Der Streit um den geplanten Neubau eines Wohnblocks am Amberger Kirchensteig zieht weitere Kreise. Nachdem in der Amberger Zeitung in der Ausgabe vom Donnerstag, 26. Februar, ein Leserbrief mit dem Titel „Wieder wird einem Investor der rote Teppich ausgerollt“ erschienen war, schaltet sich nun Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny in die Auseinandersetzung ein. Seine Stellungnahme beginnt das Stadtoberhaupt mit den Worten: „Ich bedauere sehr, dass in der öffentlichen Diskussion um das Bauvorhaben am Kirchensteig erneut falsche Behauptungen als Fakten dargestellt werden.“
Worum genau geht es? Im Leserbrief hatte der Autor behauptet, die genehmigte Planung am Kirchensteig sei eine direkte Folge des sogenannten Bau-Turbos, der seit Oktober 2025 gilt. Bei diesem „Bau-Turbo“ handelt es sich um eine bundesweit befristete Sonderregelung im Baugesetzbuch, die bis zum 31. Dezember 2030 den Wohnungsbau durch weniger Bürokratie beschleunigen soll. Mit dem „Bau-Turbo“ haben die Planungen überhaupt nichts zu tun, denn „diese Annahme ist zeitlich und inhaltlich unzutreffend“, erklärt Cerny.
Hat nichts mit "Bau-Turbo" zu tun
Tatsächlich habe es sich bei der Genehmigung um ein reguläres Verfahren gehandelt (§ 34 Abs. 1 Baugesetzbuch), mit dem das Stadtentwicklungsamt den Antrag geprüft habe. Cerny: „Maßgeblich dafür war, dass sich das Vorhaben in die nähere Umgebung einfügt – was baurechtlich gegeben war.“ Außerdem sei die Behauptung im Leserbrief schon allein deshalb falsch, weil der zeitliche Ablauf ein völlig anderer gewesen sei. „Die Baugenehmigung wurde bereits im März 2025 erteilt und damit mehr als ein halbes Jahr, bevor die neuen ‚Bau-Turbo‘-Regelungen überhaupt in Kraft traten.“
Seitdem der Streit um den Neubau am Kirchensteig hochkocht, gab es etliche Leserbriefe in der Amberger Zeitung zu dem Thema. Immer wieder fand sich darin der Vorwurf, dass ein Investor tun und lassen könne, was er will, solange er genügend Kapital heranschafft. Auch das wolle der Oberbürgermeister so nicht stehen lassen. „Diese Unterstellung weise ich entschieden zurück. Die Erteilung einer Baugenehmigung ist keine politische Entscheidung und schon gar keine Gefälligkeit. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen hier für die kreisfreie Stadt Amberg eine staatliche Aufgabe wahr. Geprüft und entschieden wird nach geltendem Baurecht“, so Cerny.
"Gewisse Ironie" in Vorwürfen
Cerny befürchtet, die Vorwürfe könnten nicht nur auf die Politik, sondern auch auf die Stadtverwaltung abzielen. Wie auch schon öfter in der Vergangenheit nimmt Cerny die Mitarbeiter der Stadt in Schutz. „Solche Behauptungen sind schlichtweg unfair gegenüber der Belegschaft unserer Baugenehmigungsbehörde. Unsere Fachleute haben den absoluten Anspruch an sich selbst, jede Entscheidung strikt nach Recht und Gesetz zu treffen, und setzen gleichzeitig alles daran, die oft vehement eingeforderte Schnelligkeit in den Verfahren an den Tag zu legen.“
Gerade der Punkt „Schnelligkeit“ ist ja einer, der gerne mal kritisiert wird. Cerny: „Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich unsere Genehmigungsbehörde im Alltag meist eher dem Vorwurf ausgesetzt sieht, sie würde zu intensiv und zu langwierig prüfen.“ Dass jetzt aber scheinbar behauptet werde, die Verwaltung sei mit dem Projekt am Kirchensteig zu leichtfertig umgegangen und habe überschnell gehandelt, will das Stadtoberhaupt nicht gelten lassen. Eben weil es in Amberg einen hohen Bedarf an Wohnungen gebe, versuche die Stadt, „bestmöglich durch zügige und professionelle Bearbeitung“, die Not zu lindern – übrigens völlig unabhängig davon, wer der Investor ist, so Cerny.
Fair gegenüber allen bleiben
Die Sorgen der Anwohner möchte Cerny eigenen Aussagen zufolge aber nicht kleinreden. „Selbstverständlich ist eine lebhafte, kritische Debatte zu städtischen Bauprojekten ein wichtiges Gut und völlig legitim.“ Und weiter: „Gerade weil Bauvorhaben im direkten Umfeld oft verständliche Emotionen bei den Anliegern auslösen, ist es mir wichtig, dass wir solche Diskussionen auf Basis korrekter Fakten führen." Das sei entscheidend, um gegenüber allen Beteiligten – Anwohnern, Bauherrn und Verwaltung – fair zu bleiben.


















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