14.05.2019 - 14:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Rabbiner plant Zentrum für Toleranz

Die Israelitische Kultusgemeinde baut an der Zukunft - an der ihrer Synagoge und an der Europas. Denn mit der bevorstehenden Sanierung der Gebäude in der Salzgasse startet auch ein neues Projekt für religiöse Toleranz.

Von der Synagoge in der Amberger Salzgasse soll bald deutschlandweite Signalwirkung ausgehen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Zwei große Baustellen stehen für Rabbiner Elias Dray an - eine ist der Umbau mit Sanierung der Synagoge in der Salzgasse, die andere ist die Weichenstellung für ein neues Bildungs- und Präventionszentrum gegen politische und religiöse Radikalisierung. Dieses Zentrum soll deutschland- oder vielleicht sogar europaweit wirken und seinen Sitz in Amberg haben. Nächste Woche wollen Dray und eine handvoll Mitstreiter dafür den Trägerverein mit dem Namen "Dem anderen begegnen" gründen.

Elias Dray hat auch schon in Berlin für Schlagzeilen gesorgt

Amberg

"Es geht auch darum, das Demokratie- und Freiheitsverständnis zu fördern", erklärt der Rabbiner. In ganz Europa, besonders in den Großstädten, steige die Zahl judenfeindlicher Vorfälle. Das habe seiner Ansicht nach oft mit fehlender Aufklärung und mangelnder Integration zu tun. Vor allem Jugendliche seien anfällig für Thesen von politischen Scharfmachern und religiösen Fanatikern.

Dabei sei der gegenseitige Respekt Grundkonsens der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. "In Amberg haben wir ein sehr gutes Verhältnis", sagt Dray. "Wir sitzen öfter zusammen und reden miteinander. Vorurteile verschwinden." Ex-Bundestagsabgeordnete und Stadträtin Barbara Lanzinger unterstützt die Israelitische Kultusgemeinde seit vielen Jahren. Sie hatte für Dienstag einen Besuch der Europaabgeordneten Monika Hohlmeier (CSU) vermittelt, um Möglichkeiten für eine finanzielle Förderung der Vorhaben auszuloten. Die geplanten Baumaßnahmen sind mit rund 670 000 Euro veranschlagt. Gut 470 000 Euro hat die Gemeinde schon zusammen. Laut Hohlmeier könnten der Entschädigungsfonds des Freistaats und der Kulturfonds des Bundes zumindest einen Teil der Lücke schließen. "Ich würde noch ein besonderes Augenmerk auf die Jugendarbeit legen", riet Hohlmeier. Denn der Grundstein für religiöse Toleranz werde in jungen Jahren gelegt. Dazu gehörten nicht nur Gespräche, sondern auch gemeinsame Erlebnisse. "Alles was man gesehen, gerochen und geschmeckt hat, das bleibt im Gedächtnis - vor allem bei Kindern", sagte die Politikerin. Dabei richtete sie den Blick auch auf das Umfeld der Amberger Synagoge. Der Hinterhof mit dem kleinen Garten sei ihr aufgefallen. "Vielleicht lässt sich daraus was machen."

Hohlmeier machte keinen Hehl daraus, dass es auch Ziel sein müsse, die muslimischen Migranten zu erreichen. "Da sind viele junge Leute dabei, die in keiner Phase ihres Lebens gelernt haben, dass es religiöse Toleranz gibt." Das Bildungs- und Präventionszentrum könne beispielgebend für Deutschland und Europa sein. Dem pflichtete Barbara Lanzinger bei dem Treffen: "Das ist gelebte Integration. Nur so geht's."

Barbara Lanzinger (links) und Monika Hohlmeier zu Gast beim Amberger Rabbiner Elias Dray.
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