29.09.2019 - 15:54 Uhr
AmbergOberpfalz

5. Luftklangmeile: Der Altstadt den Marsch geblasen

An einem Sonntagnachmittag kann man auf der Couch liegen, in einem Café sitzen oder im Stau stehen - oder aber zusammen mit 500 Gleichgesinnten Blasmusik machen. Ein Rundgang über die Amberger Luftklangmeile.

Der Hirschauer Musikzug hat am Bürgerplatz gegenüber de,m Bahnhof Aufstellung genommen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Die fünfte Luftklangmeile mit 15 Orchestern aus der Region hüllte die Altstadt zwischen Marktplatz, Bahnhof, Nabburger Tor und Stadtbrille in eine einzige Klangwolke. Einige der beteiligten Musiker erzählen, was das besondere an ihrem Hobby ist.

Eindrücke von der 5. Luftklangmeile in Amberg

"Ich wollte gemeinsam in der Gruppe Musik machen", sagt Franziska Lehnert (17) aus Lintach. Sie spielt seit viereinhalb Jahren Tenorsaxofon beim Freudenberger Musikverein. Früher drückte sie die Tasten am Klavier -- allein. Das wollte sie ändern. Jetzt marschiert sie im Orchester bei Festzügen mit, spielt in Bierzelten oder auch bei Konzerten.

Franziska Lehnert (17) spielt Tenorsaxofon beim Musikverein Freudenberg.

"Mit den anderen unterwegs zu sein, macht halt Spaß", sagt die Zwölftklässlerin, die bald am Erasmus-Gymnasium in Amberg Abitur macht, auch im Fach Musik. Ihr Lieblingsstück: ein Glenn-Miller-Medley. Am Marktplatz gab es dafür jede Menge Applaus.

Herbert Schmidt schlägt beim Musikverein Haselmühl-Kümmersbruck die große Trommel – und nicht nur die. „Ich hab die Löffel mit dabei“, lacht der 62-Jährige. „Bei manchen Stücken hol ich mein Besteck heraus.“ Damit serviert der Schlagzeuger den Passanten an der Spitalkirche feinste Blasmusik-Begleitung.

Herbert Schmidt vom Musikverein Haselmühl-Kümmersbruck.

Früher spielte Schmidt lange Zeit Gitarre, dann aber brachte er einen seiner Finger in das Schneidwerk des Rasenmähers. „Da bin ich dann auf Orgel und später auf Schlagzeug umgestiegen.“ Schmidt war in den 1980er-Jahren mit der Vier-Mann-Band „Los Habeneros“ in der Region unterwegs. Musik ist halt seine Leidenschaft.

Am Sonntag steht sie im Stadtgraben schräg unter dem Nabburger Tor, ihre größte Gaudi hat Irene Klier (37) mit den Hahnbacher Marktbläsern aber auf der Vereinsfahrt an den Nordsee-Strand erlebt. „Das Krabben-Pulen bei unseren Freunden in Nordfriesland.

Begeisterte Waldhorn-Spielerin: Irene Klier von den Marktbläsern Hahnbach.

Das ist so eines der Erlebnisse mit meiner Musikkapelle, die ich nicht so schnell vergesse.“ Seit elf Jahren spielt Klier das Waldhorn, ein Instrument, das als recht schwer spielbar gilt. „Es hat einen ganz besonderen, weichen Klang. Das gefällt mir.“ Und nicht nur ihr. Für das erste Stück der Marktbläser gibt es gleich frenetischen Applaus.

Christian Winklmann (47) ist seit 20 Jahren in einer festen Beziehung mit Iris. Iris, so heißt seine Tuba, die er am Sonntag in Amberg schmerzlich vermisst. Iris ist beim „Blechdoktor“, vor kurzem ist sie dem Vorsitzenden des Musikvereins Vilseck aus der Hand gerutscht, das Instrument muss repariert werden.

Spielt Tuba und leitet den Musikverein Vilseck: Christian Winklmann.

„Die Tuba kann man richtig schön klingen lassen“, sagt er. „Wenn man mal ein Musikstück anhört, bei dem die Tuba fehlt, dann ist das nur halb so schön.“ Bei der Luftklangmeile müssen die Vilsecker nicht auf den Bass verzichten. Die zweite Tuba ist im Einsatz und brummt schon unter der Brücke beim Amtsgericht.

Stefan Neger (43) aus Hohenkemnath ist genetisch vorbelastet. Sein Großvater und sein Urgroßvater waren Blasmusikanten vom alten Schlag, in der ganzen Region bekannt. Neger dirigiert die Ursensollener Blaskapelle, spielt selber – wie seine Vorfahren – Klarinette und zwar seit seinem sechsten Lebensjahr.

Er hat die Musik in den Genen: Stefan Neger aus Hohenkemnath, Spross einer Blasmusikanten-Dynastie.

„Die Klarinette ist das schönste Instrument überhaupt“, behauptet der Orchester-Chef. „Man sagt ja, sie ahme die menschliche Stimme nach.“ Bei der Kammermusik könne man das hören. „Wenn sich da eine Frauenstimme zur Klarinette gesellt, kann man die manchmal kaum auseinanderhalten.“

Für die Flötenklänge sind bei der Schlichter Werkvolkkapelle unter anderem Emma Rott (16) und Isabella Sachsenhauser (15) zuständig. Die beiden Freundinnen spielen Querflöte – "ein typisches Mädcheninstrument", wie Isabella meint.

Emma Root (links) und Isabella Sachsenhauser spielen bei der Werkvolkkapelle Schlicht Querflöte.

Emma gefällt, dass sich die Querflöte auch gut für klassische Musik eignet. Noch schöner ist aber was anderes: „Die Gemeinschaft in einem Orchester“, sagt Emma. Die beiden haben mit der Kapelle immer einen Heidenspaß – vor ein paar Tagen erst beim Probenwochenende in Wirsberg (Kreis Kulmbach).

Vom Bodensee aus hat die Knappschaftskapelle Amberg Unterstützung bekommen. Michaela Krieg (50) ist von Ludwigshafen nach Amberg gezogen spielt in dem Orchester Trompete. Bei der Luftklangmeile ist sie eine der wenigen Frauen, die dieses Instrument bedienen.

Seltene Spezies: Trompeterin Michaela Krieg (Knappschaftskapelle Amberg).

„Ich wollte das als Mädchen unbedingt“, erzählt sie aus ihren Jugendjahren – Trompete spielen, wie Louis „Satchmo“ Armstrong. Die Knappschaftskapelle spielt ein breites Repertoire, hin und wieder auch ein bisschen Jazz. Der Dirigent gibt den Takt vor, Michaela Krieg holt Luft und spitzt die Lippen. Von der Sonne beschienen, neben der Stadtbrille, wippen und klatschen die Zuhörer mit.

So war die 4. Luftklangmeile 2017

Hier gibts die Fotos von der 5. Luftklangmeile

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