21.06.2019 - 14:16 Uhr
AmbergOberpfalz

40 Jahre Hockermühlbad - und es ist immer noch spritzig

Das Hockermühlbad in Amberg feiert an diesem Samstag 40. Geburtstag. Bei genauem Hinsehen ist das beliebte Freibad aber noch viel älter. Peter Falk, seit 39 Jahren Schwimmmeister im Hocko, blickt zurück.

Am Samstag, 22. Juni, feiert das Hockermühlbad in Amberg seinen 40. Geburtstag. Wenn das mal kein Grund ist, abzutauchen.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Der 62-jährige Peter Falk wacht seit 39 Jahren über die Sicherheit seiner Schwimmer im Hockermühlbad. Es ist eine lange Zeit – durch seine Arbeit hat er viele Menschen am Beckenrand kennengelernt. Manch einer, der damals das Schwimmen gelernt hat, bringt es heute seinen Kindern bei. „Oft kenne ich in Amberger Familien den Opa, Vater und jetzt den Enkel“, sagt er mit einem Grinsen.

Das Besondere am Hockermühlbad sei für ihn immer gewesen, dass es dort so familiär zugeht. Und schon wieder steht an diesem sommerlichen Nachmittag in den Pfingstferien eine Mutter mit ihrem Sohn in der Tür des Wachplatzes: Das Gummi-Krokodil müsste dringend aufgeblasen werden, sagt die Frau. Mit wenigen Handgriffen und einen Augenblick später marschieren die beiden mit einem prall gefüllten Krokodil untern Arm wieder in Richtung Planschbecken.

24-Stunden-Schwimmen als großer Erfolg

In all den Jahren hat Falk allerhand schöne Erinnerungen gesammelt. Er denkt gern an die Premiere des 24-Stunden-Schwimmens im Jahr 1986 zurück. „So viele Teilnehmer hatten wir nie wieder. Sogar eine frisch vermählte Braut hat mitgebadet.“ Und sogar vom Bergfest seien viele noch nach dem Besuch ins Hocko gekommen, um Runden zu drehen. „Eine Wahnsinnsveranstaltung mit mehr als 4000 Schwimmern. Das werden wir nicht mehr toppen.“

Die Amberger haben auch in den Zeiten vor dem Hockermühlbad, also vor 40 Jahren gern im Freien gebadet. Vor allem zog es die Bewohner vor 1937 in die Vils und den Haidweiher, wenn sie sich eine Erfrischung genehmigen wollten. Das Hockermühlbad wurde bereits 1927 gebaut, allerdings durften dort zehn Jahre lang nur militärische Angehörige baden, ist in einer Chronik der Stadtwerke Amberg nachzulesen. „Zu diesem Zeitpunkt teilten sich die Besucher das Wasser noch mit Fischen, Krebsen, Wasserpflanzen und Schlamm.“

Tanzfläche mit Jazzmusik

Es war also höchste Zeit, dem Bad eine Verjüngungskur zu verordnen: 1951 sollte ein völlig neues Bad entstehen. Es gab ein Kassenhaus, der Zugang wurde erneuert und auch eine Freitanzfläche lockte die Amberger in ihrer Freizeit an. In lauen Sommernächten wurde zur Musik einer Jazzband getanzt.

Das Hockermühlbad wurde immer beliebter, es kamen immer mehr Schwimmer vorbei. Das bedeutete aber auch, dass die Becken sehr schnell verunreinigt waren. Damals mussten die Becken vollständig geleert und wieder aufgefüllt werden – eine langwierige Prozedur. Es musste eine Umwälzanlage her, die 1955 installiert wurde. Sie war eine der modernsten Anlagen jener Zeit in ganz Deutschland.

Na, klar: Im Sommer 1991 sind die Liegewiesen des Hockermühlbads beliebt für ein Sonnenbad.

Immer mehr Menschen kamen, weshalb der Stadtrat in Erwägung zog, das Hockermühlbad zu erweitern, um dem Ansturm im Sommer gerecht zu werden. Am 27. November 1972 fiel im städtischen Gremium mit knapper Mehrheit die Entscheidung, das Hockermühlbad an gleicher Stelle völlig neu zu bauen. Einer, der sich besonders für das Freibad eingesetzt hatte, war der passionierte Schwimmer und ehemalige Pächter des Hockermühlbad-Cafés, Herbert Notzon.

Acht Millionen Mark Gesamtkosten

Laut einem Bericht der Amberger Zeitung kostete das neue Freibad, das am 22. Juni 1979 offiziell eröffnet wurde, mehr als acht Millionen Mark. Im Grunde sah es damals schon so aus wie heute. Das Bretter-Hockermühlbad wich einem modernen großen Freibad mit einem 50-Meter-Schwimmerbecken, einem Spielbecken, einem Kinderplanschbecken und einem Springerbecken mit einem Ein-, Drei- und Fünf-Meter-Sprungturm.

Das Besondere am Hockermühlbad ist für den Betriebsleiter Bäder bei den Stadtwerken Amberg, Günter Schwarzer, das „parkähnliche Flair“. „Die Liegewiesen haben fast alle natürlichen Schatten durch Bäume und Sträucher.“ Außerdem liege das Freibad zentral. Von 1. Mai bis Mitte September sei die Einrichtung zugänglich und beheizt und bei egal welcher Wetterlage stets zwölf Stunden geöffnet, zählt er die Vorzüge auf.

Blick zurück: Auch im Juli 1991 lieben es die Amberger, sich in ihrem Hocko im Sommer abzufrischen.

In Zeiten, in denen bundesweit viele Kommunen überlegten, Freibäder zu schließen, weil die Instandhaltungskosten in die Höhe schießen und man sich den Luxus nicht mehr leisten könne, plädiert er dafür, dass Amberg an seinem Hockermühlbad festhält. „Für die Größe einer Stadt wie Amberg ist eine solche soziale Einrichtung absolut notwendig“, sagt er. Ein schönes Freibad sei genauso wichtig wie Museen oder städtische Veranstaltungen. „Das ist ein Stück Lebensqualität. Außerdem dient ein Freibad auch der Gesundheit und der Freizeitgestaltung.“ Um das für alle Amberger möglich zu machen, würden die Stadtwerke darauf achten, dass die Eintrittspreise in einem vernünftigen Rahmen liegen.

Amberg
Die beiden Schwimmmeister Michael Meier (von links), Peter Falk und der Betriebsleiter für Bäder bei den Amberger Stadtwerken, Günter Schwarzer, verknüpfen mit dem Hockermühlbad allerhand schöner Erinnerungen.

Das Publikum des Hockermühlbads sei seit jeher „durchwachsen“, erzählt Falk. „Jung und alt. Auf unsere Stammgäste – von ihnen haben wir einige – können wir immer zählen“, sagt Falk. Man kenne sich schließlich schon so gut, dass er auch außerhalb der Arbeit von den Stamm-Schwimmern gegrüßt werde. „Das ist das Schöne an meiner Arbeit.“ Falk und Schwarzer sehen aber einen Trend bei Jugendlichen um die 13, 14 und 15 Jahre. „Früher waren es viel mehr, die nach der Schule gleich ins Bad gekommen sind“, sagt Falk. Die Liegewiesen seien proppevoll gewesen. „Vielleicht sind die jungen Leute heute mehr mit dem Smartphone beschäftigt und verabreden sich eher digital“, vermutet Schwarzer. Erst mit etwa 19 Jahren sei das Freibad wieder interessanter.

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