24.05.2021 - 14:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Vor 600 Jahren: In Amberg startet der Bau der Martinskirche

So beeindruckend wie der Kirchenbau der altehrwürdigen St. Martinskirche, so beeindruckend war auch der Pontifikalgottesdienst zur Grundsteinlegung „600 Jahre Basilika St. Martin“ mit Weihbischof Reinhard Pappenberger.

Weihbischof Reinhard Pappenberger (Mitte) zelebrierte den Jubelgottesdienst. Links neben ihm ist Stadtpfarrer Thomas Helm zu sehen.
von Adele SchützProfil

Die Predigt, bei der der Geistliche mit fundierten Kenntnissen über die Kirche aufwartete, wurde von festlichen Klängen umrahmt. Zu hören waren ein kleines Orchester, Sologesang und das Bläserensemble "St. Martin an der Vils". Die Gesamtleitung lag in den Händen von Regionalkantor Bernhard Müllers. Unter den Besuchern des Jubelgottesdienstes befanden sich auch Oberbürgermeister Michael Cerny und Landrat Richard Reisinger.

Stadtpfarrer Thomas Helm wies eingangs darauf hin, dass die geplante Festwoche anlässlich des Jubiläums 600 Jahre Grundsteinlegung wegen der Pandemie um ein Jahr verschoben werden muss, dass aber das Wichtigste und Zentrale des Glaubens, die Eucharistiefeier, dennoch stattfinden könne.

Weihbischof Pappenberger sagte, dass sich die Pfarrei St. Martin an die Anfänge des Baus ihrer Kirche am 25. Mai 1421 erinnere. Die Basilika gehöre neben dem Regensburger Dom zu den bedeutendsten gotischen Kirchen der Oberpfalz. Durch ihre Bauart mit böhmischem Einschlag zeige sie, dass damals über Grenzen hinausgeschaut worden sei. Gleichzeitig sei bei dem Bau nicht nur etwas nachgemacht, sondern weitergeführt worden, denn die Umgangsempore sei ein Merkmal der spätgotischen Architektur. Der Bau der "neuen" Martinskirche erfolgte laut Pappenberger vor 600 Jahren auf altem Grund, denn es seien archäologisch Fundamente einer romanischen Vorgängerkirche nachgewiesen worden. Diese habe mit dem urkundlich erwähnten Kloster im Monasterium von Ammenberg zu tun, das vom 12. Jahrhundert bis in die karolingische Zeit zurückreiche. Eine Glocke aus dem Jahr 1312 und der Taufstein, beide älter als die "neue" Martinskirche, seien ebenfalls Hinweise auf eine Vorgängerkirche.

Wörtlich sagte der Weihbischof: "Der ganze Kirchenbau beeindruckt hoffentlich nicht nur die Kunst- und Kulturbeflissenen, Stadt-Touristen und Architekturbegeisterten, sondern vor allem jene, die hierher gehören, weil sie Christen sind und sich hier regelmäßig zusammenfinden, weil sie zur Kirche gehören." Er zitierte den Epheserbrief, in dem es heißt: "Die Kirche ist auf das Fundament der Apostel als Zeugen der Anfänge gebaut und Christus ist der Schlussstein oder Christus ist Eckstein als Schlussstein, von dem alles ausgeht, seine Richtung und sein Maß nimmt." Der Prediger informierte, dass der Schlussstein der Martinskirche hinter dem Hochaltar zu finden sei. Dieser halte den Raum zusammen und der ganze Raum weise auf ihn hin. "Er trägt zurecht das Christusbild", betonte der Weihbischof. Der ganze Bau gehe von Christus aus und führe zu ihm hin.

Stadtpfarrer Thomas Helm richtete seinen Dank an alle, die zum Gelingen des Jubelgottesdienstes beitrugen. Pappenbergers Festpredigt bezeichnete er als tiefgründig. Helm überreichte dem Gast ein Exemplar der neu erschienenen Jubiläumschronik, die es auch im Pfarrbüro zu erwerben gibt.

Der Stadtpfarrer wartete zudem mit einer Überraschung auf, als er einen Regen von Rosenblättern von der Kirchendecke vor dem Altar ankündigte. Im frühen Mittelalter sei es im Pantheon zu Rom Brauch gewesen, am Pfingstfest Rosenblüten vom Himmel regnen zu lassen. Diese Tradition sei im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten und erst vor rund 20 Jahren neu belebt worden. Zum Abschluss der Feier zur Grundsteinlegung von St. Martin vor 600 Jahren segnete Weihbischof Pappenberger den neu restaurierten Gedenkstein an der Fassade auf der Marktplatzseite. Stadtpfarrer Thomas Helm wies darauf hin, dass darauf in gotischen Minuskeln in lateinischer Sprache geschrieben stehe: "Im Jahre 1421 ist dieses Bauwerk begonnen worden am Tage des Papstes Urban."

Zur Feier des Tages: Festtagsglocke der Basilika St. Martin schlägt wieder

Amberg
Zum Abschluss der Feier zur Grundsteinlegung von St. Martin vor 600 Jahren ging es im Kirchenzug auf den Marktplatz hinaus, wo Weihbischof Pappenberger den neu restaurierten Gedenkstein an der Fassade segnete.
In lateinischer Sprache steht auf der neu restaurierten Gedenktafel: „Im Jahre 1421 ist dieses Bauwerk begonnen worden am Tage des Papstes Urban."

 

 

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