Eingefleischten Ambergern ist das Anwesen in der Neustift 47 als jahrelanger Sitz der Firma Beschläge Eckert bekannt. Auch der Kulturstift e.V. hatte hier sein Domizil, sorgte mit regelmäßigen Veranstaltungen vor Corona-Zeiten für öffentlichen Zugang und Bekanntheit des weit nach hinten bis zum Proviantamtsgäßchen reichenden Komplexes. Natürlich sahen Besucher den alten Zustand der verschiedenen Gebäudeteile, die seinerzeit nie unter Denkmalschutz standen. Auch das brachte die Besitzer Thomas Gräf und seine Ehefrau 2020 auf die Idee, die vom Kulturstift nicht mehr genutzten Häuser unter mehreren Dächern abreißen zu lassen und durch altstadtgerechtes neues Wohnen zu ersetzen.
Abriss erscheint "gangbarer Weg"
Der mit den Entwürfen beauftragte Amberger Architekt Georg Zunner leistete flotte Arbeit, legte im Grunde eine ziemlich detaillierte Planung vor, die nach seiner Ansicht eine erste Vorlage beim Baureferat der Stadt verdiente. Und weil sich dessen Leiter Markus Kühne und Zunner durch andere Projekte und persönlich seit langem kennen, ging der Architekt nicht zum Schmiedl, sondern zum Schmied. Sprich, er zeigte dem Baureferenten seinen Entwurf, den dieser mit einer spontanen Aussage als "gangbaren Weg" bezeichnete. Er tat das beim ersten Treffen in seinem Amt genauso wie bei einem zweiten vor Ort in der Neustift 47, als auch Gräf anwesend war und das erfreut hörte.
Folge für ihn: Er ließ Zunners Büro weiter planen - bis, ja bis dann doch der Denkmalschutz ins Spiel kam. Und zwar - das streitet Kühne nicht ab - wohl durch einen seinerzeit recht eifrigen Mitarbeiter des Bauamts, der gerne auch seine persönlichen Vorlieben und Beziehungen zum Denkmalschutz in Regensburg bzw. München beim Bayerischen Landesamt spielen ließ. Konsequenz am Ende: Schnell wurde klar, dass ein Komplettabriss nicht mehr machbar sein würde, stattdessen wohl nur eine großräumige Sanierung infrage kommt.
Bauherr nimmt Sanierung in Kauf
Doch, obwohl sie sich darüber und über das überraschende Eingreifen der Denkmalschutzbehörde mit ihren Forderungen mehr als wunderten, gaben Thomas Gräf und seine Frau nicht gleich auf. Im Gegenteil beauftragten die Eheleute wie verlangt Statiker und Restaurator und ließen an mehreren Stellen Befunde erheben. Doch während es damit für die beiden nach den entsprechenden Einschätzungen der von ihnen beauftragten Experten mal gutsein hätte müssen - immerhin schien vorher ein Totalabriss "gangbar" -, sah das das städtische Bauordnungsamt anders. Dessen stellvertretende Leiterin Kerstin Weiß schrieb dem Ehepaar in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege unter anderem, dass in den bisher vorgelegten Gutachten Schäden zu wenig konkret benannt würden, dass vor allem neuere Einbauten entfernt werden müssten, um jene besser beurteilen zu können. Darauf antwortete Zunner zusammen mit der in seinem Büro beschäftigten Rosemarie Zawrel:
"Die von Ihnen als Mustervorlage zugeleitete Maßnahmenplanung Bereich Statik ist uns sehrwohl bekannt. Es ist jedoch auch so, dass diese Art der Untersuchung ein vollständiges Öffnen aller Anschlussbereiche der Tragwerkskonstruktionen erfordert, da sie ja sonst nicht einsehbar, kartierbar und beurteilbar sind. ... Es ist aber auch so, dass die Öffnungen einen derartigen Umfang beinhalten, dass danach ein nicht mehr benutzbarer Raum übrig bleibt. Nach Rücksprache mit unserem Statiker und Restaurator haben wir alle aus deren fachlicher Beurteilung notwendigen Bereiche geöffnet. Ich bitte Sie, uns nun anzugeben, wo aus Ihrer Sicht noch nachgearbeitet werden muss, da ansonsten bei einer vollständigen Öffnung, wie in Ihrem Musterplan beigefügt, ein nicht mehr benutzbares Objekt übrigbleibt. Ich möchte den Hinweis geben, dass unser Bauherr ein derzeit nutzbares, wenn auch einfach nutzbares Gebäude hat."
Statt Befund um Befund das Aus
Weil sich die Diskussion um diese Dinge - die Baupläne waren zu Jahresbeginn zur Genehmigung eingereicht worden - noch Monate später drehte, zog Thomas Gräf im Sommer die Reißleine. Auch vor dem Hintergrund, dass doch zuvor der Abriss aller alten Gemäuer "gangbar" erschienen war, zumindest nach den Aussagen des Baureferenten. Letzterer räumte im Gespräch mit der AZ übrigens ein, dass er sich dazu nicht hätte hinreißen lassen sollen, wo doch ohnehin der Bauausschuss involviert werden und eine Entscheidung hätte treffen müssen. Doch für die Gräfs ändert das nichts mehr. Sie entschlossen sich bereits, ihr Engagement einzustellen und die Sanierung nicht zu realisieren.
Einen Teil der Gründe machte der Freihunger Unternehmer in einer breit versandten E-Mail, unter anderem an OB Michael Cerny und die Stadtratsfraktionen, deutlich. CSU-Fraktionschef Matthias Schöberl schrieb er auf dessen Nachfrage noch deutlicher: "Dann zog die Stadt den Denkmalschutz hinzu - unsere komplette Planung für die Tonne. Zweite Planung, wieder Kosten, Anfang Januar 2022 mit Absprache/Abgleich der Behörden bei der Stadt eingereicht, jetzt haben wir August und Frau Weiß will noch mehr Löcher und Untersuchungen, obwohl Statiker und Befunduntersucher der Meinung sind, dass die vorliegenden Erkenntnisse reichen."
"Spaß wurde uns ausgetrieben"
Bis dahin hatten Thomas Gräf und seine Frau nach eigenen Angaben mit allen geforderten Bausubstanz- und Statikprüfungen insgesamt 79 000 Euro ausgegeben, "halten nichts in Händen, dafür haben wir aber viele Löcher von den Untersuchungen in der Wand". Der Amberger, der mit seiner Firma TWL für Speicher, Solaranlagen und Heizkessel selbst im bauverwandten Gewerbe tätig ist, findet das "nicht mehr lustig und normal, der Spaß wurde uns richtig ausgetrieben".
An den für die Region zuständigen Gebietsreferenten des Landesamts für Denkmalpflege, Sebastian Mickisch, sandte Gräf eine weitere Mail, die in Kopie an die genannten Empfänger seiner ersten Mitteilung plus weitere Personen ging. Darin betätigt Gräf, dass er auch auf die vom Landesamt bewilligten Fördermittel von immerhin 30 000 Euro für sein Projekt verzichtet, weil er folgendes erlebt habe: "Die Stadt Amberg bzw. deren handelnde Akteure in der Angelegenheit scheinen nicht begreifen zu wollen, dass ein Investitionswilliger, welcher mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die nächsten 30 Jahre keine Rentabilität zu erwarten hat, nicht als Bittsteller und Dienstleister behandelt werden sollte, obwohl dieser zu einer optischen Verbesserung des Stadtbildes und der Wohnraumsituation beitragen würde. Aber ich bin ja kein Einzelfall. Mit der Ablehnung der Fördermittel spare ich mir im Umkehrschluss sogar Geld, neben Zeit und Ärger, was für mich persönlich mehr Wert hat."
Kühnes Angebot bleibt ungehört
Markus Kühne betrieb in der Nachbetrachtung im Gespräch mit der AZ durchaus "Selbstreflektion", wie er es nannte. Vor allem seine ersten Aussagen zu einem möglichen Abbruch der Altbauten sah er selbstkritisch, zumal sie nicht mit dem eigentlich entscheidenden Bauausschuss und dem Denkmalschutzamt abgesprochen gewesen seien. Außerdem habe sich das Ganze durch die unterschiedlichen Auffassungen, ob die vorgelegten Befunde genügten oder nicht - nicht zuletzt verstärkt durch den einsetzenden E-Mail-Verkehr - wohl ungut entwickelt. Nach dem offenen Brief an die Fraktionen und auf Bitten des mit Gräf bekannten Bürgermeisters Franz Badura hatte Kühne schließlich das Angebot eines nochmaligen Gesprächs unterbreitet. Darauf aber - wie auch auf einen Vermittlungsversuch per AZ - wollte Gräf nicht mehr eingehen, weil Kühne nach seinem Urteil "Mitverantwortlicher in der Angelegenheit" ist.
Nun ist Pustekuchen
Kühne indes wünschte sich, dass das Ehepaar nicht so "rasch" den Schlussstrich gezogen hätte. Denn in der Sache, so meint der Baureferent, hätte man mit der klärenden Unterredung vielleicht am Ende zu einem positiven Ergebnis kommen können: Zu dem, dass in der Neustift 47 etwas passiert, also tatsächlich altstadtgerechtes neues Wohnen entsteht, für das schon so viel Aufwand betrieben wurde. Jetzt aber ist Pustekuchen.























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