08.07.2020 - 14:30 Uhr
AmbergOberpfalz

33-Jähriger kassiert Freiheitsstrafe für gefährliche Körperverletzung

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund. Für einen 33-Jährigen, der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt war, starb sie bei der Fortsetzungsverhandlung vor dem Amtsgericht Amberg mit der Verkündung des Urteils.

Acht Monate Freiheitsstrafe, drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, und eine Geldauflage von 1600 Euro kassierte ein 33-Jähriger Mann aus dem Landkreis bei seiner Verhandlung vor dem Amberger Amtsgericht. Angeklagt wurde er für gefährliche Körperverletzung.
von Autor HWOProfil

Acht Monate Freiheitsstrafe, drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, und eine Geldauflage von 1600 Euro kassierte ein 33-Jähriger Mann aus dem Landkreis bei seiner Verhandlung vor dem Amberger Amtsgericht. Das hat dann doch überrascht, nachdem neben Rechtsanwalt Jürgen Mühl auch Staatsanwalt Jakob Uhlig auf Freispruch plädiert hatten. Nach zwei Verhandlungsterminen, mit einem massiven Auftritt von Zeugen, in deren Erinnerung nach einem Jahr scheinbar vieles im Nebel des Vergessens verschwunden war, gab es ein Urteil. Zwischen „eigentlich habe ich gar nichts gesehen“ und „weiß nicht mehr genau“ lag die Bandbreite der Zeugenaussagen. Da sah sich Richter Florian Meißner durchaus bemüßigt, eine Zeugin auf die Folgen einer Falschaussage hinzuweisen. Jedenfalls hat sich im Folgetermin bei den Zeugen durchaus Entlastungseifer feststellen lassen. Zu rekonstruieren, was in dieser frühen Morgenstunde bei einem Fest mit wohl durchwegs angetrunkenen Personen im Norden des Landreises passierte, war für Richter Florian Meissner offensichtlich alles andere als leicht. Er musste viel nachbohren. Was stimmt nun? Das war die fundamentale Frage nach der ersten Hauptverhandlung, zu der die Geschädigte nicht erschien. Beim zweiten Termin war sie da, um dann zu schildern, dass sie bei einem Vereinsfest in einem Pavillon vor dem Bierzelt ein Weizenglas auf dem Kopf bekommen habe. „Nicht genau“ hat sie es gesehen, "so aus dem Augenwinkel“, dass es der Angeklagte war. Grund hätte es eigentlich keinen gegeben, es sei denn ein vorausgegangener Streit zwischen dem Angeklagten und seiner Freundin, in den sich die Geschädigte schlichtend eingemischt habe. Die Geschädigte ("Ich war gut angetrunken“) jedenfalls wurde durch das BRK mit einer Beule am Kopf bewusstlos in ein Krankenhaus gebracht. Sie war eine Woche krankgeschrieben, das Erinnerungsvermögen an den Vorfall war dann angeblich weg.

Es gab keine Weizenbier-Gläser

Später stellte sie Strafantrag gegen den Angeklagten, aber sie wolle dem Angeklagten „nichts Böses“. Sie wisse ja, "welche Konsequenzen das für den Angeklagten haben kann", hieß es in der Verhandlung. Der Mann war nämlich bereits einschlägig in Erscheinung getreten. Seltsam jedoch war: Weizenbier-Gläser hat es nicht gegeben, nur Maßkrüge, Glasscherben waren auch auch nicht zu sehen, hieß es in der Verhandlung. Beim Eintreffen der Polizeibeamten im Pavillon wurde den Beamten von verschiedenen Anwesenden gesagt, der Angeklagte sei es gewesen. Eine Zeugin will es gesehen haben, hat dies auch in ihrer polizeilichen Vernehmung so erklärt, rückte jetzt aber wieder davon ab. Der vernehmende Polizeibeamte bestätigte jedoch ihre Aussage von damals.

Staatsanwalt: Tatnachweis nicht zu führen

„Es bleibt ein Geheimnis, wann und von wem die Geschädigte etwas auf den Kopf bekommen hat“, argumentierte Rechtsanwalt Jürgen Mühl. Es sei "viel vermischt worden", keine Person habe definitiv den Vorfall gesehen bekundete er im Namen seines schweigenden Mandanten.

„Der Tatnachweis ist aufgrund der dürftigen Beweisaufnahme nicht zu führen“, signalisierte Staatsanwalt Jakob Uhlig dem Gericht. „Die Geschädigte konnte den Täter auch nicht einwandfrei identifizieren“, sagte Uhlig. Insgesamt plädierte er deshalb dafür, den Angeklagten freizusprechen.

Es kam anders: Richter Florian Meissner hat den Angeklagten für schuldig befunden, das Gericht hatte nämlich nach der Beweisaufnahme „keine vernünftigen Zweifel an Tat und Täterschaft des Angeklagten“. Zu viele Indizien sprächen gegen den Angeklagten, die Verletzungen seien dokumentiert. Durch welchen Gegenstand die Geschädigte nun verletzt wurde, ließe sich nicht mehr genau sagen "Aber dass ein Gegenstand geflogen ist, ist sicher." Dass der Angeklagte als Täter von den Zeugen benannt wurde stimmt nach Meinung der Richters mit dem Gesamtbild überein. Meissner: "Eine Zeugin hat unmittelbar nach der Tat den Angeklagten als Täter benannt und dies auch so bei der Polizei dokumentiert."

Der erste Verhandlungstermin vor dem Amtsgericht

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