Amberg
28.03.2024 - 16:25 Uhr

In Amberg vor Gericht: 14 Monate für 35 Dateien

Die Serie der Prozesse reißt momentan nicht ab. Wieder musste sich ein Mann vor dem Schöffengericht verantworten, weil Kripofahnder bei einer Durchsuchung kinder- und jugendpornografische Dateien bei ihm fanden.

In Amberg musste sich ein 23-Jähriger vor dem Gericht wegen Dateien auf seinem Computer und seinem Handy verantworten. Bild: Oliver Berg/dpa
In Amberg musste sich ein 23-Jähriger vor dem Gericht wegen Dateien auf seinem Computer und seinem Handy verantworten.

Die Peinlichkeit im Gerichtssaal war fast schon greifbar. Als Staatsanwältin Jasmin Hertel das Ergebnis ihrer Nachforschungen verlas, vergrub der Angeklagte sein Gesicht in beide Hände. Später sagte der 23-Jährige: "Im Nachhinein wird mir schlecht, wenn ich darüber nachdenke."

Der bei den Behörden für längere Ermittlungen sorgende Fall hatte eine Vorgeschichte. Bereits an seinem damaligen Wohnort in einem anderen Teil Bayerns war der Verdacht aufgekommen, der junge Mann könnte entsprechendes Material auf elektronischen Geräten gespeichert haben. Als er dann vor rund zwei Jahren in den Raum Sulzbach-Rosenberg zog, bekamen Amberger Kripobeamte einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss für die Wohnung des Beschuldigten.

"Aus Dummheit und Neugier"

Nach der Aktion stand fest: Es gab einen Computer und ein Handy. Auf diesen Geräten befanden sich 29 Bild- und sechs Videodateien mit kinderpornografischen Inhalten. Hinzu kam ein größerer Stapel von Material, das dem Sektor der Jugendpornografie zuzuordnen war. Hier wie dort ging die Staatsanwältin von "schwerem sexuellen Missbrauch der Kinder und Jugendlichen aus."

Die Schöffengerichtsvorsitzende Kathrin Rieger interessierte vor allem eines: "Fühlen Sie sich sexuell zu Kindern hingezogen?" Das verneinte der Angeklagte entschieden. Seine Antwort löste eine weitere Frage aus: "Wieso wurden dann diese Bilder und Videos von Ihnen gespeichert?" Dazu gab es eine weiter zurückreichende Erklärung. "Ich war auf einer Dating-App", hörte die Vorsitzende und erfuhr ferner, "dass es da Leute gab, die anderen Aktivitäten nachgegangen sind". Diese Umtriebe äußerten sich konkret in besagten Dateien. "Mein Mandant hat sich aus Dummheit und Neugier da mit hineinziehen lassen", beschrieb Verteidiger Jochen Dotterweich (Nürnberg) die Situation. Der Angeklagte ergänzte: "Ich bin nicht so veranlagt."

14 Monate mit Bewährung

"Sie sind auf der Skala von Leuten, die wir hier immer wieder haben, eher am unteren Rand", beschrieb Richterin Rieger ihre im Prozess gewonnenen Eindrücke. Der bis dahin nicht vorbestrafte 23-Jährige bekam 14 Monate Haft mit Bewährung. Er muss außerdem 2500 Euro an den Kinderschutzbund Amberg-Sulzbach zahlen und bekommt seine beschlagnahmten elektronischen Geräte nicht zurück.

"Ich bedauere das alles zutiefst", teilte der Beschuldigte in seinem Schlusswort mit. Die Staatsanwältin hatte in ihrem Plädoyer 16 Monate Haft mit Bewährung beantragt. Anwalt Dotterweich hielt ein Jahr Gefängnis mit Bewährung für ausreichend.

 
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