27.08.2019 - 10:20 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg 2034: Mobilität bedeutet viel mehr als Auto

Leise surrende Elektroautos, wie von Geisterhand gezogene Kleinbusse, die um den Altstadtring kreisen, oder breite Fahrradstraßen in der Bike-City Amberg - all das wird auch im Jahr 2034 noch Zukunftsmusik sein.

Selbstfahrende elektrische Kleinbusse, wie sie derzeit die Hamburger Hochbahn testet, werden in 15 Jahren mit Sicherheit zum alltäglichen Straßenbild gehören. Doch sonst liegt die Zukunft der Mobilität ziemlich in den Sternen. :
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

2034 jährt sich zum tausendsten Mal die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Ammenberg im Jahr 1034. Und 2035 gilt als der "Point of no Return" in Sachen Klimawandel. Wenn bis dahin der Ausstoß der Klimagase nicht nachhaltig gebremst wird, so die Meinung der meisten ernsthaften Wissenschaftler, dann gibt es kein Zurück mehr. Kohlendioxid, eines dieser Schadgase, wird unter anderem im großen Stil von unserer Mobilität produziert - Autos, Flugzeuge, Kreuzfahrtschiffe aber auch Dieselzüge stoßen es aus. Eben alles, was fossile Brennstoffe für den Antrieb verwendet.

Nur noch 15 Jahre

15 Jahre sind es von heute ab gerechnet noch bis zum Jahr 2034 - nur noch. In dieser Zeitspanne - darin sind sich die meisten Mobilitätsexperten sicher - wird nichts Revolutionäres passieren, das unsere Fortbewegung verändert. Selbst das Zukunftsinstitut des Automobilclubs ADAC spricht in einer Studie mit Blick ins Jahr 2040 von der "Evolution der Mobilität", nicht von ihrer Revolution. Das Auto, so heißt es in der Studie des ADAC, verliert allmählich seinen Status, das Verkehrsmittel Nummer eins in Sachen individueller Mobilität zu sein. "Der Pkw bleibt ein wichtiges Fortbewegungsmittel. Aber im Selbstverständnis der Menschen wird er eben nicht mehr zwingend die erste Wahl sein", stellt das Zukunftsinstitut des Automobilistenvereins nüchtern fest. Eine gleichwertige Option unter anderen Mobilitäts- und Verkehrssystemen wird das Auto aber weiter bleiben.

Auto gibt es auch weiter

Ähnlich sieht es übrigens auch das Institut für Mobilitätsforschung, hinter dem der Münchener Autobauer BMW steckt. "Der Pkw hat und wird auch künftig seine Rolle als besonders, individuelles, in manchen Situationen kaum verzichtbares und Privatsphäre bietendes Verkehrsmittel behalten", blicken die Mobilitätsexperten aus München in das Jahr 2035, mit dem sich eine große Studie (Die Zukunft der Mobilität) des Instituts befasst. Aber die Bevölkerung, so heißt es weiter, werde "multimodaler", greife also auf mehr Verkehrsmittel zurück als nur das Auto. Und das wird 2034 oder 2035 auch immer mehr - nicht ausschließlich - in der elektrischen Version gekauft.

Für die Zukunfts-Mobilität der Amberger rund um die 1000-Jahr-Feier bedeutet dies erst einmal keine großen Veränderungen. Mit knapp 20 Prozent an CO2-Ausstoß lag der Verkehr in Deutschland in der Zeit seit 2019 ohnehin nicht ganz vorne im Fokus der Klimapolitik. Trotzdem hat sich natürlich im Jahr auch hier einiges verändert. Zwar ist Amberg in den vergangenen 15 Jahren nicht zur Fahrradstadt geworden, doch wurde beispielsweise der Altstadtring um das Jahr 2025 herum auf eine Fahrspur verengt. Die zweite Spur gehört seither den Radlern und den selbstfahrenden Elektrobussen, die die Bürger von den Parkhäusern zur Innenstadt bringen - gratis natürlich. Unser Leser Hans Neisberger hatte diese Vision bereits 2017 erstmals so beschworen, bei der Jungfernfahrt der E-Bus-Linie 1 2027 hatte er daher einen Ehrenplatz erhalten.

Apropos Innenstadt. Die ist 2034 selbstverständlich weitgehend autofrei. Nur wer hier wohnt oder eine Ausnahmegenehmigung vorweisen kann, darf noch einfahren. Für alle Verkehrsteilnehmer gilt hier das Prinzip des "Shared Space", das heißt: Fußgänger, Rad- oder Autofahrer bewegen sich als gleichberechtigte Partner auf einer Verkehrsebene. Gehsteige oder Fußgängerzonen gehören in der Altstadt daher längst der Vergangenheit an. Das Leben im Zentrum hat sich deutlich entschleunigt, zahlreiche kleine Einzelhandelsgeschäfte, Galerien, Cafés, Wirtshäuser und viele Sitzgelegenheiten laden zum Bummeln, Einkaufen oder einfach nur Entspannen ein. Kein Wunder, dass Amberg 2032 den Titel "Lebenswerteste Altstadt Bayerns" gewonnen hat, der von der Staatsregierung verliehen wird.

Was 2019 nur in den ganz großen Städten funktioniert hat, ist inzwischen auch in Amberg Realität: Via Smartphone-App organisiert der Bürger seine Mobilität. Während er die Kurzstrecken steuerlich stark begünstigt ohnehin nur noch mit dem Fahrrad absolviert und seine Einkäufe weitgehend mit dem von der Stadt seit 2019 subventionierten Lastenrad erledigt, lässt er die Strecken außerhalb der Stadtmauern von Jelbi und anderen Mobilitäts-Apps planen.

Das Smartphone verrät der mobilen Ambergerin samt Anhang welches Verkehrsmittel sie am schnellsten und effektivsten von A nach B bringt. Ob Bahn, Bus, Carsharing, Leihrad, E-Roller oder Fußweg - die App rechnet aus, welche Kombination von Verkehrsmitteln am günstigsten ist und auf welche Route oder mit welchem Zug man am schnellsten an sein Ziel kommt. Und bezahlt wird das alles ebenso selbstverständlich über diese App. 2034 keine Zukunftsvision übrigens, sondern in einigen Städten Europas bereits heute, also 2019, Realität.

ÖPNV wird günstiger

Eine wichtige Rolle bei der Anbindung des Umlands an die Stadt spielt 2034 der Öffentliche Nahverkehr. Busse und Bahnen sind dann deutlich günstiger als sie es 2019 waren - dafür fahren sie auch auf den Landlinien öfter. Die Verbesserungen im ÖPNV subventionieren vor allem die Kohlendioxiderzeuger. Die seit 2025 geltende CO2-Steuer wird zu einem großen Teil in diesen zukunftsträchtigen Verkehrszweig reinvestiert. Und ein Spritpreis von einheitlich fünf Euro pro Liter gibt auch denen die Motivation zum Verzicht aufs Auto, die vor ein paar Jahren noch glaubten, ohne ihr 300-PS-SUV nicht leben zu können.

Viele Menschen aus dem Umland arbeiten inzwischen ohnehin von daheim aus. Wer kann, macht Home-Office. Trotzdem wird das eigene Auto auch weiterhin eine Rolle spielen. "Das eigene Auto wird zwar häufiger stehen gelassen, aber nur selten abgeschafft", heißt es dazu in der Mobilitätsstudie der BMW AG - ein bisschen Hoffnung schwingt darin wohl mit.

Mobilität:

Wer sich mit dem Thema Mobilität im Jahr 2034 beschäftigt, merkt sehr schnell, dass in von jetzt ab 15 Jahren weder fliegende Autos zum Ortsbild gehören noch Menschen in Hochgeschwindigkeitsröhren quer durchs Land geschossen werden. Mobilität wächst eher langsam, als dass sie sich revolutioniert. Und unklar ist im Augenblick auch, in welche Richtung. Autonomes Fahren, Elektromobilität, Radverkehr. Busse und Bahnen. Es sind viele Faktoren, die ineinander greifen. Unklar ist zum Beispiel, wie der neue 5G-Standard beim Mobilfunk sich auf die Mobilität auswirken wird. Die Frage ist auch, ob es zu einer CO2-Steuer kommt, die ebenfalls einen erheblichen Einfluss darauf haben dürfte, wie wir uns in Zukunft fortbewegen. Trotzdem ist es natürlich reizvoll, sich ins Jahr 2034 zu versetzen. Denn sicher ist: Auch dann wird der Amberger oder die Ambergerin unterwegs sein – ob privat oder beruflich. Und da wird es wieder spannend.

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, nimmt in Aachen das erste Elektrofahrzeug e.GO entgegen. Im Gegensatz zu den Elektroautos der deutschen Premiumhersteller, bewegt sich dieses Fahrzeug im erschwinglichen Preissegment.
Lastenfahrräder wie dieses Modell werden im Jahr 2034 verstärkt den Transport von Gütern übernehmen.

Serie Amberg 2034

Amberg
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