Amberg
04.01.2023 - 12:12 Uhr
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Amberger Luitpoldhütte setzt auf Wachstum und modernen 3D-Druck

Mit ihrem Gründungsjahr 1883 als Hochofenwerk gehört die Amberger Luitpoldhütte sicherlich zu den sehr alten Industrien in unserer Region. Doch der heutige Gießereibetrieb macht sich gerade auf in eine ganz moderne Zukunft.

Auf den ersten Blick hat sich an der Arbeitsweise in der Luitpoldhütte in den vergangenen hundert Jahren nicht viel geändert. Doch das Unternehmen ist längst auf dem Weg in die Moderne. Bild: Andreas Ascherl
Auf den ersten Blick hat sich an der Arbeitsweise in der Luitpoldhütte in den vergangenen hundert Jahren nicht viel geändert. Doch das Unternehmen ist längst auf dem Weg in die Moderne.

Der Hochofen der Luitpoldhütte in Amberg ist schon vor Jahrzehnten verschwunden. Wildkräuter und Blumen wachsen an seinem ehemaligen Standort oberhalb der hohen Mauer an der Sulzbacher Straße. Auch das Erzbergwerk existiert nicht mehr, Zementproduktion und Röhrenguss sind Geschichte. Geblieben ist aber die klassische Gießerei. Sie ist inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes ein absolutes Schwergewicht und Erfolgsmodell auf dem Gießerei-Markt.

"Wir produzieren Gussteile in Grau- und Sphäroguss sowie Vermiculargraphit (GJV) von 100 bis 1.000 Kilogramm in Klein- und Mittelserien." So steht es auf der Internet-Seite der Luitpoldhütte zu lesen. Doch hinter diesem etwas sperrig zu lesenden Satz verbirgt sich die ganze Erfolgsgeschichte der LH, die in den 1990er-Jahren begann und sich bis heute beinahe nahtlos fortsetzen lässt – trotz eines Zwischenspiels mit russischem Eigentümer samt Insolvenz.

Kleine Serien, große Teile

"Automotive würde ich nie machen", sagt Frank Schild, der seit einigen Jahren als Geschäftsführer der Luitpoldhütte für deren Geschicke verantwortlich ist. "Automotive", das wären Teile für die Automobilindustrie. Motorblöcke oder Getriebegehäuse. Massenware, die einem ständigen Preisdruck vonseiten der Kunden unterliegt. Von diesem Sektor hat sich die LH schon in den 1990ern verabschiedet. Das Unternehmen ist seither einen anderen Weg gegangen. In der Gießerei entstehen beispielsweise kleinere und mittlere Serien für die Hersteller von Landmaschinen und Traktoren.

Dazu kommen große Motorblöcke für den Sondermotorenbau von MAN und anderen. Teile, die nicht jede Gießerei anbieten kann, die aber immer wichtiger werden. "Wir bauen beispielsweise Hinterachsgehäuse für große Traktoren", erläutert Frank Schild. Rund 75 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet die Luitpoldhütte inzwischen im Landmaschinensektor. Wie Frank Schild und Vertriebsleiter Philipp West sagen, gibt es weltweit kaum noch einen Hersteller, der nicht Kunde ist. Von Fendt über New Holland bis Claas liest sich die Kundenliste der Luitpoldhütte wie ein Who-is-who der Branche.

Markt legt stark zu

Ein Markt übrigens, der immer noch und stark zulegt. "Die Weltbevölkerung wächst und damit der Bedarf an Lebensmitteln", nennt Schild den Hintergrund. "Die Fläche für die Äcker wächst aber kaum noch." Mit der Konsequenz, dass die vorhandenen Flächen umso intensiver bearbeitet werden müssen, um die Erträge zu steigern. Unter anderem mit noch größeren und noch besseren Maschinen – für die die Luitpoldhütte Teile liefert.

Ein Erfolgsrezept, das die LH-Leute schon stolz und selbstbewusst macht. "Wir sind gut mit dem, was wir machen", bringt es Geschäftsführer Frank Schild auf einen Nenner. "Und weil wir gut sind, wachsen wir." Grenzen setzt dem Wachstum laut Frank Schild und Philipp West derzeit nur der Mangel an Arbeitskräften. Die 500 Luitpoldhütterer könnten sehr dringend noch Verstärkung brauchen – vor allem im ungelernten Sektor. Fachkräfte bilde man ja selbst aus, sagt Schild. Hier sei der Engpass nicht so groß. "Wir haben unsere Ausbildung ausgeweitet."

Kohlendioxid absondern

Wie Frank Schild erzählt, gibt es in der Luitpoldhütte inzwischen auch eine ukrainische Arbeitsgruppe, die sich hauptsächlich aus Kriegsflüchtigen zusammensetzt. Dank einer ukrainisch-stämmigen Ingenieurin klappt auch die Verständigung ganz gut. "Das ist für uns natürlich ein absoluter Glücksfall", so Schild.

Doch auch ein Erfolgsmodell muss ständig verbessert und erneuert werden, um nicht irgendwann auf der Strecke zu bleiben. Aus diesem Grund sucht die Luitpoldhütte ständig nach Möglichkeiten, die Planung und Produktion zu verbessern. Die derzeitige Lage auf dem Energiemarkt macht es schwierig, das geben Schild und West gerne zu. Die LH ist sehr energieintensiv – und ihr Kupolofen läuft noch mit Koks und Erdgas. Eine Umstellung auf Elektro ist aber nicht so einfach möglich, intensiv arbeitet man derzeit an Möglichkeiten, wenigstens das austretende Kohlendioxid abzusondern und zu binden.

Zukunft im 3D-Druck

Und dann gibt es noch das Zauberwort "3D-Druck". Noch halten sich die Verantwortlichen der Luitpoldhütte etwas bedeckt. Doch planen sie nach Angaben von Frank Schild den Bau einer Halle in der Werkshalle, um einen hochmodernen 3D-Drucker für den Formenbau aufstellen zu können. Ein ganz innovatives Projekt, das den Bau von Sandkernen und Sandformen für die Gießereiindustrie revolutionieren könnte. Leisten kann sich die Luitpoldhütte das. "Wir haben keinerlei Bankschulden und finanzieren uns aus eigener Tasche", sagt Frank Schild.

Bleibt noch die Frage der Energie. "Wir überlegen natürlich auch, welche Flächen wir beispielsweise für Photovoltaik nutzen könnten", sagt Philipp West. Im Auge haben die Verantwortlichen hier schon diverse Stellen auf dem Firmengelände. Die derzeit auf ihre Eignung untersucht werden. Der Ertrag an Solar-Energie wäre trotzdem "nur" ein Bruchteil der Energie, den die LH verbraucht – aber immerhin. Dächer und Freiflächen wären vorhanden – der Wille der Verantwortlichen auch.

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Amberg15.12.2022
Hintergrund:

Die Luitpoldhütte auf dem Weg in die Moderne

  • 1883 als Hochofenwerk gegründet
  • 1911 Errichtung der ersten Gießerei unter dem Namen "Luitpoldhütte" zu Ehren von Prinzregent Luitpold
  • 1939 bis 1945 Teil der Reichswerke Hermann Göring - 1945 bombardiert und teilweise zerstört
  • 1995 Übernahme durch den französischen Valfond-Konzern und später Novaterra
  • 2008 Verkauf der Firmenmehrheit an die russische Agromash Holding
  • 2015 Insolvenz und Verkauf an die belgische Ogepar-Gruppe - Freistaat Bayern gibt seine Anteile auf - Auflösung der AG
  • Derzeit hat die Luitpoldhütte rund 500 Beschäftigte
  • Der Jahresumsatz beträgt rund 120 Millionen Euro
  • Pro Jahr werden 60.000 Tonnen Roheisen erzeugt und gegossen
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