21.02.2020 - 15:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Altstadtdächer sollen frei von Photovoltaik bleiben

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Energiewende versus Sicherheit und Ästhetik. Der Bauausschuss diskutiert ausgiebig über einen Antrag aus der letzten Bürgerversammlung, in dem es um die Möglichkeit geht, auch in der Altstadt Photovoltaikanlagen zu installieren.

Typische Dachlandschaft in der Altstadt. Eine Mehrheit des Bauausschusses hat jetzt dagegen gestimmt, in diesem Bereich der Stadt die Belegung mit Photovoltaik-Anlagen möglich zu machen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Zum Hintergrund: Zur Bürgerversammlung am 7. November 2019 gingen zwei Anträge zur Änderung des Paragrafen 7 der Baugestaltungssatzung ein. Hauptsächlich ging es darum, künftig die Installation von Solar- und Photovoltaikanlagen in der Altstadt möglich zu machen. "Abdeckungen mit Solar- und Photovoltaikanlagen sind jedoch zulässig, sofern sie sich in Form und Farbgebung in die historische Dachlandschaft einfügen, insbesondere durch die Verwendung von farblich angepassten Solardachziegeln und Ähnlichem", hatte es in dem Antrag wörtlich geheißen. Der war in der betreffenden Bürgerversammlung entgegen der Empfehlung der Verwaltung von der Mehrheit der Anwesenden befürwortet worden, wie Uli Hübner (SPD) am Mittwoch in der Bauausschusssitzung erinnerte.

Erträge nur sehr gering

Dort wiederholte und untermauerte - durch externe Expertenfakten ergänzt - Baujuristin Jasmin Hannich die Gründe, warum die Bauverwaltung strikt gegen eine entsprechende Änderung der Baugestaltungssatzung spricht. Und zwar aus Gründen des Denkmal- und Brandschutzes. Außerdem fielen die Erträge dieser kleinen und teuren Anlagen nach Einschätzung der Stadtwerke ohnehin nur sehr gering aus.

Generell gilt laut Hannich derzeit, dass die Satzung PV-Anlagen in der Altstadt dort zulässt, wo sie "nicht sichtbar sind". Beispielsweise auf der Brauerei Bruckmüller. "Wenn es gut gemacht ist, dann ist das über die geltende Satzung möglich", so Hannich. Darüber hinaus vertrat sie die Meinung, dass auch die angestrebte Neufassung der Gestaltungssatzung daran nichts ändern würde. Denn die Denkmalschutzbehörde spreche sich ganz eindeutig gegen PV-Anlagen auf sichtbaren Altstadtdächern aus. "Das kann ich über die Satzung gar nicht aushebeln."

Der Originaltext zur Bürgerversammlung

Amberg

Zweiter Punkt: Die Feuerwehr bitte inständig darum, im beengten und verwinkelten Altstadtbereich keine PV-Anlagen zu erlauben. Die seien in so einer Umgebung sehr schwer zu löschen. Jasmin Hannich ging darüber hinaus auch auf ein Schweizer Modellprojekt mit roten Solarziegeln als Alternative zu den üblichen Flächenanlagen ein. Doch die seien sehr teuer und müssten zudem aufwendig untereinander verbunden werden.

Trotz aller Argumente der Baujuristin - die SPD-Fraktion unterstützte den Antrag auf Änderung der Gestaltungssatzung. "Wir können es doch dort machen, wo es denkmal- und brandschutzrechtlich geht", so das Argument von Uli Hübner. Unterstützung kam von den Grünen in Person von Hans-Jürgen Bumes, der für eine Möglichkeit plädierte, die strikte Vorgabe zu durchbrechen. "Man muss dann eben die Feuerwehr so ertüchtigen, dass sie die Brände trotzdem löschen kann."

Strikte Ablehnung hingegen bei der CSU und der Stadtheimatpflegerin. Gerade Beate Wolters will angesichts von vier großen Bränden in der Altstadt in den vergangenen Jahren überhaupt keine der klassischen PV-Anlagen in der Altstadt haben. "Das ist doch brandgefährlich", sagte sie und erhielt Unterstützung von Helmut Weigl (CSU): "Der Schießlbrand wäre mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ganz anders ausgegangen."

Nur ein oder zwei Prozent

"Wir konzentrieren uns hier doch nur auf ein bis zwei Prozent der Dachflächen in der Stadt", warnte Baureferent Markus Kühne davor, das Thema überzubewerten. Er verstehe nicht, warum man sich hier die für PV-Anlagen komplizierten Flächen vornehme und nicht die dafür besser geeigneten an anderer Stelle in der Stadt. "Und wir haben drei Experten, die uns davon abraten", argumentierte er. Letztendlich setzte sich die SPD-Fraktion mit ihrer Meinung nicht durch, die Diskussion dürfte am 9. März im Stadtrat munter weitergehen.

Kommentar:

Wie machen es denn die Anderen?

Im Zeichen der Energiewende erscheint es auf den ersten Blick angebracht, auf jeder sich anbietenden Fläche eine Photovoltaikanlage zu installieren. Doch ganz so einfach ist es nicht, wie sich in der Praxis immer wieder zeigt. Nicht überall passt es aus ästhetischen Gründen und unter den Gesichtspunkten des Denkmalschutzes.
Und dann ist da noch die Brandgefahr. Gerade in den engen und verwinkelten Altstadtvierteln ist es für die Feuerwehr ohnehin äußerst schwer, ein Feuer schnell und wirksam zu bekämpfen. Und immer wieder ist es in den vergangenen Jahren im Zentrum von Amberg zu schweren Bränden gekommen. Unter anderem brannte der Schießl ebenso vollständig ab wie ein Haus in der Oberen Nabburger Straße. Zum Glück konnten aber in allen Fällen die Flammen soweit eingedämmt werden, dass die umgebenden Gebäude weitgehend verschont geblieben sind. Das, so sagen die Experten von der Amberger Feuerwehr, wäre mit einer PV-Anlage auf dem Dach nicht mehr so möglich.
Die Abwägung zwischen alternativer Stromerzeugung und Sicherheit fällt also erst einmal relativ leicht. Eines stört trotzdem: In Amberg greift man zu gerne auf die Expertise der eigenen Verwaltung zurück. Aber wie machen es die anderen Städte? Wie Regensburg oder Weiden? Das hätte man in dieser Diskussion schon auch ganz gerne erfahren.

Andreas Ascherl

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