25.05.2018 - 14:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg braucht es progressiv

1968 - ein magisches Jahr in einer magischen Zeit. Auch in Amberg probten junge Menschen für ein paar Tage die Revolution. "Amberg progressiv '68" hieß die Reihe, die elektrisierte und polarisierte. Höchste Zeit für eine muntere Neuauflage.

Hans Graf, Vorsitzender des Kunstvereins A.K.T, und 1968 ein junger Bursche, bereitet gemeinsam mit dem Verein das 50. Jubiläum von „Amberg progressiv“ vor. Bild: Wolfgang Steinbacher
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

(ass) Die kommt unter anderem von einem, der 1968 als junger Mann schon mit dem Bierflascherl in der Hand im Reitstadel stand und sich den Kopf heiß diskutierte: Hans Graf, Vorsitzender des Kulturvereins A.K.T. Der Verein plant für den Herbst dieses Jahres eine breite Retrospektive dieses Spektakels, das im Oktober 1968 für eine kurze Weile die Stadt in Atem hielt. Mit welchem Ergebnis, darüber streiten sich seit ungefähr 50 Jahren die Philosophen.

Aber wer oder was war dieses "Amberg progressiv", von dem bis heute mit leuchtenden Augen erzählt wird? Ein Spektakel, ein Happening, eine Kunstausstellung, ein umstrittener Kurzfilm, ein politisches Theaterstück - und von allem ein bisschen. Ein heftiges Aufeinanderprallen des 50er-Jahre-Miefs mit dem Willen der Jugend, diese Gesellschaft endlich zu verändern. Sprachlose Geschwätzigkeit und geschwätzige Sprachlosigkeit. Vor allem der Wunsch, nicht so werden zu müssen, wie es die Eltern waren.

Steine des Anstoßes

"Amberg progressiv" war ein Erfolg, nicht nur was den Publikumszuspruch angeht. "Alle Veranstaltungen waren voll und der Film musste x-fach wiederholt werden", erzählt Hans Graf. Der Film. Titel: Kollisionen. Autoren: Uli Wähner und Winfried Steinl. Musik: H.E. Erwin Walther. Der Stein des Anstoßes waren wohl gleich einige Steine. Denn nicht nur der Auftritt einiger barbusiger Damen erregte damals die politische Elite. Auch Polizei und Bundeswehr kamen in "Kollisionen" nicht gut weg. Erst nach einer eingehenden Vorab-Vorführung für die Honoratioren erhielt der 32-Minuten-Streifen schließlich seine Freigabe.

Einer, der 1968 aktiv an der Umsetzung von "Amberg progressiv" gearbeitet hat, ist erst vor kurzem gestorben: Günter Dollhopf, damals junger Kunstlehrer am Gregor-Mendel-Gymnasium. Wie Hans Graf erzählt, hat er bis zu seinem Tod auch keine der Sitzungen für die Vorbereitung des 50-jährigen Jubiläums im Herbst versäumt. Aber "Amberg progressiv" war mehr, als eine Bilderausstellung und ein Film.

"Wir leben in einem freien Land", hieß das "Szenarium", das der ebenfalls bereits verstorbene Sesch Segerer, damals Redakteur bei der Abendzeitung in München, entworfen hat. Inszeniert wurde es damals von Winni Steinl. Der wird "Wir leben in einem freien Land" auch in einer 2018er Neuauflage mit seiner Gruppe Rampenfieber auf die Bühne bringen. Allerdings in einer auch für die heutige Generation verständlichen Form, wie Hans Graf sagt. "Das war damals schon eine knallharte Agitprop", verwendet er eine den 68er Menschen sehr gängige Formel.

Auftakt von "Amberg progressiv 2018" wird am 25. oder 27. Oktober im Ring-Theater mit der Vorführung von "Kollisionen" und anderer Streifen aus dem Progressiv-Umfeld sein. Dazu gibt es Musik von Hans "Cash" Märten, schon 1968 als protestierender Sänger dabei und Helmut Schuster. Ab Freitag, 26. Oktober, sollen im Kulturstift Werke ausgestellt werden, die bereits vor 50 Jahren im damaligen Veranstaltungsraum, dem Reitstadel an der Jesuitenfahrt, zu sehen waren. "Wer damals Bilder gekauft, mitgenommen oder geklaut hat, möge die doch zur Verfügung stellen", ruft Graf die aktive Teilnahme der Amberger auf.


Bekannte Namen

Damalige Diebstähle seien im übrigen längst verjährt und hätten wohl ein Stück weit zum Konzept von "Amberg progressiv" gehört. Gezeigt werden heute wie damals unter anderem Werke von Günter Dollhopf, Karl Imhoff, Happy Schuller, Heini Hohl, Gerhard Wendland oder Hans Wuttig. Der Ausstellung der alten Progressivler folgt ab 16. November eine Werkschau geladener Künstler von heute, die bis zum 1. Dezember zu sehen sein wird.

Diskutieren ist Kultur

Und weil 1968 auch Diskussionen und ein Teach In zum Programm gehörten, darf auch 2018 eine ausgesuchte Gesprächsrunde nicht fehlen. Eingeladen ist unter anderem der Maler Peter Angermann, der im Jahr 1968 wegen des Übermalens von Plakatwänden beinahe von der Akademie in Nürnberg geworfen wurde und als Schüler von Joseph Beuys einige Berühmtheit erlangte. "Schlagwort Schlagstock" lautet das Thema.

Rund um das Jubiläum planen die Veranstalter eine Reihe anderer Dinge. Unter anderem wird es wieder einen Katalog geben.

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