28.04.2021 - 14:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg: Sparkasse schließt Filiale in Hockermühlstraße

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Die Sparkasse Amberg-Sulzbach trennt sich von ihrer Filiale an der Hockermühlstraße. Und das schon zum 30. April. Auf Nachfrage nennt Vorstandsvorsitzender Dieter Meier gleich mehrere Gründe und sagt, wie Kunden künftig an ihr Geld kommen.

Die Sparkassen-Filiale an der Hockermühlstraße ist nur noch bis einschließlich Freitag, 30. April, geöffnet.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Von außen deutet gar nichts darauf hin, dass hier schon bald Schluss ist: Wer aber in die Sparkassen-Geschäftsstelle an der Hockermühlstraße geht, erfährt dank eines Aushangs und eines Plakat-Aufstellers: "Wir schließen die SB-Filiale zum 30.04.2021." Darunter ist zu lesen: "Der nächste Sparkassen-Geldautomat in Amberg ist in der Filiale in der Welserstraße 11 oder Marienstraße 10." Kunden könnten ihr Geld zudem gebührenfrei in der 700 Meter entfernten Filiale der Volksbank-Raiffeisenbank in der Sebastianstraße 47 abheben.

Auf Nachfrage lässt Vorstandsvorsitzender Dieter Meier wissen, dass sich das Unternehmen diesen Schritt reiflich überlegt habe. Nun sei es aber zu der relativ kurzfristigen und von den Plakaten im Vorraum einmal abgesehen noch nicht kommunizierten Entscheidung gekommen. "Das ist eine Filiale, die primär angefahren wird", sagt Meier und meint damit die Tatsache, dass sich mit Ausnahme des benachbarten Friseursalons Hairstar keine weiteren Geschäfte in unmittelbarer Nähe befinden.

Immer weniger Abhebungen

Vornehmlich werde folglich gezielt mit dem Auto zur Sparkasse gefahren. Und das täten immer weniger Menschen, denn: "Wir haben festgestellt, dass unsere Kunden lieber in der Welserstraße Geld abheben." Denn dort, neben dem Edeka-Center, herrsche von Haus aus mehr Frequenz. Meier kann das auch mit Zahlen belegen. Seit 2013, seit es die eineinhalb Kilometer entfernte Filiale an der Welserstraße gibt, sei die Geschäftsstelle an der Hockermühlstraße nur noch zu etwa 60 Prozent ausgelastet gewesen.

Im Zuge der Pandemie mit ihren Ausgangsbeschränkungen und den dadurch auch nachlassenden Bargeldabhebungen (Stichwort Kartenzahlung) habe die Frequenz noch einmal um rund ein Viertel nachgelassen. Grundsätzlich werden laut Meier wegen Corona "alle Geldautomaten weniger genutzt". Zudem bieten nach den Worten des Amberg-Sulzbacher Sparkassen-Chefs immer mehr Einkaufsmärkte, zum Beispiel auch in der Sebastianpassage, die Möglichkeit an, sich an der Kasse Bargeld auszahlen zu lassen. Auch diese Entwicklung habe dazu beigetragen, die Filiale zu schließen. Als Dieter Meier im Jahr 2007 als neuer Sparkassen-Chef nach Amberg gekommen war, nutzten seinen Worten zufolge rund 20 Prozent der Kunden Online-Banking. "Jetzt steuern wird auf die 75 Prozent zu", sagt der 56-Jährige und fügt im Gespräch mit Oberpfalz-Medien hinzu, dass auch immer mehr über 60-Jährige dazu gehören. All diese Gründe führten nun zu der unternehmerischen Entscheidung, die Filiale in der Oberen Hockermühle dicht zu machen.

Personal wechselt in Zentrale

Ein Abbau von Arbeitsplätzen sei damit übrigens nicht verbunden. Die drei Mitarbeiter, die vor dem Ausbruch der Corona-Krise an der Hockermühlstraße arbeiteten, seien längst in die Zentrale an der Marienstraße gewechselt.

„Wir haben festgestellt, dass unsere Kunden lieber in der Welserstraße Geld abheben.“

Dieter Meier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Amberg-Sulzbach

Dieter Meier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Amberg-Sulzbach

Zum Jahresende Chefwechsel bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach

Amberg
Kommentar:

Diesmal unter völlig anderen Vorzeichen

Der Aufschrei war groß, damals im Juni 2003: Die Sparkasse schloss ihre Filiale im Stadtteil Raigering und erntete vor allem bei der älteren Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung, der in einer Protestaktion endete. Doch die gesammelten 418 Unterschriften konnten das Aus nicht verhindern. Ähnlich unbeliebt machte sich die Bank auch 2015, als sie sich von der Geschäftsstelle am Eisberg (Eglseer Straße) verabschiedete. Viele kritische Stimmen waren auch da laut geworden, darunter von der CSU und der SPD. Geändert hat das nichts. Nun folgt die nächste Schließung, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen.

Die Filiale in der Oberen Hockermühle hat seit der Eröffnung der Außenstelle Welserstraße immer mehr an Beliebtheit verloren. Zudem war und ist sie vielen Autofahrern aus dem Sebastiansviertel ein kleiner Dorn im Auge. Der Grund: Viele Kunden machen es sich regelmäßig bequem und stellen ihr Auto im absoluten Halteverbot einfach direkt vor die Sparkasse – mit zwei Reifen auf der Fahrbahn. Diese Zeiten werden nun bald vorbei sein. „Zum Glück“, wird mancher sagen. Dabei handelt es sich um einen Gedanken, der in Zusammenhang mit der Schließung einer Bankfiliale in Amberg bisher noch niemandem in den Sinn gekommen ist.

Thomas Kosarew

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