13.01.2022 - 16:06 Uhr
AmbergOberpfalz

20-jähriger Azubi wegen Volksverhetzung zu Geldstrafe verurteilt

Wer meint, mit dem millionenfach an Juden begangenen Massenmord Scherze machen zu müssen, hat mit Konsequenzen zu rechnen. Wegen Volksverhetzung muss deswegen ein 20 Jahre alter Auszubildender 1000 Euro Geldstrafe bezahlen.

Wegen Volksverhetzung wurde ein 20-Jähriger in Amberg zu 1000 Euro Geldstrafe verurteilt.
von Autor HWOProfil

Der junge Mann saß nicht zum ersten Mal vor der Jugendrichterin. Vor einigen Jahren war er den Behörden aufgefallen, als Hakenkreuze verwendet wurden. Damals kam es für den Ersttäter neben Belehrungen zur Geldauflage von 500 Euro. Danach schlossen sich die Akten mit einer Verfahrenseinstellung.

Im wahrsten Sinn des Wortes auf der gleichen Schiene bewegte sich nun, was Oberstaatsanwalt Tobias Kinzler in einer neuerlichen Anklageschrift verlas und dabei schon in seinem Eingangsvortrag nicht mit heftigen Worten sparte. "Hier geht es um die Deportation und die Ermordung von Millionen Menschen und die Verharmlosung dieses Vorgangs", sagte Kinzler und schilderte, was am 13. August 2019 um 13.06 Uhr stattfand. Der damals 18-Jährige griff zum Handy und postete in einer WhatsApp-Gruppe mit seinerzeit 115 Mitgliedern einen Aufkleber, der nach Weisung von Jugendrichterin Michaela Frauendorfer in vergrößerter Form über einen im Gerichtssaal installierten Bildschirm gezeigt wurde. Darauf war eine Dampflok zu sehen, an die ein Waggon gehängt war, aus dessen Fenster Menschen blickten. Diese Szene wurde mit drei erklärenden Worten kommentiert: "Next Stop Auschwitz".

Schweigen im Gerichtssaal

Als dieses Bild erschien, herrschte zunächst Schweigen bei allen, die es sahen. Dann beschrieb die Richterin ihren Eindruck: "Mir fehlen momentan die Worte." Dann begab sich Michaela Frauendorfer in einen engen Schulterschluss mit dem Oberstaatsanwalt und stellte sich an dessen Seite: "Da wurden unschuldige Menschen während der NS-Herrschaft umgebracht. Massenhaft auch in Auschwitz." Das Kopfschütteln ging weiter. Auch als der Angeklagte die Frage beantwortet hatte, wie es zu einer solchen Entgleisung und Geschmacklosigkeit habe kommen können. "Wirklich eine Dummheit", ließ er anklingen und fügte hinzu, der fragliche Aufkleber sei im Internet bereits vorhanden gewesen. Er selbst habe ihn letztlich nur weitergegeben.

Aus WhatsApp-Gruppe verabschiedet

Die Jugendrichterin mochte das nicht akzeptieren. Sie konterte: "Es gibt dumme Dummheiten. Und es gibt Dummheiten, die eine Straftat sind. In diesem Fall schlicht menschenverachtend", hörte der 20-Jährige aus dem nördlichen Kreis Amberg-Sulzbach. Hinzu kam der Tadel: "Bei Ihnen war eine solche Gesinnungsäußerung ja nicht erstmals auffällig." Dass er sich unterdessen aus der WhatsApp-Gruppe verabschiedet hat, wurde im Prozess zur Kenntnis genommen. Gleichwohl erkannte Oberstaatsanwalt Kinzler einen "klaren Fall von Volkverhetzung" und verlangte dafür eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro. Diese an das Technische Hilfswerk (THW) zu zahlende Summe wurde im Urteil der Jugendrichterin verankert. Eine fühlbare Buße für den Auszubildenden, der zum Verhandlungsende erfuhr: "Wenn Sie wieder in diese Richtung tätig werden, wissen wir endgültig, wie es um Ihre Gesinnung bestellt ist."

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Amberg

 

 

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