07.10.2020 - 09:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg: Hund aus dem Internet landet schließlich bei der Polizei

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Ursprünglich stammt Dobby aus Frankreich. Wie er ins Amberger Tierheim kam, ist das Paradebeispiel einer Geschichte, was Leute falsch machen können, die sich einen Hund anschaffen wollen.

Der etwas groß geratene Schäferhund-Mischling Dobby ist seit dem 8. September im Tierheim Amberg. Er ist auch deshalb ein Liebling der Betreuer, weil er so ein trauriges Schicksal hinter sich hat.
von Markus Müller Kontakt Profil

Wenn Dobby an der Leine eines Gassigehers aus der Tür des Tierheims schießt, sieht man dem kräftigen siebenjährigen Schäferhund-Mix mit den „Fledermaus-Ohren“ sofort an, wie sehr er sich auf seinen Spaziergang freut. Es ist ein trauriger Lebensweg, der das Tier nach Amberg gebracht hat, aber Ingrid Mallmann hat noch Hoffnung, dass es zu einem Happyend für Dobby kommt.

Die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins erzählt, wie am Abend des 8. September Leute mit einem angeblichen Fundhund bei der Polizeiinspektion in Sulzbach-Rosenberg auftauchten und den Beamten eine hanebüchene Geschichte auftischten. Die flog allerdings schnell als Lüge auf, nachdem man den Hund ins Tierheim geholt hatte, denn Dobby war gechipt, und aus dem Chip ließ sich auslesen, dass seine Besitzerin in Berlin wohnt.

Nach Kümmersbruck verkauft

Ingrid Mallmann, die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins Amberg.

Sie hatte ihn am selben Tag an eine Frau aus Kümmersbruck verkauft, obwohl sie das nicht hätte tun dürfen. Denn ursprünglich kommt Dobby aus Frankreich, wo er zwei Jahre lang in einem Tierheim untergebracht war und nicht vermittelt werden konnte. Daraufhin schaltete sich eine deutsche Organisation ein, die bei Tiervermittlungen hilft, und fand im März für den Hund ein neues Zuhause in Berlin. Teil des Schutzvertrags, mit dem Dobby seiner neuen Besitzerin übergeben wurde, war auch die Bestimmung, dass sie das Tier nicht weitergeben durfte.

Nach den Informationen von Ingrid Mallmann wollte die neue Besitzerin umziehen und hätte in der neuen Wohnung keinen Platz für den Hund gehabt, weshalb sie ihn trotz des Vertrags ins Kleinanzeigen-Portal "Quoka" stellte, um ihn zu verkaufen. „Kaum hatte sie Fotos von einem Haus mit Garten in Kümmersbruck geschickt bekommen, war der Hund auch schon vermittelt“, erzählt Ingrid Mallmann.

In seinem neuen Zuhause soll Dobby sich aber mit der bereits vorhandenen Hündin nicht vertragen und den kleinen Bruder in der Familie angeknurrt haben. „Da haben sie Schiss bekommen und versucht, den Hund mit fadenscheinigen Angaben bei der Polizei loszuwerden.“

Was Ingrid Mallmann und Sabine Falk, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, besonders ärgert: Die Kümmersbruckerin hatte eine Woche vorher wegen einer Hundevermittlung im Amberger Tierheim angerufen. „Das ging ihr dann wohl zu langsam, und sie hat sich anderweitig umgeschaut.“

Tierheim prüft genau

Sabine Falk ist die Vorsitzende des Tierschutzvereins Amberg.

Aber in einem seriösen Tierheim vermittelt man nicht überstürzt Hunde. „Wir prüfen erst, ob das neue Zuhause für das Tier geeignet ist“, erklärt Ingrid Mallmann. Wenn Leute Interesse an einem Hund hätten, sollten sie erst ein paar Mal ins Heim kommen, um ihn kennenzulernen. Dann könne er mal einen Tag mit den Interessenten mitgehen, später ein Wochenende, und nur wenn alles passe, bekomme der neue Besitzer das Tier – mit einem Schutzvertrag, durch den es ein Leben lang Eigentum des Tierschutzvereins bleibe.

„Die Lebensverhältnisse der Menschen ändern sich; oder was passiert, wenn der neue Partner das Tier nicht mag?“, erklärt Sabine Falk die Überlegungen, die hinter diesem Vorgehen stecken. In solchen Fällen habe der Tierschutzverein wieder Zugriff auf das Tier, das ja nichts für die neue Situation könne. Das sei natürlich auch ein Unterschied zu anderen Vermittlungsformen: „Bei Ebay kann ich ein Tier nicht zurückgeben.“

Für Kinder nicht geeignet

Auch Dobby soll nach den Regeln des Tierheims vermittelt werden. Welches neue Herrchen oder Frauchen käme für ihn infrage? „Keine Familie mit Kindern“, sagt Ingrid Mallmann. „Es sollten schon hundeerfahrene Leute sein.“

Sie sagt es vor allem mit Blick auf Dobby. Zwei Jahre war er in Frankreich in einem Tierheim. Unter anderem, weil dort (ähnlich wie in Deutschland) schwarze Hunde sehr schwierig zu vermitteln sind. Dann die schnellen Wechsel von Besitzern und Bezugspersonen in Deutschland. „Und das ist das eigentlich Schlimme daran: Was der Hund da wieder mitgemacht hat.“

Zu den Auswirkungen der Pandemie auf das Tierheim im Mai 2020

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Corona-Boom:
  • Die Entschleunigung des Lebens durch den Corona-Lockdown hat laut Ingrid Mallmann im Tierheim zu vermehrten Anfragen geführt, weil Leute sich einen Hund zulegen wollten. „Das hat richtig geboomt. Ich hoffe bloß nicht, dass dann nach Corona die große Ernüchterung kommt.“
  • Abgabetiere Zurzeit nimmt das Tierheim keine Abgabetiere mehr an, da es kurz vor einem Neubau des Hundetrakts steht.
  • Fundtiere Fundhunde werden weiter angenommen. Derzeit sind neun Hunde im Heim untergebracht.
  • Kontakt Wer Interesse an Dobby oder einem anderen Tier hat, kann sich im Tierheim melden (09621/82600 oder hallo[at]tierheim-amberg[dot]de).

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