23.11.2021 - 14:02 Uhr
AmbergOberpfalz

Die 35. Strafe führt schnurstracks ins Gefängnis

Mit schier endloser Geduld hatte die Justiz versucht, das Leben eines immer wieder straffällig werdenden Frührentners in geordnete Bahnen zu lenken. Doch jetzt war Schluss. Der Mann muss hinter Gitter.

Immer wieder straffällig geworden ist ein 65-Jähriger. Nach 34 Vorstrafen muss er nun ins Gefängnis.
von Autor HWOProfil

Erneut vor Gericht gelandet ist ein heute 65-Jähriger, der seit 2005 in Amberg ansässig ist und dort, wie bereits an seinen früheren Wohnorten, regelmäßig Ärger mit der Polizei hatte: Betrunken auf dem Fahrrad, Beschimpfungen von Passanten und Uniformträgern, Widerstände, Beleidigungen. Bei Prozessen wurde deutlich: Schuld trugen aus Sicht des Mannes immer andere. Auch, als er auf dem Katharinenfredhof ein Trinkgelage veranstaltete.

Alkoholisiert auf dem Rad

Die 35. Vorstrafe setzte es im November 2020 beim Amtsgericht: Zehn Monate Haft als Folge dreier Trunkenheitstouren auf dem Fahrrad. Ohne Bewährung in diesem Fall, doch mit der dringenden Empfehlung versehen, sich um ein Quartier im betreuten Wohnen umzusehen. Das tat der Mann, wobei er allerdings innerhalb weniger Monate wegen Unverträglichkeit aus drei dieser Einrichtungen entfernt werden musste. Danach fand er Obdach in einem oberfränkischen Wohnheim, von dem er jetzt bei einem Berufungsprozess vor der 3. Strafkammer des Landgerichts berichtete: "Ich bin dort lebendig begraben, muss wieder unter die Leute."

Das unter Vorsitz von Peter Hollweck tagende Gericht nahm sich Zeit. Drei Prozessrunden wurden angesetzt, um die Frage zu prüfen, wie man der "ewigen Plage" mit dem Mann ein Ende setzen könnte. Dazu ließ die Kammer den Angeklagten durch Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel psychiatrisch untersuchen. Miedel berichtete: "Ein Alkoholiker, der zahlreiche Therapien hinter sich hat."

Die Bilanz aus medizinischer Sicht ließ sich so zusammenfassen: Uneinsichtig, ohne jeden Willen zur Einordnung, auch uninteressiert an weiteren Entzugsmaßnahmen. Eine schwierige Lage für Pflichtverteidiger Jörg Jendricke. Der Anwalt stellte die Entscheidung ins Ermessen der Strafkammer. Allerdings regte er an, seinen Mandanten nicht ins Gefängnis zu schicken und ihn in seinem momentanen Umfeld zu belassen.

Urteil: Zehn Monate Haft

Was dann passierte, entsprach dem Antrag von Staatsanwalt Frank Gaßmann. Das Gericht verwarf die Berufung des 65-Jährigen und schickte den Frührentner für zehn Monate in Haft. "Wir haben keine andere Möglichkeit", stellte der Vorsitzende fest und begründete die Entscheidung so: "Bei 34 Vorstrafen würde niemand eine erneute Bewährung verstehen."

Zu den zehn Monaten kommen jetzt weitere sieben Monate, die aus zwei offenen Bewährungen resultieren. Auch diese Ahndungen sind abzusitzen. Das allerdings dürfte noch nicht alles sein. In Weiden ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen sexueller Verfehlungen gegen den Mann, der nach Prozessende seinem Anwalt den Auftrag gab, "unverzüglich Revision einzulegen."

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Amberg

"Bei 34 Vorstrafen würde niemand eine erneute Bewährung verstehen."

Vorsitzender Richter Peter Hollweck

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