15.11.2019 - 15:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger demonstrieren gegen AfD-Bus

Kaum biegt der AfD-Bus um die Ecke, geht auf der anderen Straßenseite auch schon das Gejohle los. Gut 150 Menschen aus dem gesamten politischen Spektrum zeigen, wie bunt die Amberg ist. Die zehn AfD-Anhänger gegenüber reagieren erbost.

Rund 150 Menschen kamen am Freitagvormittag zur Demonstration gegen den AfD-Infobus zum Multifunktionsplatz.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Kommt er oder kommt er nun doch nicht? Bei den rund 150 Menschen, die sich auf dem Platz vor dem Kaufhaus Wöhrl versammelt haben, steigt die Spannung. Via-à-vis am Multifunktionsplatz steht eine Handvoll - vor allem älterer Mitbürger, die sich lautstark über die Demonstranten ereifert. Dann biegt der weiße VW-Bus der AfD-Landtagsfraktion auch schon um die Ecke, Christina Wilhelm, Mitarbeiterin der AfD, und ihr Kollege fangen an, ein paar Stehtische aufzubauen. Gegenüber laufen die Demonstranten zum ersten Mal zur Hochform auf, skandieren "Nazis raus" und andere Sprüche gegen den politischen Rechtsausleger im Landtag.

Für weltoffenes Amberg

"Schämt Euch doch da drüben, ihr Verräter", schreit ein Mann aus dem AfD-Häuflein über die Straße und erntet ein höhnisches "Verräter, Verräter, Verräter", dafür. "Kommunisten!", plärrt ein AfD-Mann zurück. "Die Menschen sind einfach falsch informiert", sagt AfD-Frau Christina Wilhelm im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. So werde der AfD beispielsweise immer eine antijüdische Haltung unterstellt. "Dabei haben wir sogar eine JAfD, eine jüdische Gruppe, in der Partei."

Während die AfD aufbaut, hat die andere Seite ihren Spaß. Oberbürgermeister Michael Cerny steht genauso in der Menge der Demonstranten wie Bürgermeisterin Brigitte Netta, DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Bernd, Martin Seibert und Dieter Weiß - er hat die Demo angemeldet - von der SPD, Vertreter von Amberger Bunt, von den Grünen und natürlich vom Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte. Für letzteres zeichnet Hans Lauterbach als Organisator der Gegendemo verantwortlich. "Wir stehen für ein weltoffenes Amberg", sagt Lauterbach, "für ein friedliches Miteinander." Die AfD bezeichnet er hingegen als "rassistisch, frauen- und klimafeindlich."

AfD-Infomaterial in den Müll

Fast gleichzeitig äußert Christina Wilhelm ihr Unverständnis über die Beweggründe, eine ihrer Ansicht nach durch und durch demokratische Partei wie die ihre mit einer Demonstration zu empfangen. Schon ruft auf der anderen Straßenseite Hans Lauterbach ins Megafon: "Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda." Schnell wagen sich erste AfD-Gegner auf die andere Straßenseite und in unmittelbare Nähe des Infostandes. Ein Demonstrant nimmt immer wieder Material der AfD und wirft es anschließend in den Papierkorb. "Da gehört es hin", sagt er und bekommt von einem der anwesenden AfD-Anhängern sogleich einen Platzverweis verpasst.

Zwischen den Linien deeskaliert die Polizei - soweit das überhaupt nötig ist. Denn außer ein paar Unflätigkeiten, die man sich über die Straßen hinweg zuwirft, bleibt es friedlich. Geduldig beantwortet einer der Polizisten die Frage eines älteren Herren, ob er denn auch seinen Gummiknüppel dabei habe - für die Demonstranten da drüben. Erstens, so antwortet, der Ordnungshüter, gebe es inzwischen Teleskop-Schlagstöcke und zweitens werde er diesen mit Sicherheit hier und heute nicht benutzen. "Wir in Bayern machen es mit dem Reden aus."

Friedlich und ohne Schlagstock

Gut 90 Minuten dauert der Spuk, dann packt die AfD wieder ein. Ein einsamer Demonstrant greift sich einen Besen und kehrt symbolisch hinter den AfD-Leuten zusammen. Drüben gefällt es ihnen, hüben schreitet nun doch die Polizei ein und bittet den Mann, es nun gut sein zu lassen. Ganz friedlich - und einen Teleskop-Schlagstock brauchen die Beamten schon gar nicht.

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Kommentare

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Tobias Leißner

Angesichts der Grausamkeit der Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch das nationalsozialistische Schreckensregime, ist es im Grunde widerlich und ungeheuerlich, wie unbedarft, leichtfertig und in Wahrheit verharmlosend mit Titulierungen wie „Nazis“ oder „Faschisten“ umgegangen wird. In jeder politischen Diskussion wird die AfD mit diesen Mitteln diffamiert, scheinbar hat man sonst keine Argumente?
Da stellt sich der Bürgermeister hin, und sieht - scheinbar aus Unterlegenheit heraus- in seinem politischen Gegner automatisch einen Nazi. Die Schicksale der Opfer des Holocaust werden tagtäglich dafür missbraucht, um billigstes parteipolitisches Kleingeld zu wechseln!
Da stehen dann die inzwischen profillosen Parteien CSU, SPD und die Grünen Seite an Seite und tun das im Einklang, und meinen damit demokratisch zu sein, indem sie genau das tun, was sie der Gegenseite vorwerfen, und zwar ausgrenzen! Und wenn die Wähler dann die AfD wählen, wirft man sie in den selben Topf. So funktioniert Spaltung und Ausgrenzung, und wir erleben wie das tagtäglich zunimmt.

18.11.2019
Jana Anders

Es ist immer lustig wenn die AfD irgendwo aufschlägt und die von Gewerkschaften, Parteien und Bürgermeistern, zum *Kampf gegen Rechts* aufgerufenen Demonstranten, schon voller Erwartung auf ein hirnloses Gegröhle, sich die Füße vor Ort in den Bauch stehen.
Die Bürger merken es immer mehr wie demokratisch die vermeintlichen Demokraten sind.
Für wessen Schutz ist die Polizei vor Ort, wer muss da vor wem geschützt werden?

17.11.2019
Helga Kellner

Ich kann meinen Vorrednern hier nur zustimmen! Unter Demokratie verstehe ich was anderes als pöbeln und johlen!Aber was soll man auch erwarten von einem mediengesteuerten Klientel?Hass und Hetze sehe ich nur bei den etablierten Parteien..und zwar immer einstimmig gegen die AFD!
Mit Intelligenz hat das nicht viel zu tun,ein anderer Umgang mit der AFD wäre wohl produktiver.Und falls es morgen regnet hat bestimmt auch die AfD schuld daran!
Dumme sehe ich leider eher immer öfter in anderen Parteien...dort gibt es viele ohne Berufsausbildung und Schulabschluss,man muss nur mal recherchieren..Egal-die Zeit wird´s richten...

16.11.2019
Joachim Datko

Die AfD ist eine respektable Partei!

Ich bin aktiver AfD Sympathisant und bei Veranstaltungen der AfD im Regensburger Raum dabei. Es gibt ein übles Kesseltreiben gegen die AfD. Bei uns stellt sich sogar die Oberbürgermeisterin (SPD) neben die Fahne der aggressiven Antifa, wenn es gegen die AfD geht.

Regensburg, 05.11.2019
Siehe: https://www.regensburg-digital.de/wp-content/uploads/2019/11/Bild1-1024x683.jpeg

Die AfD sollte sich nicht provozieren lassen, sondern weiterhin gelassen ihre politischen Positionen darlegen. Für mich ist ihr Widerstand gegen die massive Einwanderung und gegen den Islam besonders wichtig.

Joachim Datko – Ingenieur, Physiker

16.11.2019
Rene Kinderlein

Schade, dass überall wo die AfD auftaucht sofort gegnerisches Geschrei und Gejohle erschallt. Eine vernünftige politische Arbeit der AfD Gegner gibt es dem Anschein ja nicht. In einer Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit macht sich bei den etablierten niemand Gedanken darüber warum die Rechte Strömung denn überhaupt entstanden ist. Wohl aus einer Politik, die breiten Teilen der Bevölkerung nicht gefällt. Und auch niemand nennt die Wurzeln des Nationalsozialismus. So werden in der freien, bunten Gesellschaft nun Veranstaltungen des politischen Gegners, der in vielen Parlamenten vertreten ist und demokratisch gewählt wurde einfach niedergebrüllt und deren Wähler als Dumme, Gestrige, Nazis, Idioten usw. diffamiert. Da sind die etablierten dem Faschismus wohl näher als die Afd.

16.11.2019