08.11.2019 - 17:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Bürgerversammlung in Amberg: Bürger fordern mehr Klimaschutz

Klimaschutz ist in aller Munde. Und er schlug sich am Donnerstagabend auch in der Bürgerversammlung nieder. Nicht nur in der städtischen Leistungsbilanz über das, was bisher in Amberg schon getan wurde, sondern auch in einigen Anträgen.

Die Bilanz dessen, was in Sachen Klimaschutz in Amberg schon erreicht wurde, präsentierte die Stadt bei der Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Pfarrsaal von St. Konrad in Ammersricht. Danach hörten sich OB Michael Cerny und seine beiden Stellvertreter Martin Preuß und Brigitte Netta (von rechts) die Anliegen der Bürger an.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Oberbürgermeister Michael Cerny freute sich über die große Resonanz: Der Pfarrsaal war voll, einige mussten sogar mit Stehplätzen vorlieb nehmen. "Der Klimaschutz geht alle an: uns als Stadt, die Bürger, aber auch Gewerbe, Dienstleistungen und Handel", sagte er und sprach zwei Extreme an. Die einen würden eine radikale Änderung des Lebenswandel fordern, die anderen den Klimawandel schlicht leugnen oder sagen, man könne eh nichts ausrichten.

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Amberg

E-Mobilität und Klimawald

Er sowie die städtischen Referenten Bernhard Mitko und Markus Kühne sowie Stadtwerke-Chef Stephan Prechtl, St. Mariens kaufmännischer Direktor Hubert Graf, Förster Martin Seits und Klimaschutzmanagerin Corinna Loewert führten auf, was die Stadt und ihre Einrichtungen bisher schon alles für den Klimaschutz getan haben: Von LED-Beleuchtung über Fernwärmeversorgung und E-Mobilität bis zum Klimawald.

Solaranlagen für Altstadt

Als Besitzer einer Altstadt-Immobilie will Berthold Bernreuter seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten und hätte gerne, dass deshalb Solar- und Photovoltaikanlagen in der Altstadt erlaubt werden. Gleiches beantragte Florian Xeller, der in der Innenstadt dafür ein großes Potenzial sieht. "Mit der Umsetzung könnte sofort begonnen werden." Baureferent Kühne verweis auf den Denkmalschutz und auch die Bedenken der Feuerwehr. Im Gegensatz zur Altstadt sah Kühne in anderen Stadtteilen Potenziale.

Xeller hatte Verständnis für Denkmal- und Brandschutz, aber nicht, dass man von vornherein Nein sage. "Es sollte kein Gebiet ausgeschlossen werden." Die Bürgerversammlung stimmte ab, ob sich der Stadtrat mit dem Antrag zur Satzung, die in der Altstadt keine Solaranlagen auf Dächern erlaubt, befassen soll - die Mehrheit war dafür.

Um den Ergebnis- und Planungsstand des Radverkehrskonzeptes ging es Christian Schön. Er würdigte, dass diesbezüglich schon viel passiert sei, fand aber, die Anstrengungen könnten noch erhöht werden. Cerny verwies auf die jüngsten Haushaltsberatungen. Vorgesehen seien für 2020 und folgende Jahre jeweils 500 000 Euro plus gegebenenfalls Einzelmaßnahmen on top. Mit diesem Geld ließen sich deutlich mehr Maßnahmen planen, ergänzte Kühne. Das Citybus-System sei für eine Stadt wie Amberg eigentlich nicht schlecht, aber es könnte noch viel mehr getan werden, sagte Christian Schön über den ÖPNV. Die meisten Haushalte in Amberg hätten ein bis zwei Autos. Der Bus sei nur attraktiv, wenn er bequemer, schneller und billiger sei. Schön wollte wissen, was die Stadt tut, um den Autoverkehr zurückzudrängen.

Christian Schön wünschte sich einen attraktiveren ÖPNV, damit mehr Menschen mit dem Bus statt mit dem Auto fahren.

Kostenloser Bus?

Cerny führte ins Feld, dass manche auch auf den Individualverkehr angewiesen seien. Albert Schindlbeck warf die Möglichkeit ein, für Senioren, Schwerbehinderte und Azubis den Bus kostenlos anzubieten. "Ein Anfang wäre das doch mal", fragte er in die Runde. Aus der kam Beifall. Mitko trat jedoch auf die Bremse. Die Frage nach kostenlosen Bussen werde europaweit diskutiert. "Da steigen nicht die Autofahrer auf den Bus um, sondern die Fußgänger auf den Bus." Man sei aber froh um jeden, der zu Fuß gehe, "das ist die ökologischste Variante".

Info:

Der ewige Ampeldirigent

Es war zehn Minuten vor 23 Uhr, als Johann Preßl sich demjenigen widmete, über den Amberg zu gerne diskutiert: den viel geschmähten Ampeldirigenten. Der Antragsteller wünscht sich eine Neuordnung des Ampelwesens. Eine durchgängige Ampelschaltung würde den CO2-Ausschuss reduzieren. Konkret bemängelte er, dass er vom Real bis zum Kreisverkehr keine grüne Welle habe. „Spätestens die zweite Ampel stoppt einen her.“ Vehement verteidigte Baureferent Markus Kühne den Ampeldirigenten und damit jenes ominöse Wesen, das in den Augen vieler scheinbar dazu da ist, einem rote Ampeln zu bescheren. Habe man in eine Richtung durchgängig eine Grünphase, beschere man allen anderen in den Nebenstraßen eine deutlich längere Wartephase, setzten Kühne und OB Michael Cerny zur Verteidigung des dynamischen Systems an, das das mobile Leben erleichtern möchte: geringere Wartezeiten und einen möglichst geschmeidigen Verkehrsfluss. „Moderne Autos mit Start-Stop-Automatik und E-Autos haben in der Standphase an der Ampel sowieso keinen CO2-Ausstoß“, konterte Kühne. Cerny zog das argumentative Ass aus dem Ärmel. Kehre man zu einem starren System zurück, hätte man mehr CO2-Ausstoß. „Und das wollen Sie ja nicht, oder?“, fragte Cerny. Natürlich nicht, gab sich Preßl geschlagen.

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