Amberg
09.08.2026 - 15:44 Uhr
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Amberger Brunnenfest zieht Besucher in historische Zeiten

Das Brunnenfest in Amberg war auch dieses Jahr eine phantastische Zeitreise, eine Rückbesinnung auf eine Zeit, in der das Leben langsamer, die Arbeit schwerer und vor allem die Sprache eine ganz andere Ausprägung hatte.

von mfh

Anno 1474 feierte Amberg die hochfürstliche Hochzeit von Pfalzgraf Philipp und Margarete von Bayern-Landshut. Diesem Fest zu Ehren errichtete die Stadt im Jahre 2000 den Hochzeitsbrunnen. Beseelt von dieser Historie lässt Cantus Ferrum seit dem Jahre 2001 alle zwei Lenze das Brunnenfest erblühen. So wandelte sich auch dieses Jahr die alte Stadt zur Bühne für wohl 280 Gäste befreundeter Gilden und Stände, auf dass sie dem Volke eine gar bunte und lebendige Reise in alte Zeiten bereiten mögen.

An der Seite des erhabenen Schultheiß (Oberbürgermeister) Michael Fritz hieß Ritter Jörg von Leuchtenberg, Herr über Plain und Murach, Liard of Glencoe, Vizdom zu Amberg und deren Hauptmann die historisch Gewandeten willkommen. Zum Pfand gar tiefster Treue waren diese aus weit entlegenen Gauen, selbst aus der Steiermark und dem Böhmischen, an den Vilsstrom gereist. Bereits am Tage des Freytags hoben die Edlen gemeinsam mit dem gemeinen Volke die Becher und feierten gar ausgelassen bis in die späten Stunden der Nacht.

Prächtiger Festzug als Höhepunkt

Der erhabenste Moment dieser Tage war der gar prächtige Festzug: Unter dem Jubel des Volkes zog das kurfürstliche Brautpaar hoch zu Ross und gefolgt vom Hofstaat, edlen Damen, wackeren Waffendamen, Landsknechten und Spielleuten gemeinsam mit den vielzähligen Gästen vom Malteserplatze durch die Gassen gen Rathaus. Kräftigen Schalles verkündet der Herold vom Balkon des Rathauses die Eheschließung. Daraufhin bezeugt Ritter Jörg von Leuchtenberg an der Seite seines Hauptmanns dem versammelten Volke die Uneingenommenheit und Wehrhaftigkeit seiner Feste.

Als die Scharen ins Lager heimkehrten, traten kühne Ritter im Zweikampf gegeneinander an, um Ehre und Können zu erweisen. So manche edle Dame blickte mit bangem Herzen auf ihren heimlich Auserwählten. Gar treffliche Handwerker zeigten ihr Können, die Gewandmacher feilschten um edles Tuch, und allerlei Krämer boten ihre seltenen Waren dem staunenden Volke feil. Für die Kleinsten drehten sich ein Riesenrad und ein gar kunstreiches Karussell. Bei der drückenden Hitze des Tages ein wahrlich schweißtreibendes Tagwerk für jene Wackeren, die sie von Hand in Schwung hielten.

Vom geschmiedeten Schwert bis zum feingeschnitzten Bogen reichte das Werk der Waffenmacher, welche die glanzvollen Erzeugnisse ihrer hohen Kunst vor den Augen des Volkes feilboten. Der köstliche Duft von Garbrät und mancherlei Gewürzen zog durch die geschäftigen Gassen des weitläufigen Lagers: Die Zeit war gekommen, da das hochfürstliche Hochzeitsmahl aufs Reichlichste angerichtet wurde. Gar lange Zeit wurde gezecht, gelacht und getanzt unter dem sternenklaren Himmelszelt der lauen Sommernacht.

Scharen von Besuchern

Zurück im Heute beurteilt man das Brunnenfest als Ausdruck gelebter Stadtkultur. Es verknüpft historisches Ereignis und modernes Gesellschaftsleben zu einem bedeutsamen kulturellen Bezugspunkt, der die Stadtgeschichte lebendig hält und das gemeinschaftliche Miteinander stärkt. Scharen von Besuchern an allen drei Tagen, auch aus dem weiteren Umland, waren ein deutliches Zeichen dafür.

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