16.10.2018 - 14:40 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Ein ehrenhaftes Gewerbe

Von Badern, Barbieren und Stylisten: Die Geschichte des Friseurhandwerks beginnt bereits 6000 vor Christus.

Ein Blechschild aus der Zeit der Weimarer Republik.

Sie gehören nicht zu den Spitzenverdienern und müssen viel stehen. Trotzdem sind die Friseure (laut Duden auch "Frisöre") unter den Handwerksberufen am zufriedensten, das ermittelte 2018 eine französische Studie. In Deutschland kam die letzte Befragung von 2012 zu ähnlichen Ergebnissen wie die aktuelle Pariser Studie. Auch hier zählten Friseure zu den zufriedensten Arbeitnehmern. 94 Prozent bezeichneten sich sogar als "sehr zufrieden" oder "zufrieden". Woran liegt das? Sie sind sie vielleicht deshalb glücklich, weil sie andere glücklich machen?

Promi-Friseur Licinus

Die Geschichte des Friseurhandwerks begann bereits 6000 vor Christus. Funde von Steinschabern in Ägypten, die als Rasiermesser benutzt wurden, zeugen davon. 3000 vor Christus konnte der erste "professionelle Friseurhandwerker" in Ägypten bei Ausgrabungen entdeckt werden. Licinus, ein römischer Friseur, unterhielt 300 vor Christus sogar einen "Prominenten-Friseurladen". Mit der Entwicklung des Gewerbes machten sich neue Techniken und Erfindungen breit. So wurde bereits um das Jahr 1000 das "Chrüll-isen" (Krülleisen = Lockenbrennstab) erfunden. Der Adel und vor allem die Minnesänger nutzten die Technik vor ihren Auftritten am Hofe der Fürsten. Im Mittelalter begannen Frauen ihr Haar aus religiösen Gründen unter geschmückten Hüten und Hauben zu verstecken. Die Herren, die es sich leisten konnten, ließen sich Wellen in ihre Haartracht machen. Ärmere Bürger und Bauern trugen Pagenschnitte.

Von Zunft ausgeschlossen

Hoch-Zeit für den Coiffeur waren Barock und Rokoko. Hier standen aufwendige Perücken im Mittelpunkt. Beim Augsburger Reichstagsbeschluss 1548 über die "Ehrlichkeit" der Bader und Barbiere wurde der Friseurberuf für "ehrenhaft" eingestuft. Zuvor wurde er, wie Leinweber, Scharfrichter, Schäfer, Zöllner, Nachtwächter und Totengräber, von allen Zünften und Ämtern ausgeschlossen. Gaststätten durften sie nur besuchen, wenn keiner der Gäste Einspruch erhob. Sie hatten sogar Schwierigkeiten bei der Wahl einer Gattin, bekamen gesonderte Plätze in der Kirche und fanden nach dem Tod keine Grabstelle.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Bader eine Art kleiner Chirurg. Tätig als Barbier und Perückenmacher fungierte er zugleich als Wundarzt, Hühneraugenschneider oder Masseur. Auch zum Zähne ziehen und Schröpfen kamen die Menschen zu ihm. Daneben behandelte er Verletzungen aller Art, Brüche, Hautleiden und Geschwüre. Wer weiß schon, dass sie in der Tat die ersten "Chirurgen" ("Chirurgie" bedeutet wörtlich übersetzt "Handwerk") waren. Dieser ärztliche Beruf entwickelte sich im deutschsprachigen Raum und im Großteil West- und Mitteleuropas aus den Berufen des Baders oder Barbiers.

Rasur im Barber-Shop

Bis weit ins 20. Jahrhundert konnte man sich beim Friseur (oder Barbier) auch rasieren lassen. In vielen Salons starb dieser Service fast komplett aus. Wer einmal die Vorzüge einer professionellen Nassrasur kennengelernt hat, schwärmt davon. Rasier-Salons erleben derzeit eine Renaissance. Junge Männer stehen Schlange vor den "Barber-Shops".

Das Wort "Friseur" leitet sich aus dem Französischen ab. Das Verb "friser" bedeutet so viel wie "kräuseln". Der Begriff "Friseur" war im Französischen allerdings nie sehr gebräuchlich und existiert auch nicht mehr. Ursprünglich lautete die "offizielle" weibliche Form der Berufsbezeichnung im Deutschen Friseuse. Nach und nach setzte sich statt Friseuse die Bezeichnung Friseurin durch. Heutzutage wird auch der Begriff Stylistin verwendet. Friseur war im Deutschen seit Ende des 17. Jahrhunderts geläufig.

Ruhetag

2010 lag der Frauenanteil bei den Friseuren bei 82 Prozent. Friseur zählt zu den offiziellen Handwerksberufen. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Als Weiterbildungsmöglichkeit steht der Weg zum Friseurmeister offen. Wie jeder weiß, ist der Montag traditionell der Ruhetag der Friseure. Die Friseursalons in Deutschland trugen lange Zeit überwiegend den Namen des Betreibers. In kleineren Orten waren es oft "Einmannbetriebe" oder die Ehefrau arbeitet mit im Salon. Etwa um die Jahrtausendwende kamen, zuerst in Großstädten, Salonnamen mit Wortspielen rund um den Begriff "Haare" in Mode. (cr)

Im Wunsiedler Stadtmuseum ist in einem Raum ein vollständiger Friseursalon aus dem nahen Marktredwitz ausgestellt.
In der Schaumbergerstraße hatte der Friseur Josef Holfelder seinen Salon im eigenen kleinen Siedlungshäuschen untergebracht. Sein Werkzeug ist heute im Heimatmuseum in Altenstadt/WN zu bestaunen.
Handwerkszeug: Haarschneidegeräte.
An den Stuhl aus dem Geschäft von Josef Holfelder werden sich die älteren Altenstädter noch gut erinnern.
Verlockendes Frisurenangebot.
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