06.05.2019 - 17:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Abi-Kritik nicht gerechnet

Von unverhältnismäßig schweren Aufgaben im Mathe-Abitur ist seit der Prüfung am Freitag die Rede. Das sorgt für Unmut bei vielen Abiturienten. Und auch bei den Schulleitern in der Region - aber aus einem anderen Grund.

Bayerns Abiturienten protestieren gegen das ihrer Ansicht nach zu schwierige Mathe-Abitur.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Vor einer Woche haben die Abiturprüfungen in Bayern begonnen. Am Freitag stand mit Mathe der zweite schriftliche Test an. Und der löste eine Welle an Protesten aus. "2016 war es anspruchsvoll, 2017 war es machbar, 2018 war es nahezu leicht und 2019 enthielt plötzlich Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen hatte", heißt es in einer Online-Petition an das Kultusministerium mit der Forderung, den Notenschlüssel des Mathe-Abiturs zu senken. Bis zum Montagabend unterschrieben knapp 60 000 Menschen.

Angesichts dieser großen Zahl mahnt Frank Fiedler, stellvertretender Schulleiter des Herzog-Christian-August-Gymnasiums in Sulzbach-Rosenberg, zur Vorsicht: "Da entsteht schnell eine gewisse Gruppendynamik." Subjektiv betrachtet empfinde man die eigenen Prüfungen häufig als besonders schwer. "Nach Einschätzung unserer Mathe-Lehrer gab es beim Schwierigkeitsgrad keinen wesentlichen Unterschied zu den vergangenen Jahren", sagt Karl Bösl, Schulleiter des Erasmus-Gymnasiums. "Einige Aufgaben waren auffällig textlastig. Das macht es vor allem für Schüler mit Migrationshintergrund schwieriger. Aber wir können uns der Kritik nicht anschließen."

"Kein großes Geschimpfe"

Über die ärgert sich auch Peter Welnhofer, Rektor des Gregor-Mendel-Gymnasiums: "Hier äußern sich auf breiter Front Leute, die keine Ahnung haben." Er habe mit den Lehrern der Mathematik-Fachschaft gesprochen. Die seien sich einig gewesen, dass das Abitur in diesem Jahr "zwar anspruchsvoll war, aber im Rahmen des zu erwartenden Anforderungsniveaus blieb". Nach Prüfungsende sei auch vonseiten der Schüler "kein großes Geschimpfe" zu hören gewesen. Dem schließt sich Wolfgang Wolters vom Max-Reger-Gymnasium an: "Als die Schüler am Freitag ihre Arbeiten abgegeben haben, sagten sie: Es war schwer, aber machbar."

Wolters habe aus den Nachrichten von der Petition gehört und sofort seine Fachbetreuerin kontaktiert. "Sie sagte, dass Analysis keine Schwierigkeiten gemacht hat, und das macht ja knapp die Hälfte der Punkte aus. Stochastik und Geometrie waren schwieriger." Er beurteilt die Situation sowie die Prüfung an sich ganz nüchtern: "Viel Lärm um wenig - oder: Kein Geschenk, aber auch keine Katastrophe." Einige Schüler hätten sich ihm gegenüber auch offen geäußert, dass "sie möglicherweise zu spät zum Lernen angefangen haben". "Es gibt faktisch ja noch gar kein Ergebnis. Hätten wir den Schnitt schon, dann könnten wir mit den vergangenen Jahren vergleichen. Aber selbst dann können Leistungsunterschiede sehr vielfältige Gründe haben", sagt auch Günter Jehl, Leiter der Dr.-Johanna-Decker-Schulen. 20 Jahre lang habe er als Mathe-Lehrer selbst Schüler zum Abitur geführt.

Bodenlose Debatte

"Unsere Aufgabe ist es, junge Menschen verantwortungsvoll zu erziehen und ihnen auch mal etwas abzuverlangen." Er sei "kein Hardliner". "Aber man muss auch die Kirche im Dorf lassen." Er sei schockiert über die mediale Aufmerksamkeit. Die Debatte bezeichnet er als "bodenlos" sowie als "Pegelstandsmesser für den Zustand unserer Gesellschaft". Jehl: "Alleine was das kostet und wie viel Arbeit nun in der Überprüfung steckt. Einer Überprüfung dessen, was vorher doch sorgfältig vorbereitet wurde."

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