19.03.2020 - 12:07 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Kreuz und quer durch die Heimat

Michael Hardt ist Ehrenbürger von Altenstadt/WN. Er hat nicht nur 1956 die erste Chronik des Ortes veröffentlicht, er ist heute noch in Fachkreisen bekannt als kundiger Altstraßenforscher.

Über 40 Jahre durchwanderte Michael Hardt kreuz und quer seine Heimat, zeichnete und beschrieb Steinkreuze und Marterl und versuchte die damit verbundenen Sagen herauszufinden.
von Rainer ChristophProfil

Wenn sich die Altenstädter sonntags zum Fußweg in die katholische Kirche aufmachen, durchqueren die meisten von ihnen, von Süden her kommend über die Hofbauerstraße, die Hardtstraße. Nur den älteren Bürgern des Ortes ist der Name Hardt geläufig, einige wenige kannten ihn noch persönlich.

Mit Michael Hardt verbinden die Altenstädter den Mann, der ihnen anlässlich der - zwar heute von Historikern etwas umstrittenen - 1000-Jahr-Feier im Jahre 1956, die erste geschriebene Chronik hinterlassen hat. Niemand mehr nach ihm hat sich die Mühe gemacht, die Chronik des Ortes weiterzuschreiben. Auch ein offiziell geordnetes Archiv ist nicht vorhanden. Es schlummern zwar eine Menge Akten und Unterlagen auf dem Dachboden des Rathauses, allein das ist schon alles.

Nachforschungen

Zum Glück, so muss aus heutiger Sicht gesagt werden, fand sich mit Michael Hardt ein Mann, der die Annalen des Ortes festhielt und Nachforschungen betrieb. Er beschäftigte sich mit dem Ort Traindorf, durchleuchtete die einstigen Herrschaften Altenstadts und widmete sich der Geschichte der Pfarrei und der Schule. Höhepunkt für ihn war sicherlich die 1000-Jahr-Feier, die in Altenstadt/WN mit großem Festkommers gefeiert wurde.

Hardt hat sich aber auch der Altstraßenforschung sowie der Erfassung der Flurdenkmäler im Landkreis Neustadt/WN und der Stadt Weiden angenommen. Über 40 Jahre durchwanderte er kreuz und quer seine Heimat, zeichnete Steinkreuze und Marterl nach Maß, beschrieb diese und versuchte die damit verbundenen Sagen herauszufinden.

Steinkreuzforschung

"Eigentlich", so schrieb er selbst einmal, "lag meine Hauptforschungstätigkeit in Sachen Burgruinen und Bodendenkmälern." Mit der Gründung des Vereins Deutsche Steinkreuzforschung 1932 in Nürnberg, deren Mitglied und Mitarbeiter er war, galt diesem Bereich sein Hauptaugenmerk.

Vier Jahre durchkreuzte er den Landkreis Neustadt/WN auf der Suche nach Flurdenkmälern. Im Jahre 1950 konnte er sein Werk vorstellen. Für das Gebiet der nördlichen Oberpfalz bedeutete diese Arbeit ein Novum. 700 Quadratkilometer mit insgesamt 60 Gemeinden, bestehend aus zwei Städten, acht Märkten und 50 Landgemeinden wurden von ihm erfasst.

Alte Handelsstraßen

Hier kam ihm auch sein Interesse an Altstraßen entgegen. Hardt hielt fest, dass sich mehrere mittelalterliche Handelsstraßen durch unsere Gegend zogen. Gerade an diesen Straßen fanden sich vermehrt Flurdenkmäler. Beginnend mit dem Ort Altenparkstein bis hin zu Wurz registrierte Hardt 152 Flurdenkmäler im ehemaligen Altlandkreis Neustadt. Für den Stadtkreis Weiden stellte er bereits 1950 fest, dass die Steindenkmäler "nur mehr ein Bruchteil der ehemals vorhandenen sind". Insgesamt 15 Kreuze, Bildstöcke und Säulen hielt er fest.

Es wäre vom heutigen Standpunkt aus gesehen interessant, einmal nachzuforschen, wie viele von den insgesamt 167 registrierten Denkmälern heute, 47 Jahre später, noch vorhanden sind. Eines dürfte aber auch klar sein: Neue sind hinzugekommen, so manch verstecktes Kreuz mag vielleicht auch übersehen worden sein.

Bildsäulen

In Altenstadt/WN registrierte Hardt zum damaligen Zeitpunkt fünf Marterln oder Bildsäulen: zum einen die Mariensäule am Rathaus, eine Bildsäule links der Ostmarkstraße hinter der heutigen Autobahn sowie drei weitere Marterl, deren Standort er nicht näher angibt, und eine alte Ruhebank aus Granit auf der Straße nach Windischeschenbach. Nicht erfasst wurden von Hardt die heute ebenfalls denkmalgeschützten Blechschnittkreuze, von denen es derzeit zwei im Ortsgebiet gibt. In Meerbodenreuth und Buch, heute Ortsteile von Altenstadt/WN, fand Hardt fünf derartige Relikte. Michael Hardt gilt heute noch in Fachkreisen als der damals beste Kenner der Altstraßen. Außer der bekannten "Goldenen Straße" und der "Magdeburger Straße" beschreibt er eine Straße von Amberg kommend über Neudorf, Luhe, Hochdorf, Letzau, Floß weiter über Plößberg, Tirschenreuth nach Eger führend. Eine weitere Altstraße, so fand er heraus, führte von Sulzbach südlich vorbei an Kohlberg, nach Luhe, Engelshof, Michldorf, Kaimling, Waldau und Georgenberg weiter nach Böhmen.

Eine andere Altstraße zog sich von Pfreimd über Wittschau, Leuchtenberg, Kaimling, Trauschendorf, Letzau und über Floß nach Böhmen. Er war der Auffassung, dass die drei letzteren Straßen wohl schon in die Vorzeit zurückreichten und nicht erst im Mittelalter entstanden seien.

Hardt hielt fest, dass sich mehrere mittelalterliche Handelsstraßen durch unsere Gegend zogen. Gerade an diesen Straßen fanden sich vermehrt Flurdenkmäler.

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