12.05.2019 - 10:38 Uhr
AmbergOberpfalz

50 Jahre Lebenshilfe Amberg-Sulzbach: Ein Hoch auf das Leben

Von wegen steifer Festakt: Als die Band "Jura goes Music" loslegte, ging im Amberger Kongresszentrum der Punk ab. Da groovte selbst Ministerin Kerstin Schreyer mit.

von Uli Piehler Kontakt Profil

"Ein Hoch auf uns - auf unser Leben", schmetterte die Band der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach den Song von Popstar Andreas Bourani auf der Bühne im Kongresszentrum und keinen hielt es mehr auf seinem Platz. Das Finale des Festaktes zum 50-jährigen Bestehen begleiteten stehende Ovationen und lachende Gesichter. Dabei waren zuvor in den Reden durchaus ernste Themen angeschnitten worden.

Festrednerin Barbara Stamm (die Ex-Landtagspräsidentin ist Landesvorsitzende der Lebenshilfe) erinnerte an die Gründerjahre des Verbands, als Eltern von Kindern mit Behinderungen aktiv geworden seien. "Sie haben sich nicht länger versteckt", sagte Stamm. "Sie sind mit ihren Kindern auf die Straße gegangen und haben gesagt: Hier sind wir und unsere Kinder sind bildungsfähig." Seit der Gründung der Lebenshilfe habe sich die Wahrnehmung und die Situation von Menschen mit Behinderung grundlegend geändert. Allerdings: "Wir reden immer über Defizite", sagte Stamm, die als CSU-Politikerin von 2008 bis 2018 Präsidentin des Landtags war. "Aber man darf Menschen nicht an Defiziten festmachen."

Der Vorsitzende der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach, Eduard Freisinger, leitete zu einem Thema über, bei dem es mucksmäuschenstill im ACC wurde. In den vergangenen Jahrzehnten sei eine "gewaltige Entwicklung hin zu mehr Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen" erreicht worden. 74 Jahre nach einer "unsäglichen Zeit" in Deutschland sei jetzt aber wieder ein klares Statement gegenüber Stammtischparolen nötig, "die den Lebenswert eines Menschen infrage stellen". Sozialministerin Kerstin Schreyer vertiefte diesen Aspekt. Im Landtag sitze eine neue Gruppierung, die ein Verhalten und eine völkische Sprache an den Tag lege, die einen schaudern lasse. Schreyer: "Ich lade Sie ein, die Reden der Fraktionsvorsitzenden zu verfolgen, da wird es einem kalt." So lange sie ein politisches Amt habe, werde sie dafür kämpfen, dass solche Menschen nie wieder an die Macht kommen.

Wie ein roter Faden zog sich der Name Heinrich Wittmann durch den Festabend. Pfarrer Wittmann (im Februar 2018 im Alter von 89 Jahren gestorben) war Pionier der Lebenshilfe in Amberg und von 1981 bis 1998 Vorsitzender des Kreisverbands. "Er hat Inklusion schon gelebt, da gab es diesen Begriff noch gar nicht", brachte Bezirksrat Martin Preuß die Lebensleistung Wittmanns auf den Punkt. Wichtigste Begleiterin war seine Schwester Maria Geiss-Wittmann, die als Landtagsabgeordnete (1970 bis 1986) die Aufbauarbeit der Lebenshilfe im Raum Amberg-Sulzbach unterstützte. Sie ergriff am Ende des Festaktes das Wort, um Eduard Freisinger und allen Mitarbeitern für das Geleistete zu danken. "Sie machen die Welt ein gutes Stück besser", sagte Geiss-Wittmann.

"Selten findet sich im ACC so viel regionale Prominenz auf einmal ein", stellte Oberbürgermeister Michael Cerny fest. Neben Landrat Richard Reisinger waren zahlreiche Bürgermeister aus dem Landkreis der Einladung gefolgt. Sie alle klatschten Beifall, als der stellvertretende Vorsitzende Bernhard Vahle am Ende eine Neuigkeit verkündete: Seit Anfang Mai gibt es eine "Stiftung der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach", die die Aufgabe hat, die Einrichtungen des Verbandes nachhaltig zu fördern.

Die Internetseiten der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach

Das Jubiläum "50 Jahre Lebenshilfe Amberg-Sulzbach" wird 2019 mit einer Reihe von Veranstaltungen gefeiert, über die das Onetz regelmäßig berichtet. Einer der Höhepunkte war die Teilnahme des Basketball-Teams an den Special Olympics in Abu Dhabi im März 2019. Die Sportler aus Amberg holten sich dabei die Bronzemedaille.

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Hintergrund:

523 Mitglieder, 755 Mitarbeiter

Aus einer kleinen Werkstatt in einem Leerstand ist ein florierendes mittelständisches Unternehmen geworden. Der Kreisverband Amberg-Sulzbach der Lebenshilfe hat 523 Mitglieder und unterhält 50 Jahre nach seiner Gründung 20 Einrichtungen und Dienste - vom Heilpädagogischen Zentrum über Wohnstätten, die Rupert-Egenberger-Schule bis hin zu den Jura-Werkstätten.

755 Mitarbeiter betreuen derzeit 1334 Menschen. Täglich sind 82 Busse bei diversen Fahrdiensten im Einsatz, die Fahrzeuge legen pro Jahr 1,56 Millionen Kilometer zurück. jeden Tag werden 1805 Mittagessen ausgereicht. 750 Menschen mit Behinderungen werden im heilpädagogischen Zentrum betreut, 129 leben in den Jura-Wohnstätten. Die Jura-Werkstätten bieten 455 Arbeitsplätze.

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