20-Jähriger wegen sexueller Übergriffe vor Gericht

Amberg
07.06.2023 - 16:38 Uhr
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Es war wohl höchste Zeit für diesen Prozess in Amberg. Vor die Justiz wurde einer zitiert, der über längere Zeit hinweg glaubte, sich mit Macho-Gehabe gegenüber jungen Frauen sexuelle Anzüglichkeiten nach Belieben herausnehmen zu können.

Drei 17- bis 19-Jährige sagten in Amberg vor Gericht gegen einen 20-Jährigen aus, der sie gegen ihren Willen berührt haben soll.

Das Wesen des 20-Jährigen, der nun in Amberg vor Gericht stand, wurde von jemandem, der ihn ständig beobachtete, mit einem in die unterste Schublade deutenden Wort beschrieben. Es hieß "Perversling" und machte klar, dass da ein Mensch unter einer Clique junger Leute erschien, der sich ständig Aufführungen leistete, die Empörung und Ärger auslösten.

Die Treffen der Freundesrunde fanden auf einem Sportgelände im nördlichen Kreis Amberg-Sulzbach statt. Sie dienten, wie sich jetzt vor Jugendrichterin Jacqueline Sachse herausstellte, weniger der Körperertüchtigung. Die Jungen und Mädchen taten etwas, das im Prozess immer wieder in neudeutschen Begriffen auftauchte: Sie "hingen ab", chillten, redeten und sprachen auch dem Alkohol zu.

Drei Freundinnen erstatten Anzeige

Das alles durfte sein. Doch irgendwann hatten drei weibliche Partykreis-Mitglieder die Nase gestrichen voll. Sie tauchten bei der Sulzbach-Rosenberger Polizei auf und erstatteten Anzeige gegen einen 20-Jährigen, der sich und seine Hände "nicht unter Kontrolle hatte". Als ob das "ganz normal wäre" (Zitat eines der Opfer) griff er den jungen Frauen ans Gesäß und an den Oberkörper.

Als es vor der Richterin um Fakten und Einzelheiten ging, gab es plötzlich Erinnerungslücken beim Angeklagten, wurden auch Missverständnisse ins Feld geführt und Entschuldigungen ausgesprochen. Richterin Sachse hörte sich das an. Dann erfuhr der Angeklagte von ihr: "Wenn man sich Ihre Akte anschaut, dann entsteht der Eindruck, dass Sie sich nehmen, was Sie wollen."

In der Urteilsbegründung hieß es später: "Wir leben nicht mehr im Mittelalter. Frauen können heute entscheiden, was sie möchten und was sie nicht möchten." Im Verfahren waren die keineswegs hinnehmbaren Erlebnisse dreier 17- bis 19-Jähriger erörtert worden. Sie hatten keine Chance, den Attacken gegen ihren Körper zu entkommen. Wie wenn das selbstverständlich wäre, griff der 20-Jährige zu.

Unangemessene Sprüche

Zur Sprache kam auch, dass der Beschuldigte offenbar ständig "sexuelle Sprüche" von sich gab und mit schmuddeligen Offerten Eindruck zu machen versuchte. Diese Angebote waren nach Ansicht aller zur Freundesrunde gehörenden Jungen und Mädchen schlichtweg unsäglich.

"Sie schrammen hier nur knapp am Dauerarrest vorbei", machte Richterin Sachse dem 20-Jährigen klar. Er muss 1500 Euro Buße und damit einen Monatsverdienst zahlen. Die Ahndung geschah im Einklang mir Staatsanwältin Jasmin Hertel und Verteidiger Andreas Lösche. Richterin Sachse befand in ihrer Zusammenfassung: "Die Taten sind Ausdruck fehlenden Respekts und der Bedürfnisbefriedigung."

 
 

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