10.09.2019 - 10:41 Uhr
AmbergOberpfalz

Aus Amberger Malteser-Gaststätte werden Wohnungen

Darauf hatte einst jeder Bock: Bockbierfeste im Malteser - legendär wegen ihrer zünftigen Stimmung im urigen Saal und der historischen Gaststätte mit den Rittergemälden an der Wand. Nun verschwindet das Lokal aus Ambergs Wirtshaustradition.

Eine verschärfte Geschäftssituation gab es schon vor dem Chilli’s, das zuletzt in der Malteser-Gaststätte firmierte. Die schiere Größe des Lokals mit Saal und Garten machte den profitablen Betrieb nicht leicht.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Die lebensgroßen Konterfeis der Ritter hatten früher auch für den Namen des im doppelten Wortsinn einschlagenden Bockbiers gesorgt: Der Rittertrunk der ehemaligen Malteser-Brauerei war so süffig und bekannt, dass ihn jahrzehntelang Tausende Amberger gerne schlürften. Das ist schon eine Weile her. Zuletzt erlebte das Lokal keine so glorreichen Zeiten mehr, was jetzt zu Konsequenzen führt. Aus der Malteser-Gaststätte sollen Wohnungen werden.

Das bestätigte die b. k. Baukonzept Malteser GmbH, die ausführende Firma dieser und weiterer Maßnahmen in dem Gebäudekomplex ist. Hinter ihr und der auch namentlich dazugehörigen Projektentwicklungsgesellschaft steht als Geschäftsführer Hans Hornauer, der zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Kompagnon Johann Kiener 2016 die vierflügelige Malteseranlage erworben hat.

Studenten im Karree

Seitdem ist einiges passiert: Der Westtrakt wurde aufwendig saniert und mit 22 Studentenappartements sowie sechs weiteren Wohneinheiten wiederbelebt. Übergabe war hier bereits im vergangenen Dezember gewesen. Im Februar zog dann die b. k. Baukonzept mit ihrem Büro selber in den weitläufigen Komplex ein, der unter dem Titel Malteser-Carré vermarktet wird. Dazu gehört natürlich auch der Osttrakt, der in einem zweiten Bauabschnitt ebenfalls generalsaniert und vor allem mit 20 Wohnungen ausgestattet wird. Ein neuer Glasaufzug im Innenhof soll sie und Gewerbeflächen leichter zugänglich machen. Die Fertigstellung dieses Flügels ist laut Firma nach rund einem Jahr Bauzeit für Ende des Jahres vorgesehen.

Chilli's schloss im Herbst

Bereits im Herbst 2018 war nach Unternehmensauskunft der Pachtvertrag für die Malteser-Gaststätte ausgelaufen; zuletzt war hier die Regensburger Brauerei Bischofshof Partner gewesen, die ihrerseits mit dem Tex-Mex-Restaurant Chilli's kooperierte. Dieses Lokal schloss nach rund fünf Jahren und beendete faktisch schon 2018 die lange Malteser-Gaststätten-Tradition.

Doch nach Ansicht von b. k. Baukonzept ist die nun geplante Umnutzung eine gute Lösung. Zumal sie "der erhöhten Nachfrage nach saniertem Wohnraum" diene und "hervorragend zum restlichen Planungskonzept des Gebäudes" passe. Aus dem ehemaligen Gaststättenbereich sollen demnach fünf Wohneinheiten mit Größen zwischen 30 und 90 Quadratmetern werden - "mit herrlichem Ausblick zur Altstadt und zum Maltesergarten", heißt es in einem Pressetext, der ferner betont, dass die Nutzungsänderung "im Dialog mit der Denkmalbehörde" erfolge.

Hintergrund:

Wer die neue Wohnungsnutzung für eine bärenstarke Lösung hält, der wird sich vielleicht durch andere tierische Entwicklungen bestätigt sehen, die die Malteser-Gaststätte in den vergangenen Jahren durchgemacht hatte. Nicht nur, dass der bullige Stier, mit dem zuletzt das Tex-Mex-Restaurant Chilli’s in seinem Logo warb, verschwand. Auch das ebenso stämmige Oberpfälzer Schwein hielt sich nicht lange.

Es war vor dem spanischen Toro rund zwei Jahre lang hier zu Gast gewesen – in Form des Schweinswirts, der von 2011 bis 2013 vor allem mit Oberpfälzer Spezialitäten vom Schwein im Malteser firmierte. Ein verregnetes Frühjahr hatte nach Aussage der damaligen Betreiber ausgereicht, um das Geschäft im Garten einbrechen zu lassen. Darauf aber sei man bei der insgesamt sehr großen Fläche der Gaststätte angewiesen gewesen. Durch die hier fehlenden Umsätze habe man schließlich aufgeben müssen, so die seinerzeitige Auskunft.

Selbst vorm Schweinswirt hatten sich frühere Pächter mitunter schon schwergetan, zufriedenstellende Gewinne zu erzielen. Das lag nicht nur daran, dass die gleichnamige Brauerei in den 1990er-Jahren schloss und somit im Rücken von Gebäude und Geschäft fehlte. Tatsächlich ist die Fläche des Wirtshauses mit über 800 Quadratmetern riesig und müsste praktisch ständig gut gefüllt sein, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Das aber wurde auch nach dem Ende der traditionsreichen Braustätte – obwohl Bischofshof die Biere weiter anbot – zunehmend schwieriger.

Einzig die erwähnten Bockbierfeste oder andere größere Veranstaltungen zogen noch regelmäßig gut Publikum. Aber wenn fast nur der Bock Bock auf den Besuch der Gaststätte machte, dann hatten auch manche Wirte nicht mehr genügend Bock auf einen langen Betrieb unter komplizierten Bedingungen.

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