25.01.2021 - 15:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Ambergerin erkrankt nach Impfung an Covid-19: Eine Suche nach der Ursache

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Trotz Impfung fängt sich eine Ambergerin das Coronavirus ein. Wurde sie vom Impfteam infiziert? War der Impfschutz noch nicht ausreichend? Ist es eine mutierte Virusform? Und wie lässt sich die testen?

Im Moment ist es die einzige Hoffnung auf ein Ende der Coronapandemie in Europa: Impfstoffe von Herstellern wie Biontech/Pfizer. Wie lange dauert es, bis sie gut wirken?
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Plötzlich kam der Husten, der Geschmack wurde weniger und weniger, die Glieder begannen zu schmerzen. So beschreibt Johanna K. (Name von der Redaktion geändert) die ersten Tage ihrer Covid-19-Erkrankung. "Es waren die typischen Symptome", erklärt die Ambergerin. Doch so ganz konnte und wollte Johanna nicht verstehen, wie sie sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte. Dazu muss man ihre Vorgeschichte kennen.

Johanna ist Altenpflegerin. In ihrem Beruf achtet sie akribisch auf Hygiene und Abstand, vom Arbeitgeber werden sie und ihre Kollegen engmaschig auf das Virus getestet. Und Johanna hat sich als eine der ersten in der Region mit dem neuen Stoff Ende des vergangenen Jahres impfen lassen. Kurz zuvor wurde ein Schnelltest gemacht, er war negativ.

In der Nacht ging es schlechter

Exakt zehn Tage nach der Impfung hatte Johanna leichte Halsschmerzen, sie ging weiter in die Arbeit, trug wie immer eine FFP-2-Maske, feierte nicht Silvester, verzichtete im Privaten auf Treffen mit Freunden oder Nachbarn. Nochmals vier Tage später schlug ein Schnelltest an: "Ich habe es erst gar nicht glauben können", sagt Johanna. In der darauffolgenden Nacht "ging es mir richtig schlecht, vor allem der Husten war böse". Die anderen Symptome folgten schnell. Auch Johannas Mann war nun gesundheitlich angeschlagen. "Ich kann mir das nicht erklären", sagt Johanna. Sie vermutet, dass das Impfteam das Virus möglicherweise mitgebracht haben könnte.

Ist der Impfstoff sicher?

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Das schließt der Leiter der Gesundheitsamtes in Amberg, Dr. Roland Brey, aus. Er kenne den Verdacht - auch aus Nachbarlandkreisen, wo sich ebenfalls Personen trotz einer Impfung noch infiziert haben. "Die Impfteams sind geschulte Leute. Das ist für mich nicht plausibel." Brey zählt zwei Optionen auf. Möglicherweise war das Virus doch noch nicht völlig aus dem Heim verschwunden. Oder der Impfstoff "gab leider noch nicht den Schutz, den er geben sollte". Die Abwehrkräfte zu mobilisieren, dauere ein paar Tage. Schließlich bestehe der Impfstoff aus Botenstoffen, die den Körper animieren, selbst Antikörper zu entwickeln.

War Johannas Körper eventuell noch nicht ausreichend geschützt? So oder so: Für Brey ist damit deutlich, "dass es unbedingt eine zweite Impfrunde braucht". Er sagt auch, dass das Virus gerade so tückisch sei, weil oft "das Feststellen des Wo und Wann einer Infizierung ein großes Problem" ist.

Screening nach Reisen oder Auffälligkeiten

Johanna grübelt weiter und möchte nun wissen, ob sie sich vielleicht mit der mutierten Variante des Coronavirus, das zunächst in Großbritannien auftrat und nun auch in Franken nachgewiesen wurde, infiziert hat. Wie man das testen lassen kann - da tappt sie bislang im Dunkeln. Eine Anfrage unserer Zeitung beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen erhellt etwas.

Eine Reiserückkehrer brachte wohl Mutation B.1.1.7 mit

Bayreuth

Dort gibt es seit 2018 ein zentrales Analyselabor, das sich dem "Next generation sequencing" verschrieben hat. Also eine verbesserte Technologie zur DNA-Sequenzierung betreibt, im Hinblick auf Infektionserreger. LGL-Sprecher Aleksander Szumilas erklärt, dass sein Haus immer dann "anlassbezogen Proben im Auftrag der Gesundheitsämter sequenziert, wenn die Routine-Sars-CoV-2-PCR ein positives Ergebnis zeigt und die Sequenzierung in besonderen Fällen notwendig und fachlich sinnvoll ist. Etwa bei einem Ausbruch in einer Klinik oder nach einer Reise. Denn die bisher bekannten Fälle in Bayern wurden gezielt wegen der Reiseanamnese oder Auffälligkeiten im Screening sequenziert."

Im ersten Schritt werden am LGL positive Proben aus den Coronatests vorgescreent auf die Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien. Das gibt erste Hinweise, die dann in einer anschließenden Sequenzierung verifiziert werden können, erklärt Szumilas das Vorgehen. "Eine Sequenzierung im Labor ist methodisch nur möglich bei Proben mit relativ hoher Viruslast."

Tausende Mutationen im Umlauf

Szumilas sagt aber auch: "Mit der Bewertung von Varianten muss man grundsätzlich vorsichtig sein. Denn es gab bereits tausende von Mutationen im Laufe der Pandemie." Die endgültige Bewertung einzelner Mutationen beziehungsweise Varianten hinsichtlich zum Beispiel der Infektiosität und Übertragbarkeit kann aufgrund von Sequenzierdaten nicht erfolgen. Da brauche es weitere Daten aus Experimenten.

Für Johanna als Privatperson, der es schlecht geht, heißt das nun konkret: Einen speziellen Test, ob sie sich das mutierte Virus eingefangen hat, kann sie nur bei einem Arzt machen, wenn dieser mit einem Labor zusammenarbeitet, das genau das anbietet. LGL-Sprecher Szumilas erklärt, dass der Ausbau in Privatlaboren nun vorangetrieben werde, um die Mutationen breiter überprüfen zu können.

Hintergrund:

Impfen und trotzdem positiv: Erklärungen des RKI

  • Die Person, die geimpft wurde, könnte bereits vor der Impfung infiziert gewesen sein. Die mittlere Inkubationszeit bei Covid-19 beträgt zwischen fünf und sechs Tage.
  • Die Person, die geimpft wurde, könnte sich kurz nach Impfung angesteckt haben. Eine Wirkung der Impfung tritt in der Regel 10 bis 14 Tage nach Applikation der ersten Impfstoffdosis ein.
  • Da die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz garantieren kann, ist es auch möglich, dass sich eine Person trotz Impfung infiziert; in der Regel verläuft die Erkrankung mit milderen Symptomen oder sogar asymptomatisch.
  • Der Antigentest kann falsch positiv sein.

Die Erklärungen stammen von der Webseite des Robert-Koch-Instituts.

Zum Robert-Koch-Institut

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