10.09.2018 - 10:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit 80 Jahren: Freude am Fechten

Gudrun Pfab öffnet die Tür ihres Bungalows am Stadtrand. Ihre grauen Haare trägt sie sportlich kurz. Sie hat eine auffallend gute Körperhaltung. Dass sie 80 Jahre alt ist, mag man kaum glauben.

Die Grundschritte der Beinarbeit sitzen bei der Seniorin wie im Schlaf. Nach einem Unfall unterrichtet sie ausschließlich.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

„Weißt du, was Fechten ist?“, wollte eine Freundin von Gudrun Pfab wissen, als sie gerade einmal zehn Jahre alt war. Sie verneinte. „In der Zeitung steht, wir brauchen nur Turnhose und -schuhe. Da gehen wir hin.“ Das war 1948. Heute, 70 Jahre später, steht Gudrun Pfab immer noch jeden Montag in der Turnhalle der Albert-Schweitzer-Schule und gibt Unterricht. Im Fechten.

„Für das Fechten ist man nie zu alt, höchstens zu jung“, sagt Pfab. Zehn Jahre alt sollten Anfänger in ihrem Kurs mindestens sein. Bei diesem Sport gehe es nicht um Kraft, sondern um Technik. Deswegen sei er durchaus auch für ältere Menschen machbar. „Wir haben auch Fechter, die schon lange dabei sind. Die haben irgendwann ihre Kinder zum Training gebracht und wollten nicht die Stunde rumsitzen. Deswegen haben sie mitgemacht. Die Kinder sind inzwischen schon lange erwachsen und nicht mehr im Training, aber die Väter und Mütter sind geblieben.“

Treffer mitten ins Herz

Die gebürtige Rheinländerin aus Bendorf-Sayn hat es sportlich weit gebracht. Bei den deutschen Meisterschaften 1957 erreichte sie die Zwischenrunde. Dort lernte sie ihren zukünftigen Ehemann, Paul Pfab, kennen – ein wahre Amberger Fecht-Koryphäe. Er war es, der 1949 die Fechtabteilung des TV 1861 Amberg aufbaute. 1958 heirateten die Pfabs und Gudrun verließ ihre Heimat, um in der Oberpfalz eine Familie zu gründen. Gemeinsam übte das Paar über Jahrzehnte den Sport aus. War ihr Mann auf Geschäftsreise, vertrat Gudrun ihn als Trainerin. Auch ihr Sohn, ihre Tochter und ein Enkel fechten. Eine echte Familiensache.

2015 dann der Schock: Gudruns Ehemann Paul stirbt im Alter von 87 Jahren. „Seitdem kümmern wir uns um die paar Hanseln, die noch übriggeblieben sind“, erzählt die 80-Jährige. Mit „wir“ meint sie ihren Sohn, ihre Tochter und sich. So gut besucht wie damals seien die Fecht-Kurse aber längst nicht mehr. „Die Ausbildung dauert lange. Da geht nichts hopp, hopp. Vor allem die Anfänge, die Beinarbeit. Das ist wie beim Autofahren. Da darf man beim Schalten auch nicht mehr denken. Das muss automatisch gehen.“ Viele hätten diese Geduld nicht, vor allem Kindern werde das schnell langweilig. Von ihrer schon früh entdeckten Leidenschaft für den Sport profitiert Gudrun Pfab noch immer. „Ich mache alles zu Fuß, wenn es geht. Ich kann noch alles machen, meinen Garten, den Gartenteich, das Haus putzen. Das mache ich so gut, wie ich es noch kann.“ Die Sportangebote für Senioren bezeichnet die gelernte Bürokraft als vielfältig. Nur seien die oft abends. Spät das Haus zu verlassen, sei ihr nicht geheuer.

Vor allem für junge Leute hat sie einen Tipp: Bewegung, Bewegung, Bewegung. „Ich bin sogar mit dem Kinderwagen auf die bayerischen Meisterschaften gefahren, weil ich mich qualifiziert hatte. Aber damals war noch alles legerer. Ich weiß nicht, ob das heute noch so geht.“ Die Gemeinschaft unter den Fechtern war eine sehr enge. Die Fechtfreunde treffen sich immer in den Ferien, wenn kein Unterricht ist, zum Stammtisch. „Leider werden es immer weniger.“ Vor drei Jahren verletzte sich die fünffache Großmutter, brach sich beide Handgelenke. Ein Jahr lang musste sie mit dem Training aussetzen. Seitdem gibt sie nur noch Unterricht. „Ich habe gemerkt, dass es meinen Handgelenken nicht gut tut.“ Gerade beim Fechten komme viel aus dem Handgelenk.

Was ihr am Fechten und am Unterrichten Spaß macht? Das kann Gudrun Pfab gar nicht so genau beschreiben. „Es gehört einfach zu meinem Leben dazu. So lange es körperlich geht, mache ich weiter.“

Info:

Schnupperstunde

Wer bei einem Training vorbeischauen will, kann unter der Schulzeit in der Albert-Schweitzer-Turnhalle vorbeikommen. Das Training beginnt um 18.30 Uhr und dauert eine Stunde. Gestartet wird mit einer halben Stunde Gymnastik und Beinarbeit. Jeder kann bis zu viermal kostenlos teilnehmen. (anv)

Hintergrund:

Freiraum und
Gesundheit ab 65

Was macht ein gutes Leben im Alter aus? Wie nutzen Menschen ab 65 Jahren ihren neu gewonnenen Freiraum im Ruhestand? Wie bleiben sie möglichst lange gesund? 2017 startete das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege die Kampagne „Mein Freiraum. Meine Gesundheit. In jedem Alter.“ In einer Ausstellung und einem Magazin werden Einblicke in das Leben ab 65 sowie Tipps und Hintergrundinformationen rund um das Thema Gesundheit im Alter gegeben. Zusammen mit der Gesundheitsregion plus der Stadt Amberg haben die Oberpfalz-Medien auch in der Region Menschen gefunden, die mit ihren Hobbys beeindrucken. Sie betätigen sich in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung und soziale Kontakte. In den kommenden Wochen werden diese Frauen und Männer in der Amberger Zeitung und online in einem Video vorgestellt. (anv)

Mehr unter

www.freiraum.bayern.de

Gudrun Pfabs Leidenschaft ist das Fechten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp