11.03.2020 - 14:38 Uhr
AmbergOberpfalz

30 Minuten wilde Jagd mit Wahnsinnstempo

Mit bis zu 200 Stundenkilometern von Ursensollen über Amberg, Fuchsstein, Speckmannshof bis nach Karmensölden. Fahrer kommt nochmal mit Bewährungsstrafe davon.

Nach einer wilden Verfolgungsjagd mit bis zu 200 Stundenkilometern zwischen Ursensollen und Amberg kommt ein Autofahrer ohne Führerschein noch mit Bewährungsstrafe davon.
von Autor HWOProfil

Das Ereignis ist für die Polizei unvorhersehbar. Bei Ursensollen wollen zwei Uniformierte einen 25-Jährigen kontrollieren. Der in seinem Wagen sitzende Mann sagt kein Wort. Er gibt Gas und rast mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern davon. Fast 30 Minuten dauert die Verfolgungsjagd. Mehrere Verkehrsteilnehmer werden gefährdet.

Sechs Tage vor Weihnachten 2018 wurde eine Funkstreife an den Ursensollener Ortsrand beordert. "Da steht ein Auto am Fahrbahnrand, dessen Heck in die Straße ragt", teilte die Einsatzzentrale mit. Es dämmerte gerade, als die Polizisten eintrafen. Sie traten an den Wagen heran und waren ab dann in ein fast schon explosionsartiges Geschehen verwickelt.

Der Mann gab wortlos Gas und raste über die B 299 herein nach Amberg. Er überholte nach Belieben, gefährdete andere und wurde immer schneller. Die Uniformierten folgten dem Flüchtenden. "Mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometern", berichteten sie Amtsrichter Florian Meißner.

An der Stadtgrenze setzte sich die wilde Jagd fort. Sie ging herein zur Fuggerstraße und hinaus in Richtung Flugplatz Rammertshof, führte durch Waldgelände nach Fuchsstein und Speckmannshof. Unterdessen war Verstärkung angerückt. Ab dann setzten sich drei Polizeifahrzeuge auf die Spur des Rasers. Noch immer im hohen Tempo unterwegs und mit dem Blick der Beamten auf weitere riskante Manöver des damals 25-jährigen Fahrers. Sie sahen dann auch plötzlich, wie ein des Weges kommender Pkw gerade noch in eine Bushaltestelle gesteuert werden konnte. Ansonsten hätte es wohl eine Frontalkollision mit dem Fluchtauto gegeben.

Nach knapp 30 Minuten war Schluss. Bei Karmensölden blieb das Auto stecken. Sekunden später waren die Verfolger da. Sie sahen, wie der Fahrer zu Fuß türmte, setzten ihm nach und nahmen ihn fest. Einen Führerschein besaß der Mann nicht. Er war ihm entzogen worden.

Das dürfte wohl der Auslöser für seine gefährliche Aktion gewesen sein. Im Prozess nannten seine Verteidiger Jörg Jendricke und Toni Donhauser jetzt noch einen anderen Beweggrund. "Er hatte gravierende wirtschaftliche Existenzsorgen." Beide sprachen für ihren Mandanten. Er selbst sagte wenig.

Vier Vorstrafen standen im Register. Drei von ihnen wegen Verkehrsdelikten. Eines davon hatte zu dreieinhalb Monaten Haft mit Bewährung geführt. Sie war noch offen, als die Verfolgungsjagd stattfand. Die vor Richter Meißner erörterte Frage lautete deshalb: Sollte erneut Bewährung gegeben werden? Staatsanwältin Nicole Asmus verneinte. "Er hatte schon eine Chance", sagte sie und forderte 15 Monate Haft zum Absitzen.

Dagegen stemmte sich Anwalt Jendricke mit Nachdruck. "Es war grob verkehrswidrig, aber nicht im Bereich der absoluten Rücksichtslosigkeit", führte er ins Feld und riet dem Richter, noch einmal eine Bewährungssrafe zu verhängen.

Das Urteil überraschte. Richter Meißner verhängte ein Jahr Haft und setzte diese Ahndung tatsächlich zur Bewährung aus. Der Angeklagte muss 2000 Euro Geldauflage bezahlen, er bekommt einen Bewährungshelfer und hat, wegen seiner im Prozess deutlich gewordenen persönlichen Problemstellungen, eine psychotherapeutische Behandlung fortzusetzen.

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