04.05.2021 - 19:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg-Sulzbacher Impfquoten können sich sehen lassen

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Der Inzidenzwert in Amberg-Sulzbach ist aktuell unter 100, die Impfquote ist gut. Dennoch trat Landrat Richard Reisinger, als er am Montagnachmittag seinen Pandemiebericht im Kreistag gab, auf die Euphorie-Bremse: "Die Lage ist dynamisch."

Eine begehrte Flüssigkeit: Aus einem Fläschchen mit Impfstoff wird eine Dosis aufgezogen. In den Impfzentren in Amberg und Sulzbach-Rosenberg wird sieben Tage die Woche jeweils von 8 bis 22 Uhr geimpft.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Ausführlich ging Landrat Richard Reisinger am Montagnachmittag bei der Kreistagssitzung in der Turnhalle der Krötensee-Schule auf die Corona-Situation in Amberg-Sulzbach ein. "Wir müssen darauf achten, dass wir uns nicht an den Katastrophenfall gewöhnen", schickte er seinem Pandemiebericht voraus. Reisinger erwähnte, dass seit Auftreten des Coronavirus insgesamt 150 Landkreis-Bürger an oder mit Covid-19 gestorben seien. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz liege man mit einem Wert von derzeit 77,6 unter der Grenze von 100. Im St.-Anna-Krankenhaus würden momentan vier Corona-Infizierte auf der Intensivstation mit insgesamt zehn Betten behandelt. Weitere drei Erkrankte befänden sich auf der Normalstation. Circa 200 Menschen seien wegen Corona in häuslicher Quarantäne.

In der dritten Pandemie-Welle

Reisinger zitierte das Gesundheitsamt, wonach die britische Mutation des Coronavirus die dritte Pandemie-Welle im Landkreis präge. Angesichts einer zunehmenden Zahl an Genesenen und des Impf-Fortschritts bestehe die Hoffnung, dass man sich der Herdenimmunität nähere. Gerade die Impfungen bei den Hochaltrigen zeigten erste Erfolge: Infizierten sie sich, komme es nur zu leichten Krankheitsverläufen und zu keinen Krankenhaus-Aufenthalten mehr.

Reisinger dröselte den Kreisräten die Sieben-Tage-Inzidenz auch nach Altersgruppen auf. Bei den Über-80-Jährigen liege sie aktuell im 40er-Bereich, in der Altersgruppe der 60- bis 70-Jährigen bei 39. Den derzeit höchsten Wert haben die 15- bis 34-Jährigen mit 177. Bei Kindern (bis 14) ist sie momentan bei 104.

Stunde der Wahrheit vor Frisör-Besuch

Der Landrat betonte, dass durch ein verstärktes Testaufkommen auch die Dunkelziffer an Infizierten ans Licht gekommen sei. "Bei den asymptomatisch Erkrankten kommt die Stunde der Wahrheit spätestens, wenn sie zum Friseur wollen und dafür einen Test brauchen", sagte Reisinger. Mit den Worten "Wir müssen vorsichtig bleiben" zitierte der Landrat in der Sitzung den Amberger Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey. Angesichts der in Indien aufgetretenen Mutation schätzte Reisinger, "dass die auch bei uns noch kommen wird". Der Landkreis-Bevölkerung stellte Reisinger für die Einhaltung der Corona-Beschränkungen ein gutes Zeugnis aus: Die Leute seien diszipliniert, so dass man im Großen und Ganzen zufrieden sein könne. 250 Bußgeldbescheide wegen Verstößen gegen die Beschränkungen seien bislang ausgestellt worden, informierte Reisinger die Kreisräte. "Wir schauen schon, dass das maßvoll vollzogen wird", sicherte er dem Gremium zu. Viel Arbeit machten die Anträge auf Ausnahmegenehmigung: "Jeder sucht halt ein Schlupfloch."

Der Landrat ging auch auf die Situation beim Impfen ein. Eingerichtet in der Region wurden zwei Impfzentren, eines in Amberg (Jugendzentrum Klärwerk) und eines in Sulzbach-Rosenberg (LCC). Geimpft werde außerdem noch in zwei Außenstellen (Kennedystraße in Amberg und Auerbach). Reisinger sagte dem Kreistag, er habe noch überlegt, mit einer weiteren Außenstelle ins Vilstal zu gehen. "Das hängt aber davon ab, wie's mit dem Impfstoff ausschaut." Beim Impfen seien inzwischen auch die Hausärzte eingebunden, "das klappt bei uns sehr gut".

Gute Quote bei den Impfungen

Absolut positive Zahlen legte Reisinger auch zur Impfquote vor: Bei den Erstimpfungen liege sie bei 35,27 Prozent, bei der Zweitimpfung bei 9,93 Prozent. Bei der Sonder-Impfaktion mit dem Vakzin Astrazeneca für alle über 18 Jahre (ohne Priorisierung) seien online die Termine für die knapp 5400 Dosen innerhalb von sechseinhalb Stunden vergeben worden. Damit habe man "über 5000 Leute glücklich gemacht", sagte der Landrat, verhehlte aber nicht, dass etwa 100 Menschen diese Vorgehensweise "nicht gut gefunden haben".

In einer weiteren Sonder-Impfaktion für Astrazeneca mit knapp über 1700 Dosen seien zunächst nur Termine an über 60-Jährige vergeben worden. Da diese Altersgruppe nicht alle Termine gebucht habe, seien die restlichen 200 Impfdosen aus dieser Aktion dann erneut für alle Interessierten ab 18 Jahren freigegeben worden. Landrat Richard Reisinger kam auch auf die vieldiskutierte Rückgabe von Grundrechten an die vollständig Geimpften zu sprechen. "Das wird psychologisch nochmals schwierig werden", sagte Reisinger im Hinblick auf die daraus resultierende Ungleichbehandlung. "Da wird die Gesellschaft nochmals gestresst sein."

Rund 1000 Leute im Pandemie-Management

Trotzdem verteidigte Reisinger die vorgenommene Priorisierung für die Impfungen gegen Corona. "Das hat sehr, sehr gut getan", so der Landkreis-Chef, der die Priorisierung als Leitfaden bezeichnete. Ansonsten hätte das Windhundprinzip gegolten. Abschließend würdigte Reisinger die Leistung der in den Impfzentren tätigen Menschen. 168 Ärzte und 372 ehren- und hauptamtliche Helfer engagierten sich in diesen vom BRK-Kreisverband betriebenen Einrichtungen.

Abschließend sagte der Landrat, die Entscheidung, zur Registrierung für die Impfungen ein professionelles Callcenter einzusetzen, sei richtig gewesen. "Sonst hätten wir den Peak zu Beginn auch gar nicht geschafft." Auch wenn viele Punkte des Pandemieberichts positiv stimmten, so trat Reisinger doch auch auf die Euphoriebremse: "Die Lage ist dynamisch."

Rückblick auf die Sonder-Impfaktion mit Astrazeneca

Amberg

"Im Landkreis sind es an die 1000 Menschen, die im Pandemie-Management vertreten sind."

Landrat Richard Reisinger

Landrat Richard Reisinger

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