12.04.2019 - 16:36 Uhr
Altfalter bei SchwarzachOberpfalz

Die alte Schule lebt wieder auf

Alte Gebäude bergen Überraschungen. Beim Schulhaus in Altfalter ist es nicht anders. Es gibt einen unerwartet fantastischen Blick auf das Schwarzachtal frei. Es lässt aber auch Schneeflocken ins Innere.

Schulhaus Altfalter
von Irma Held Kontakt Profil

Das ist nach der Sanierung natürlich nicht mehr der Fall, auch wenn es bei einem Kaltdachstuhl bleibt. Dafür wird zu den Wohnräumen hin gedämmt. "Im Winter haben wir hier tatsächlich schon mal Schnee geschippt." Franziska Wegerer deutet auf den Bereich auf dem Spitzboden, wo es weiß war. "Wer kann schon behaupten, dass er in seinem Haus Schnee geräumt hat." Die 29-Jährige lacht. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Michael Danner baut sie das alte Schulhaus oberhalb des Schlossbauernhofes zu einem modernen Wohnhaus um.

"Ein Neubau war schon im Gespräch. Wir haben den ein oder anderen angeschaut. Es hat sich aber nicht so ergeben, wie wir uns das vorgestellt haben", erzählt sie. Altfalter sollte es sein. Hier ist sie aufgewachsen, hier wohnt ihre Familie, leben ihre Freunde. Der 28-jährige Partner kommt aus der Neunburger Gegend. Die Arbeitsplätze in Hirschau beziehungsweise Amberg sind von Altfalter aus gut erreichbar. Franziska Wegerer zeigt auf ein Haus neben dem Schlossbauernhof, das eine Freundin von ihr renoviert. Eine andere Freundin baut gleich um die Ecke neu, auch mitten im Dorf.

"Wir haben ein Faible für alte Sachen, Möbel zum Beispiel." Also griffen die Beiden zu, als sie hörten, dass das alte Schulhaus verkauft werde. Nicht blauäugig, "weil wir uns keine Sparbüchse anschaffen wollten." Architekt und Handwerker begutachteten die Substanz. Und dann kam das Entscheidende, "dieser wunderbare Ausblick aufs Schwarzachtal". Die junge Frau öffnet das Giebelfenster, um das Panorama mit der unregulierten Flusslandschaft ohne trennende Glasscheibe wirken zu lassen. Die Aussicht im Erdgeschoss ist auch nicht zu verachten. Dort wird eine Terrasse angebaut. An der Fassade änderte sich darüberhinaus wenig. Ein paar Fenster wurden zu Türen. Die Aufteilung der Räume orientierte sich an dieser Gliederung. Weil es im Inneren keine Wände gab, wurden Trockenmauern eingezogen. Ziegel waren wegen der Decken mit Fehlboden nicht machbar. Gut ein Jahr dauern die Renovierungsarbeiten bereits. "Bei einem Neubau wissen die Handwerker, was zu tun ist," Hier brauche es die eine oder andere Abstimmung mehr. "aber uns pressiert nichts", bemerkt die 29-Jährige bei der Baustellenführung, derweil Michael Danner in der zukünftigen Garage arbeitet ,

Am späten Freitagnachmittag und samstags sind die Zwei in ihrem alten Schulhaus zu finden. Einen Großteil des Rückbaus erledigten sie selbst, zum Beispiel das Putz abschlagen. Jetzt sind die Oberlicht-Fenster verklebt für den Innenputz. Franziska Wegerer beschreibt die Raumaufteilung, Stolz schwingt mit und auch die Vorfreude auf ein Leben in einem Haus mit Charakter. "Wir bereuen es nicht. Und es wirkt größer als es ist". Rund 200 Quadratmeter Wohnfläche werden es sein.

Der Keller besteht nur aus einem Gewölbe, weshalb die Versorgungsräume ebenerdig liegen. Weil das Paar ein Faible für Altes hat, lässt es die bestehende Holztreppe nachbauen. "Sie ist so schön. Der Handlauf hätte sowieso erneuert werden müssen und auch die Höhen stimmen nicht mehr ganz." Ein liebevoller Blick fällt auf den Antrittspfosten. "Er wird wieder so". Und: Den Ess-/Wohnbereich haucht ein Sichtmauerwerk Atmosphäre ein. Die Wand ist zu schön, um sie hinter Putz zu verstecken. Eines lässt das junge Paar nicht ruhen. "Wir wollen ein Fischgrät-Parkett. Das ist aber zurzeit nicht nachgefragt und deshalb schwer zu bekommen." Was anders kommt ihnen aber nicht ins Haus, sonst hätten sie gleich eines von der Stange nehmen können. Lieber dauert es mit dem Einzug in ihr unverwechselbares Kleinod etwas länger.

„Das ist unser Sichtmauerwerk.“ Stolz präsentiert Franziska Wegerer die Wand.
Schulhaus Altfalter
Der Ausblick vom Giebelfenster.

Ein Neubau war schon im Gespräch. Wir haben den ein oder anderen angeschaut. Es hat sich aber nicht so ergeben, wie wir uns das vorgestellt haben

Franziska Wegerer

Michael Danner montiert Kabel.
Die Treppe wird eins zu eins nachgebaut.
Volksschule Altfalter:

Schreinerei, Lager, bald Wohnhaus

Das alte Schulhaus wurde laut der Festschrift zum Feuerwehr-Jubiläum 1978 eingeschossig mit einem Klassenzimmer 1889 erbaut. Die Schülerzahl betrug zu dieser Zeit im Schnitt 80 Kinder. Als nach der Jahrhundertwende diese auf durchschnittlich 100 stieg, setzte die Gemeinde ein Stockwerk drauf. Die Volksschule wurde so um ein zweites Klassenzimmer und einen Raum für eine Hilfskraft erweitert. Bereits vor diesem Neubau gab es ein Vorgängerschulhaus schräg gegenüber.

1966 hat das 1889 erbaute Gebäude als Schule ausgedient. Altfalter und Weiding errichteten eine neue. Kaum bezogen kam es im August 1968 zu einer Neugliederung der Volksschulen. Altfalter und Schwarzach schlossen sich zu einem Schulverband zusammen. Nur ein Jahr später wurde Altfalter zur Grundschule für den Schulverband Altfalter-Schwarzach.

Die Schwarzacher Schule wurde aufgelöst und die Schüler der Jahrgänge fünf bis acht kamen vorübergehend nach Altendorf. Die neu eingeführte 9. Klasse wurde von Anfang an in Schwarzenfeld unterrichtet. Drei Jahre später folgte die nächste Änderung: Alle Altfalterer Hauptschüler zogen von Altendorf nach Schwarzenfeld um. Das endgültige Aus als Schulstandort kam am 1. August 1973. Die Altfalterer Grundschule wurde aufgelöst.

Das 1889 erbaute Gebäude am Alten Schulweg 1 wurde nach dem Auszug der Schüler als Schreinerei und Lagerhalle genutzt.. Im Oktober 2017 erwarben es Franziska Wegerer und Michael Danner.

Das Schulhaus in seiner ursprünglichen Form. Der Eingang befand sich links. Die Aufnahme stammt aus der Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr zum 100. Jubiläum 1978.
Die Fenster wurden durch neue ersetzt. Die Laibung mit dem leichten Bogen ist geblieben,
Der Dachstuhl wird ausgebessert, bleibt aber ein Kaltdachstuhl
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.