19.07.2021 - 11:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Wirtschaftsschule soll Stelle für Jugendsozialarbeit bekommen

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Die Coronapandemie hat viele Probleme einiger Schüler an der Amberger Wirtschaftsschule verstärkt. Eine Stelle für Jugendsozialarbeit soll dem entgegenwirken. Sie könnte besonders für sozial schwächer gestellte Schüler eine Chance bieten.

Die Wirtschaftsschule soll eine Stelle für Jugendsozialarbeit bekommen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Die Friedrich-Arnold-Wirtschaftsschule soll eine Stelle für Jugendsozialarbeit bekommen. Sibylle Vinzens von der Amberger Jugendhilfeplanung stellte eine entsprechende Beschlussvorlage im Amberger Jugendhilfeausschuss vor. Sie erklärte, worum es sich dabei handelt: "Zielgruppe sind junge Menschen mit sozialen und erzieherischen Problemen, die zum Ausgleich von sozialen Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind." Soll heißen: Jugendliche, die Probleme in der Familie haben, öfter mit ihren Aggressionen zu kämpfen haben, die Schule verweigern, gemobbt werden oder psychische Probleme haben, sollen eine Anlaufstelle direkt in der Schule bekommen.

Wie Vinzens weiter erklärte, habe die Schule selbst den Wunsch nach einer solchen Unterstützung geäußert. Aufgrund der Schulgröße sei eine Vollzeitstelle für Jugendsozialarbeit angemessen. In Zahlen heißt das: Es gibt dort derzeit 404 Schüler, von denen 190 aus der Stadt Amberg, 198 aus dem Landkreis, 13 aus dem Kreis Schwandorf und drei aus dem Kreis Nürnberger Land kommen. Warum eine Stelle für Jugendsozialarbeit wichtig wäre, erklärte Vinzens zunächst damit, dass die Gruppe der Schulbesucher insgesamt von Schulwechseln und Wiederholungen einer Jahrgangsstufe geprägt seien. Das bedeutet: Rund ein Viertel der Schüler wiederholt derzeit ein Jahr, besonders, weil sie einen Schulwechsel hinter sich haben. Das könne zu Problemen führen. Vinzens: "Rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler kommen von Gymnasien oder der Realschule und haben damit bereits einen Bruch in ihrer Bildungsbiographie erlebt."

Zahlen aus der Elternbefragung

Hinzu kommt, dass in einer Elternbefraung rund 22 Prozent der Teilnehmenden angegeben haben, dass ihr Kinder bei Alleinerziehenden aufwächst. Rund 17 Prozent der Befragten sagten, dass sie bei der Erziehung ihrer Kinder immer wieder an ihre Grenzen stoßen. Vinzens dazu: "Hier kann eine niederschwellig zugängliche Beratung in Form von Jugendsozialarbeit an Schulen auch Eltern deutlich entlasten." Knapp acht Prozent der Teilnehmer bestätigten, dass ihr Kind in der Vergangenheit bereits Kontakt mit Drogen hatte. "Dabei handelt es sich nur um die Fälle, in denen dies den Eltern bekannt war", betonte Vinzens.

Corona verschärft Probleme

Die mit der Coronapandemie einhergehenden Lockdowns hätten einige Probleme an der Wirtschaftschule zusätzlich verschärft. So war Schuleschwänzen laut Vinzens schon vor Corona ein bekanntes Phänomen, die Beschränkungen im Frühjahr 2020 haben es befeuert. "Viele Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten hatten, konnten sich nach der langen Zeitspanne zu Hause im Schulalltag kaum mehr einfinden." Dieses Verhalten sei im zweiten Lockdown noch deutlicher geworden.

Einige Schüler haben zudem unter der Situation im häuslichen Umfeld gelitten, wie Vinzens hervorhebt. "In den vorangegangenen Jahren konnte die Wirtschaftsschule die Familien durch das Angebot einer offenen Ganztagsschule entlasten." Dieses Angebot konnte jedoch im laufenden Schuljahr nicht stattfinden.

Schließlich sagte Vinzens Folgendes: "Es finden sich an der Wirtschaftsschule zahlreiche Kinder und Jugendliche, die an Depressionen leiden." Das habe Auswirkungen auf deren Schulalltag, da diese Schüler unter Panikattacken litten und versuchten die Schule zu meiden. Häufig müssten sie auch kinder- und jugendpsychiatrisch behandelt werden.

Kosten und Umsetzung

Wie das Jugendamt mitteilt, soll es eine Vollzeitstelle für die Jugendsozialarbeit an der Wirtschaftschule ab dem Jahr 2022 geben. Diese wird im Jahr 58 000 Euro kosten. Dabei kann die Stadt rund 16 000 Euro Förderungen bekommen.

Thomas Boss, Leiter des Jugendamts sagte: "Die Stelle wird es nur geben, wenn das mit der Förderung klappt." Sollte dies nicht gelingen, könne sich der Stadtrat jedoch überlegen, ob die Stelle im Notfall auch ohne finanzielle Hilfe vom Staat geschaffen werden sollte, weil sie eine sinnvolle Investition sein würde.

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Amberg
Info:

An diesen Amberger Schulen gibt es eine Jugendsozialarbeit

  • Albert-Schweitzer-Grundschule
  • Barbara-Grundschule
  • Berufliches Schulzentrum
  • Dreifaltigkeits-Mittelschule
  • Franz-Xaver-von-Schönweth-Realschule
  • Luitpold-Mittelschule
  • Mittelschule Ammersricht
  • Sonderpädagogisches Förderzentrum Willmannschule
  • In Vorbereitung und voraussichtlich ab dem Schuljahr 2021/2022 soll es auch an der Max-Josef-Grundschule Jugendsozialarbeit geben
  • Ebenfalls in Vorbereitung befindet sich die Jugendsozialarbeit an der Grundschule Ammersricht
  • Ab Anfang 2022 könnte es das Angebot auch an der Friedrich-Arnold-Wirtschaftsschule geben

 

 

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