sich reden lassen, hätten die Initiatoren den Bürgerentscheid abgeblasen, versichert Peter Hofmeister. "Deswegen ziehen wir uns nicht den Schuh an, dass der Entscheid ja Geld kostet", betont Peter Schramek.
Die Initiatoren hoffen nun, dass das für Sonntag prognostizierte gute Wetter nicht zu viele Wähler abhält. Hoffnungsvoll stimmt sie die Nachfrage nach Briefwahlunterlagen. Ende letzter Woche hatten 485 Bürger dies beantragt. Bernhard Pscheidt denkt bereits weiter. Wenn eine Mehrheit den Brunnen zwar ablehnen sollte, aber unter 20 Prozent der Bürger repräsentiert, liegt der Ball wieder beim Gemeinderat. "Dann bin ich mal gespannt."

Info:

3842 Wahlberechtigte

„Sind Sie dafür, dass auf dem Pfarrplatz ein Brunnen mit Wasserfontänen gebaut wird?“ 3842 Wahlberechtigte in Altenstadt/WN dürfen diese Frage am Sonntag mit Ja oder Nein beantworten. SPD und CSU zählen im Gemeinderat zum Lager der Befürworter, die Freien Wähler sind die Wortführer der Gegner.
Ausgangspunkt ist eine Bürgerversammlung vom vergangenen November. Darin hat Wilfried Siebert, der nicht politisch aktiv ist, den Antrag gestellt, dass der Gemeinderat seinen Beschluss zur Umgestaltung des Pfarrplatzes überdenkt und Alternativen prüft. Die Ratsmehrheit hatte zuvor für eine 80 Quadratmeter große Brunnenanlage mit sieben Fontänen votiert. Der Antrag schaffte es tatsächlich auf die Tagesordnung des Gemeindeparlaments, fiel aber durch. Das hat Siebert bitter enttäuscht: „Warum braucht es eine Bürgerversammlung, wenn ein Antrag im Gemeinderat nicht entsprechend behandelt wird?“ (phs)

Info:

Ja zu "Wasserspielen"

Bürgermeister Ernst Schicketanz hält die Pläne des Planungsbüros Stiefler aus Bayreuth für „eine gute Sache“, als Rathauschef verhalte er sich aber „neutral“: „Die Geschmäcker sind halt verschieden.“ Also darf man ihn getrost ins Lager der Befürworter stecken.
Prognosen über den Ausgang der Abstimmung wagt er nicht. Auf der einen Seite hat das Bürgerbegehren der Freien Wähler, die das Bauwerk in der vorgesehenen Form ablehnen, die Hürde des Quorums locker gemeistert, „auf der anderen haben inzwischen viele Bürger gesagt: Die Fontänen sind doch gar nicht so hoch“. Das Wort Fontäne gefällt Schicketanz gar nicht, er spricht lieber von „Wasserspielen“, die etwa 40 bis 50 Zentimeter nach oben sprudeln und beleuchtet werden können. „Es hieß übrigens nie, dass sie farbig inszeniert werden.“
Auch die Kostenfrage sieht das Gemeindeoberhaupt anders als die Brunnen-Gegner, die von rund 58 000 Euro sprechen. Schicketanz: „Nach Abzug der Förderung bleiben rund 20 000 Euro an der Gemeinde hängen. Mir ist klar, dass es sich um Steuergelder handelt, aber wenn wir die Förderung nicht abgreifen, tut es ein anderer.“
Über einen Plan B im Falle eines negativen Bürgerentscheids möchte Schicketanz nicht reden. Das soll Thema der nächsten Gemeinderatssitzung am 13. Juni sein. Spannend könnte es aber bereits am Montag werden. Dann ist offiziell Start der Bauarbeiten zur Umgestaltung des gesamten Pfarrplatz-Areals. (phs)

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