21.09.2019 - 18:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg ist für einen Abend Bauhaus-Stadt

Amberg bekommt vom Glanz im Bauhaus-Jubiläumsjahr etwas ab: Das Bayerische Bauministerium lädt zum Staatsempfang und zeigt, wie zeitgemäß die Architektur noch immer ist. Zu Gast ist eine Gropius-Kennerin, die in Amberg keine Unbekannte ist.

Minister Hans Reichhart (links), zuständig in Bayern für die Ressorts Bauen und Wohnen, hat seinen Staatsempfang im Bauhaus-Jubiläumsjahr in Amberg veranstaltet. Sharon Golan Yaron (rechts), eine gebürtige Ambergerin und nun Programmdirektorin des White City Centers in Tel Aviv, spricht über das Erbe des Bauhauses in Israel.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Es wäre ein Abend gewesen, der Walter Gropius gefallen hätte. Der selbstbewusste Architekt, der mit der Gründung des Bauhauses vor 100 Jahren in Weimar Geschichte schrieb, trat damals an, um nicht weniger als eine Gesellschaft mit neuen Ideen zu verändern. Es durfte kommen, wer wollte. Talent allein entschied, wer blieb: Frauen, Männer, egal welcher Herkunft, welchen Glaubens. Das Bauhaus zog die Menschen aus aller Welt an, die Ideen wurden international. Und die Schule versuchte, Antworten auf drängende Fragen zu geben. Wie wollen wir wohnen? Wie lässt sich Wohnraum in Städten schaffen?

Bilder zum Staatsempfang in Amberg

Diese Fragen dürften Bayerns Bauminister Hans Reichhart durchaus bekannt vorkommen. Das Bauhaus ist 100 Jahre nach seiner Gründung noch immer auf der Höhe der Zeit. "Auch wenn das Herz des Bauhaus in Weimar, Dessau oder Berlin schlägt", sagte die Ministerialdirektorin in Reichharts Ressort, Brigitta Brunner. Sie sprach kurzfristig für den Minister, da der sich verspätete. "So haben sich die Spuren von Gropius in der ganzen Welt verteilt." In Bayern zähle die Glaskathedrale zu den imposantesten Gebäuden. "Es ist nicht nur eine architektonische Meisterleistung, die Gropius mit seinem letzten Industriebau hier hinterlassen hat." Sondern es sei auch ein bleibendes Erbe. "Ein Denkmal, das lebt. In ihm werden noch immer hochwertige Glasprodukte gefertigt."

Diese Fragen dürften Bayerns Bauminister Hans Reichhart durchaus bekannt vorkommen. Das Bauhaus ist 100 Jahre nach seiner Gründung noch immer auf der Höhe der Zeit. „Auch wenn das Herz des Bauhaus in Weimar, Dessau oder Berlin schlägt, so haben sich die Spuren von Gropius in der ganzen Welt verteilt“, sagt die Ministerialdirektorin in Reichharts Ressort, Brigitta Brunner. Sie sprach kurzfristig für den Minister, da der sich verspätete. In Bayern zähle die Glaskathedrale zu den imposantesten Gebäuden. „Es ist nicht nur eine architektonische Meisterleistung, die Gropius mit seinem letzten Industriebau hier hinterlassen hat.“ Sondern es sei auch ein bleibendes Erbe. „Ein Denkmal, das lebt. In ihm werden noch immer hochwertige Glasprodukte gefertigt.“

Ein Blick in die Glaskathedrale in Amberg

Amberg

Gropius und dessen Auftraggeber zur Glaskathedrale, Philip Rosenthal, wünschten sich einen Ort mit Luft und viel Grün für die Mitarbeiter. „Ein Ort, der soziale Kontakte fördern sollte, hell ist und Platz bietet“, sagt Brunner. „Den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen: Diesen Vorsatz nehmen wir in Bayern ebenso ernst.“ Für den Freistaat sei Bauen viel mehr als nur Mittel zum Zweck. „Dafür nehmen wir ordentlich Geld in die Hand“, verweist Brunner auf die Ergebnisse des Bayerischen Wohnungsgipfels.

Für einen kurzen Moment dürfe sich Amberg Bayerns Bauhaus-Stadt nennen, freut sich Oberbürgermeister Michael Cerny, der es als Gastgeber genießt, „dass der Scheinwerfer an diesem Abend auf Amberg und seine Glaskathedrale gerichtet ist“. Dabei sei die Glashütte am Bergsteig lange „eine Fabrikhalle gewesen, in der viele gearbeitet“ hätten. „Die Architektur stand lange nicht im Mittelpunkt.“ Über die Grenzen Ambergs sei sie weniger bekannt gewesen. Das ändere sich seit einiger Zeit.

Eröffnung des Schau-Raums

Amberg

Dafür sorgt auch die Festrednerin des Abends: Sharon Golan Yaron. Sie ist 1976 in Amberg geboren, studierte Architektur und arbeitet nun als Programmdirektorin des White City Center in Tel Aviv daran, dass das Bauhaus-Erbe lebendig bleibt. Tel Aviv und sein Stadtbild entstanden vor allem durch Immigrationswellen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Juden aus den unterschiedlichen Ecken Europas brachten nicht nur ihr Hab und Gut aus der Heimat mit, sondern auch ihre „Ideen, Kultur, Baumaterialien und Wissen“, sagt Sharon Golan Yaron. Selbstverständlich waren auch am Bauhaus viele Juden eingeschrieben. „Ab 1930 wurde in Tel Aviv nur noch im Bauhaus-Stil gebaut.“ Die namensgebenden weißen Fassaden, welche die Hitze der Sonne reduzierten, zurückversetzte Fenster, Schlitzbalkone.

Seit 2003 zählen die weißen Häuser in Tel Avivs Innenstadt zum Unesco-Weltkulturerbe. „Die besondere Qualität ist damit vielen klar geworden“, sagt Sharon Golan Yaron. Mehr als 4000 Häuser sind es heute noch. „Aber es sind keine Ikonen wie hier in Deutschland. Sie bilden die DNA der Stadt und werden bewohnt.“ Daher sei es Konzept der Stadtverwaltung, Hand in Hand mit dem Denkmalschutz zu gehen. „In Tel Aviv wollen immer mehr Menschen leben. Es braucht mehr Wohnraum. Also ist es erlaubt, die Bauhaus-Häuser um zwei oder drei Etagen aufzustocken.“ Nur so könnten sich die Hausbewohner auch oft eine Sanierung leisten, berichtet sie.

Sharon Golan Yaron:

Sie ist eine gebürtige Ambergerin und wirbt als Programmdirektorin des White City Centers in Tel Aviv für Verständnis und gesellschaftliche Anerkennung der mehr als 4000 Gebäude von Bauhäuslern in Israel. Zum Staatsempfang in Amberg hat es sich Sharon Golan Yaron nicht nehmen lassen, zurück in die Heimat zu kommen und über ihre Arbeit zu berichten.

Die Großeltern von Sharon Golan Yaron waren jüdische Flüchtlinge, die die Konzentrationslager Bergen-Belsen und Groß-Rosen überlebt hatten und sich in Amberg kennen lernten. Mit fünf Jahren zog Sharon Golan Yaron mit ihren Eltern nach Tel Aviv. „Ich habe in der Weißen Stadt quasi gespielt.“ Doch vom Bauhaus-Virus wurde sie erst infiziert, als sie Architektur in Chicago und Berlin studierte. „Ich liebe die Schlichtheit der Architektur. Sie ist sehr ehrlich. Jedes Element hat seine Funktion.“ Es gehe beim Bauhaus nicht um eine schöne Fassade, sondern die Schönheit komme von Innen. „Es geht immer um das Wohlbefinden der Bewohner“, ist sie fasziniert.

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