Eigentlich liebt Marilou Amann ihr altes Heimatland - die schöne Natur des 7641-Insel-Staates mit herrlichen Stränden sowieso, aber auch die Menschen, die so genügsam sind und trotz ihrer verzweifelten Lage in bitterer Armut nie die Hoffnung verlieren. Dazu trägt bei den meisten auch der praktizierte Glaube bei. Die Philippinen sind zu über 80 Prozent katholisch - sie sind das einzige asiatische Land, das in diesem Maße christlich geprägt ist. Das lässt die große Mehrheit viel ertragen - zu viel, wie Marilou Amann findet, die seit 35 Jahren mit ihrem Amberger Mann und Familie in Bayern lebt.
Dadurch hat sie längst den Blick von außen auf ihre Heimat entwickelt, sieht viele Dinge kritisch, die im Land selbst von einer schweigenden Mehrheit zwar erlitten, aber auch toleriert werden. Indem es kaum ernsthafte Bestrebungen gibt, der Hauptwurzel allen Übels auf den Philippinen beizukommen. Und die heißt Korruption von kleinsten politischen und wirtschaftlichen Kreisen auf Gemeindeebene angefangen bis hinauf in die höchsten Regierungsämter.
Seit und mit Marcos nichts besser
Allein dass der gleichnamige Sohn von Ex-Diktator Ferdinand Marcos, der von 1965 bis 1986 Abermillionen Staatsgelder ins Ausland geschafft hat, heute neuer Präsident ist, spricht Bände. Jeder weiß, dass Marcos Jr. mit manipulierten Wahlen und Bestechung ins Amt gekommen ist. Allein den Armen fehlt die Macht, das zu ändern - solange nicht wieder eine Revolution gelingt, die einst zum Sturz von Marcos Senior geführt hatte. Am Ende mit nur kurzem Erfolg, weil Hoffnungsträger Benigno Aquino ermordet wurde und seine später als Präsidentin vereidigte Ehefrau nur wenig Verbesserungen erreichte. Sie wurde erneut vom System der Korruption überrollt und nach nur einer Amtszeit abgelöst.
Deshalb ist seitdem auch nichts mehr besser geworden, meint Marilou Amann mit dem Blick auf die vergangenen drei Jahrzehnte. Sie war heuer erneut zwei Monate auf den Philippinen und hat zum x-ten Mal erlebt, dass die Menschen auf Hilfe von außen warten (müssen), weil sie der eigene Staat kaum unterstützt. Das gilt zum Beispiel für viele Schulen in ländlichen Provinzen, die keine (mächtigen) Vertreter im Senat oder Kongress in der Hauptstadt Manila haben und deshalb regelrecht vergessen werden.
Projekthilfe Luppa fördert Schulen
Sanierungen und Modernisierungen wären hier längst nötig - eine Aufgabe, der sich die Projekthilfe Dr. Luppa angenommen hat. Für sie tourte Marilou Amann einmal mehr zu allen Orten, wo Ambergs Entwicklungshilfeorganisation aktiv ist, und sah sich die Fortschritte an. Tatsächlich gibt es sie auf der Insel Bohol, wo eine Grundschule mit Hilfe aus der Oberpfalz schon zweimal erweitert wurde und eine andere Solarmodule bekam, um wenigstens keine Stromkosten mehr zahlen zu müssen. Ohne diese Spenden von außen stünden die zwei Schulen nach Auskunft ihrer Rektoren seit Gründung vor 60 Jahren ohne jede Renovierung oder Verbesserung da. Klar, dass sich die Projekthilfe hier weiter engagieren will - zum Beispiel mit mehr Solarkraft auch für die andere(n) Schule(n).
Im Ort Naga im Süden der großen Hauptinsel Luzon hat der Verein außerdem auf dem Gelände einer Schule mit Ordensleitung ein Notfallkrankenzimmer eingerichtet, in dem die Nonnen im Prostitutionssumpf steckende und oft verletzte Mädchen von der Straße holen, versorgen und in ihre Schuleklassen zu lotsen versuchen. Auch das klappt laut Amann mit Hilfe des neuen Notfallraums gut, der im doppelten Wortsinn Leben rettet.
Überhaupt ist es der fleißige (Schul-)Orden der Handmaids of the Sacred Heart of Jesus (ACI-Sisters), der als verlässlicher Partner für die Hilfe aus Amberg inklusive kompletter Abwicklung und Kontrolle geradesteht. Und es ist Marilou Amann, die als gebürtige Filipina immer wieder in ihre alte Heimat fliegt und ebenso gern jene Projekte überwacht. Denn sie hat auch selbst einige Hilfsaktionen vor Ort auf die Beine gestellt, mit denen sie wenigstens einem Teil ihrer Landsleute die eingangs beschriebene Hoffnung schenken will.
Marilou Amanns Paten und Patent
Dazu gehört zuallererst ein Schul- Patenschaftsprogramm, bei dem die Ambergerin jetzt wieder alle Empfänger persönlich besucht und gesprochen hat. Nicht nur, dass sie die Leistungen "ihrer" Schüler regelmäßig kontrolliert (damit sie die monatliche Hilfe bis zum Schulabschluss weiter bekommen), auch berufliche Ziele werden gemeinsam abgesteckt, weil sie den jungen Leuten und ihren Familien das Einkommen bringen, mit dem sie der Armutsspirale entfliehen können. Marilou Amann ist stolz darauf, dass ihr bei diesem Projekt auch die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung vertraut, die 17 dieser Patenkinder übernommen und sieben bereits zum schulischen und beruflichen Erfolg geführt hat. Außerdem finanziert die Conrad-Stiftung heuer erneut die Armenspeisungen, die die Ambergerin im Slumviertel Kilicao nahe Naga wieder mit Ordensbegleitung organisiert. Dort leben sogenannte Müllsammler-Familien, die Wertstoffe aus den Abfallbergen anderer herausklauben und zu Centbeträgen verkaufen. Während der Regenzeit jedoch verschlammen die Halden derart, dass die Müllsammler kaum etwas Verwertbares finden und so nahezu mittellos dastehen.
Conrad unterstützt Armenspeisung
In dieser Zeit, immerhin fast drei Monate, versorgt die Ambergerin die Kinder der Familien mit einem warmen Mittagessen, um den Eltern wenigstens diese Sorge abzunehmen. 18 000 Euro sagte Stiftungsgründer Klaus Conrad dafür ab Juli wieder zu, weil ihm Kinder auch am anderen Ende der Welt am Herzen liegen. Klar, dass Marilou Amann bei so viel Vertrauen und Verantwortung im März schon mal einen Probelauf mit den Müttern des Slums machte, die beim Kochen mithelfen und sich so selbst für ihre Kinder einbringen. „Ja, es hat alles gut geklappt“, sagt Amann, denn die Hilfe komme verlässlich und gut organisiert von außen, „wenn schon von staatlicher Seite kaum etwas klappt“. Darüber ist die Filipina „wütend und traurig“. Aber sie will und „kann nicht aufhören, denn sonst hätten die Armen ja keine Hilfe und keine Hoffnung mehr“.
Der Autor des Artikels ist AZ-Redakteur Thomas Amann, der die Philippinen x-fach bereist hat und selbst gut kennt. Außerdem ist er der Ehemann von Marilou Amann.
Spenden kommen 1:1 an
- 1:1 ohne Abzug kommen laut Amann all ihre Spendengelder zum Einsatz, weil sie vor Ort nur mit Verwandten, Bekannten und dem Orden der ACI-Sisters zusammenarbeitet, die sich ehrenamtlich in den Dienst der guten Sache stellen
- Eigene Kosten trägt sie selbst
- Spenden können aufs Konto der Projekthilfe Luppa überwiesen werden, mit der Amann kooperiert (Stichwort „Projekte Marilou Amann“): DE05 7525 0000 0190 0200 08 (BYLADEM1ABG)

















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