10.05.2019 - 11:01 Uhr
AmbergOberpfalz

700 arme Familien stehen Schlange

Wenn Marilou Amann auf die Philippinen fliegt, dann gibt es in einigen Orten Menschenaufläufe. Nicht, weil die Ambergerin ein Star wäre oder einer sein wollte. Bekannt ist allein ihre Hilfsaktion für Arme, sie sorgt für magische Anziehung.

„Hurra, wir bekommen etwas zu essen“: Über die Lebensmittelpakete, die Marilou Amann (links) zusammen mit vielen Freiwilligen aus ihrer Familie und ihrem Bekanntenkreis packen lässt, freuen sich nicht nur die Kinder in den armen Provinzen der Philippinen. Über 700 Familien, die größtenteils vom katholischen Orden der Handmaids of the Sacred Heart of Jesus mit ausgewählt werden (rechts eine der verantwortlichen Nonnen) zehren davon tagelang.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Eigentlich möchte Marilou Amann keinen Trubel um ihre Initiative. Weder auf den Philippinen noch zu Hause in ihrer Heimat in Amberg. "Nur wegen meiner Spender mache ich hier etwas Öffentlichkeitsarbeit", sagt die gebürtige Filipina, die erneut fast drei Monate lang in ihrem Herkunftsland war. Ihren Unterstützern möchte sie nach ihrer Rückkehr auf diese Weise Bericht erstatten. "Damit meine treuen Helfer sehen, dass ihr Geld auch diesmal bei den Empfängern angekommen ist, dass es sinnvoll und so wie angekündigt eingesetzt wurde."

Essenspakete und Speisung

So sind es über 500 Fotos, die die Ambergerin von ihren Aktionen in insgesamt fünf verschiedenen Provinzen auf der Nordinsel Luzon - teils liegen sie weit voneinander entfernt - gemacht hat. Dort hat sie erneut mit Lebensmittelspenden und Armenspeisungen geholfen, aber auch ihre ebenfalls teils verstreut wohnenden Patenkinder besucht. Das heißt, diese Kinder und Jugendlichen haben eigentlich Pateneltern in Amberg und Umgebung: Menschen, die sich bereit erklärt haben, den Schulbesuch und damit einhergehende Ausgaben dieser jungen Leute zu unterstützen. Damit sie mit einem guten Abschluss und einer Ausbildung einen Beruf finden, von dem sie leben können. Und nicht wie ihre mittellosen Eltern meist als Tagelöhner arbeiten müssen und so dem Teufelskreis der Armut nie wirklich entfliehen können. "Wenn diese guten Schüler mit anderen Voraussetzungen einen Beruf finden, schaffen sie es nicht nur, ihr eigenes Leben und ihre Zukunft zu verbessern, sondern sie helfen regelmäßig auch ihren Familien: ihren Eltern und Geschwistern, die in der Regel nicht alle die Chance auf eine solche Lebensveränderung haben", schildert Marilou Amann den Hintergrund.

Die, denen dieses Glück mit Hilfe der Paten in Amberg und Umgebung beschert ist, hat die Filipina persönlich besucht. Um nach dem Rechten zu sehen, den Schulfortschritt und die nötige Anstrengung dafür mit den entsprechend guten Noten zu kontrollieren. "Das bin ich den Pateneltern hier schuldig", meint Amann: "Für die Überwachung des aus der Oberpfalz betriebenen Aufwands und all der Mühe meiner Spender will ich gern selber sorgen."

Das zweite große Projekt der gebürtigen Filipina sind Nahrungsspenden, die sie wieder an 700 bedürftige Familien verteilt hat. Die Lebensmittel lässt die Ambergerin von ihren Verwandten und Freunden im Land kaufen und für alle Empfänger zu inhaltsgleichen Paketen verpacken. All diese Helfer arbeiten unentgeltlich, so dass für die Ambergerin keinerlei Kosten anfallen. Ebenso wie sie ihre eigenen Ausgaben für die Reise und alles Weitere im Land immer selber trägt. Damit jeder Euro nicht in irgendeinen Verwaltungs- oder Arbeitsaufwand fließt, sondern ein voller Spenden-Euro bleibt.

Hallen für Verteilung nötig

Bei den beschriebenen Lebensmittelausgaben in den fünf Provinzen Zambales, Bataan, Cavite, Albay und Bohol stehen lange Schlangen von Menschen an. Oft kommen pro Familie mehrere Mitglieder mit Kind und Kegel, so dass Marilou Amann mittlerweile Schul- und Sporthallen für die Verteilung oder andere größere öffentliche Plätze nutzen muss, wo sich so viele Leute versammeln können. Ausgewählt werden sie mit Hilfe von Mitarbeitern der Gemeinden, die "ihre" Armen im Ort kennen und genau wissen, wer die Hilfe am dringendsten nötig hat.

Auch eine katholische Ordensgemeinschaft beteiligt sich daran, weil sie soziale Arbeit in den Slumgebieten leistet und "ihre" Hilfsbedürftigen ebenfalls gut kennt. Die Nonnen sind es auch, die bei der Auswahl der als "Patenkinder" geeigneten Schüler wertvolle Dienste leisten: Denn die Handmaids of the Sacred Heart of Jesus betreiben neben der Sozialarbeit auch Schülerwohnheime, wo manche der intelligenten jungen Leute anklopfen, die sich für eine Patenschaft aus der Oberpfalz besonders eignen und diese Hilfe verdienen (auch aufgrund ihrer familiären, oft schlimmen Verhältnisse, um die die Ordensschwestern ebenfalls Bescheid wissen).

Last, but not least hat Marilou Amann in einem Waisenhaus und zwei unterversorgten Regionen für die dortigen Kinder wieder insgesamt drei Armenspeisungen auf die Beine gestellt. Das hat sie diesmal für rund 700 Buben und Mädchen, im Alter zwischen zwei und zehn Jahren, aus eigener Tasche finanziert, weil ihr großer Unterstützer, die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung, diese Aufgabe vor allem in der Regenzeit fördert, die erst noch kommt.

Conrads "Ritterschlag"

Das Unternehmer-Ehepaar mit seinem Hilfswerk in Hirschau ist es auch, das bereits 17 Patenkinder von Marilou Amann übernommen hat. Die Ambergerin betrachtet diese große Hilfe und die erst im vergangenen Jahr deutlich erweiterte Zuwendung der Conrad-Stiftung als "Ritterschlag" für ihre Aktion (www.onetz.de/2572063). Stolz ist sie ferner darauf, dass sie durch ihre Beziehungen vor Ort und die Kenntnis von Land und Leuten auch der Projekthilfe Dr. Luppa schon mehrfach sinnvolle Vorhaben auf den Philippinen vorschlagen konnte.

Auch diesmal hat sie drei Ideen - die über ihre eigene Hilfsinitiative hinausgehen - mitgebracht und mit Projekthilfe-Vorsitzendem Ulrich Siebenbürger besprochen. Er nimmt sie ins Programm der Amberger Entwicklungshilfeorganisation auf und kann für künftige Kontrollen ebenfalls auf Marilou Amanns Besuche vor Ort zählen. Es geht unter anderem um Brunnen für mittellose Farmer, Material und ein Sonnenschutz-Dach für ein Dorf von Besenbindern, Hygieneanlagen und Toiletten in einem Slumgebiet sowie die Renovierung von Stühlen und Bänken einer regelrecht vergessenen Grundschule in einer abgelegenen Bergregion.

Hintergrund:

Patenschaften via Projekthilfe Luppa

Gerne würde Marilou Amann, die seit fast 30 Jahren mit ihrem deutschen Mann und ihren Kindern in Amberg lebt, vielen weiteren Jugendlichen in Bataan, Zambales, Cavite und Albay helfen – das sind die Provinzen auf der Nordinsel Luzon, wo sie Patenschaften unterhält. Wer sie unterstützen will, kann das entweder regelmäßig mit der Übernahme einer Patenschaft zu je 50 Euro im Monat tun oder auch für die Armenspeisungen spenden. Die Abwicklung der Eingänge läuft über Ambergs renommierte Entwicklungshilfeorganisation Projekthilfe Luppa (Iban: DE05 7525 0000 0190 0200 08; im Verwendungszweck „Marilou Amann“ sowie „Patenschaft“ oder „Einmalspende“ angeben; Spendenquittungen möglich).

Es sind lange Tafeln bei den Armenspeisungen, an denen vor allem Kinder und Jugendliche Platz nehmen. Bemerkenswert: Alle lächeln glücklich.
Es sind Gemeinde- und Schulhallen, die benutzt werden müssen, um die Menge der herbeiströmenden Hilfeempfänger aufnehmen zu können.
Ein ganzes Dorf lebt vom Binden von Reisigbesen. Es darf nun auf die Unterstützung der Projekthilfe Luppa für ein größeres Sonnenschutzdach hoffen.

 

 

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